Zu Gast in…

29.10.2026, 19.00 Uhr · Kleine Synagoge Erfurt · Podium

Von »Brunnenvergiftern« zu den »Globalisten«: Antijüdische Verschwörungserzählungen: Vom Mittelalter bis zu ihrer Globalisierung

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Das World Wide Web und die sozialen Medien sind voll davon: Erzählungen und Bilder über eine angebliche jüdische Weltverschwörung, geheime Machenschaften von »Globalisten« und zahlreichen anderen antisemitischen Mythen und Codes. Die meisten richten sich offen gegen jüdisches Leben, andere verschleiern dieses Ziel. Sehr viele dieser Erzählungen werden vom rechten, linken und muslimischen Antisemitismus geteilt, weltweit.

Wir schauen auf die lange Geschichte dieser Erzählungen und Bilder, die bis weit ins europäische Mittelalter hineinreicht – und auch in Erfurt ihre Spuren hinterlassen hat. Immer wieder wechselten sich Phasen relativ friedlichen Zusammenlebens von Juden und Christen mit Phasen von Verfolgung und Pogromen ab, für die oftmals Erzählungen von »Brunnenvergiftern« und »Kindsmördern« oder Darstellungen von »Judensäuen« die geistige Grundlage bildeten.

Aber wie verbreiteten sich diese Motive später? Schon im 19. Jahrhundert wurde der moderne Antisemitismus mit der Expansion des ›Westens‹ zu einem weltweiten Phänomen. Doch gerade in der Phase der NS-Herrschaft erhielt ausgerechnet Erfurt eine unrühmliche und heute fast vergessene Rolle in diesem Prozess: Denn mit dem in Erfurt ansässigen »Weltdienst« installierten die Nationalsozialisten hier eine global tätige Nachrichtenagentur, deren Auftrag es war, antisemitische Erzählungen und Motive in die ganze Welt zu senden.

Wurden so auch die verschiedenen, oft noch aus dem Mittelalter stammenden Codes auf diese Weise global anschlussfähig? Können sich deswegen ganz verschiedene Kulturen und Weltanschauungen heute über diese Verschwörungserzählungen in ihrer Feindschaft gegen jüdisches Leben verständigen? …bis hinein in die letzten Ecken des Internet und zahllose Social-Media-Kanäle?


Wir gehen diesen Fragen nach, diskutieren sie mit Ihnen und:

+ Prof. Dr. Sabine Schmolinsky ist Professorin (i.R.) für mittelalterliche Geschichte der Universität Erfurt. Sie forscht unter anderem zum jüdischen Leben in Europa und Erfurt und engagiert sich im Netzwerk Hirstoriker:innen für eine demokratische Gesellschaft (hist4dem) für eine bewusste, offene und reflektierte Erinnerungskultur.
+ Michael Weise ist Historiker und Leiter des Bereichs »Ausstellungen und Sammlungen« des Lutherhauses in Eisenach. Er leitet die AG Vernetzung bei hist4dem, lebt in Erfurt und hat sich u.a. der Erkundung der Geschichte des nationalsozialistischen »Weltdienstes« angenommen.
+ Prof. Dr. Uffa Jensen ist Historiker und stellvertretender Direktor des Zentrums für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin, wo er zugleich Antisemitismus-Beauftragter ist. Er forscht unter anderem zum visuellen Antisemitismus, auch im World Wide Web.

Moderation: Dr. Andreas Braune ist wissenschaftlicher Leiter des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte
Begrüßung: Michael Panse, Beauftragter der Landesregierung für jüdisches Leben in Thüringen und die Bekämpfung des Antisemitismus


In Kooperation mit dem Netzwerk Historiker:innen für eine demokratische Gesellschaft (hist4dem) und dem Netzwerk Jüdisches Leben Erfurt.