Zu Gast in…
22.10.2026, 18.00 Uhr · Villa Rosenthal Jena · Diskussion
»Lüge als Staatsprinzip?« – Vom NS-Staat zur Untergrabung der Wahrheit heute
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Die Schamlosigkeit der Lüge ist zurück in der Welt. Egal ob in Diktaturen oder Demokratien: die offenkundige Verdrehung der Wahrheit, die hartnäckige Verbreitung »alternativer Fakten«, die schiere Leugnung von Tatsachen – kurz: die Lüge – hat Konjunktur. Selbst – und vor allem – in der ältesten Demokratie der Welt. Ist das Lügen womöglich sogar der Treibstoff für den unaufhaltsam erscheinenden Aufstieg des neuen Autoritarismus im letzten Jahrzehnt?
Um diese Frage beantworten zu können, lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit, in die Zeit des Aufstiegs und vermeintlichen Siegs des alten Autoritarismus und des Totalitarismus. Und es lohnt sich ein Blick in den Essay »Lüge als Staatsprinzip« von Bruno Frank – einer schonungslosen Abrechnung mit den Lügengebäuden der Nationalsozialisten. Frank – einer der meistgelesenen Schriftsteller der Zwischenkriegszeit – verfasste den Essay 1939 kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im kalifornischen Exil – auf Bitten Thomas Manns. Zu einer Publikation kam es damals jedoch nicht. Erscheinen konnte das Buch nun endlich im Verlag »Das Kulturelle Gedächtnis«. Tobias Roth, einer der beiden Herausgeber, liest Passagen und stellt diesen außergewöhnlichen Archivfund genauer vor. Wie brachte die Macht der Lüge Europa damals an den Abgrund – und kurze Zeit später noch einen Schritt weiter?
Anschließend diskutieren wir über den historischen Kontext und die Bedeutung des Textes. Vor allem aber auch darüber, was sich daraus über die Macht der Lüge heute – angesichts der notorischen Lügen Donald Trumps und vieler anderer Autoritärer – lernen lässt. Stehen wir erneut kurz davor, dass die Lüge die Herrschaft übernimmt? Warum hat sie heute wieder so leichtes Spiel? Und was kann man dagegen tun? Vor allem aber auch: Wie machen wir die demokratische Öffentlichkeit endlich widerstandsfähiger gegen Fake News und Desinformation?
Bringen Sie Ihre Vorschläge mit und diskutieren mit:
- Dr. Tobias Roth ist Literaturwissenschaftler und arbeitet unter anderem als Lyriker, Übersetzer und Journalist. Zusammen mit Peter Graf ist er Gründer des Verlags Das Kulturelle Gedächtnis.
- Prof. Dr. Franka Maubach ist Historikerin, Vorsitzende des Vorstands der Stiftung Ettersberg und Professorin für Europäischen Diktaturvergleich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
- Prof. Dr. Michael Dreyer ist Professor für politische Theorie und Ideengeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er forscht sowohl zur Geschichte der Weimarer Republik als auch zur Innenpolitik der USA.
Moderation: Dr. Jörg Hebenstreit ist Politikwissenschaftler und Geschäftsführer des KomRex – Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration an der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Begrüßung: Dr. Andreas Braune ist Programmleiter des internationalen Geschichtsfestivals Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte.
In Kooperation mit JenaKultur und dem KomRex – Zentrum für Rechtsextremismusforschung, Demokratiebildung und gesellschaftliche Integration an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.