2012

Nachbarschaften

(Przepraszamy, ta treść jest dostępna tylko w języku niemieckim.)

Das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte widmete sich 2012 dem Nächstliegenden: den »Nachbarschaften«.

Nachbarn sollten Freunde sein, Fremde können Nachbarn werden. In einer Welt der Globalisierung ist jeder des anderen Nachbarn, doch gleichzeitig besinnt man sich auf heimatliche Nachbarschaften und Freundschaften, neue und alte. Migration macht aus Fremden Nachbarn (über 50 Jahre türkische Migration nach Deutschland) und überwindet gefährliche Grenzen (Flüchtlinge im Mittelmeer). Aber auch ehemalige Feinde können als Nachbarn Freunde werden – der Elysée-Vertrag, der die deutsch-französische Aussöhnung besiegelte, näherte sich seinem 50. Geburtstag, und das »Weimarer Dreieck« zwischen Frankreich, Polen und Deutschland von 1991 war auch bereits »volljährig«.

Der Blick zurück in die Geschichte zeigt darüber hinaus, dass Nachbarschaften in Dörfern und Städten wie mehr oder weniger feste Organisationen für gegenseitige Hilfeleistungen (z.B. für Brandschutz, Verteidigung), Konfliktregelungen oder die Organisation des Festlebens verantwortlich waren. Auch die soziale Kontrolle spielte sich auf dieser Ebene ab – und bis heute noch, denkt man neugierige Blicke, Tratsch oder Denunziationen.
Nicht nur Nationen, auch Städte haben also ihre ganz eigenen Nachbarschaften. Die fortdauernde Präsenz von Goethe und Schiller, von Wieland und Herder, von Bach und Liszt, von Gropius und Feininger hat Weimar seit zwei Jahrhunderten seine ganz eigene geistige Nachbarschaft verliehen – zu der jedoch auch, im Wortsinne in der Nachbarschaft Weimars, Buchenwald gehört. »Kulturbürger« und »Wutbürger«, »Hartz IV-Empfänger«, Alteingesessene vor und Neuzugezogene nach der Vereinigung, kurzzeitige Touristen, mittelfristig Studierende und langfristige Migranten – sie alle formen die Nachbarschaften einer historisch gewachsenen, zugleich aber auch sozial vibrierenden und modernen Stadt im 21. Jahrhundert.
Das vierte »Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte« wollte solche Nachbarschaften, Fremdheiten und Freundschaften erkunden von den verschlungenen Pfaden Weimars über Deutschland nach Europa hinaus in die »weite Welt«.