01.11.2026, 13.00 Uhr · Kulturzentrum mon ami · Podium

»Nützt es dem Volk, betrogen zu werden?« Hohe Ansprüche und lange Schatten der Aufklärung

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Im Zeitalter der Aufklärung bildeten sich wesentliche Grundlagen unserer heutigen liberalen und demokratischen Gesellschaften heraus: die Überzeugung, dass Wissen und Vernunft die Grundlagen gerechten Zusammenlebens und für Wohlstand und Sicherheit bilden; die Ansicht, dass die Menschen gleich an Rechten sind und mit Bildung zur Teilhabe an der Gesellschaft befähigt werden können; und schließlich, dass Öffentlichkeit und Transparenz Machtmissbrauch verhindern und der ‚Wahrheit ans Licht› helfen.
All diese Überzeugungen haben heute wieder einen schweren Stand. Schaut man genauer in die Epoche der Aufklärung hinein und auf viele ihrer führenden Intellektuellen und gesellschaftlichen und politischen Eliten, tun sich schon damals Spannungen und Widersprüche auf: Der starke Glaube an die (eigene) Vernunft führte zu Überheblichkeit und Paternalismus gegenüber dem ‚ungebildeten› Volk – so dass 1780 die Berliner Akademie die Frage stellte, ob es dem Volk vielleicht sogar nütze, betrogen zu werden. Trotz der Entstehung einer kritischen Öffentlichkeit florierten teils geheime, teils sehr abgeschottete Gesellschaften und Zirkel, wie etwa der Illuminatenbund und die Freimaurer. Und anthropologische Studien bildeten gemeinsam mit sozial- und geschichtsphilosophischen Überlegungen die Grundlage für eine sehr eurozentristische Sicht auf die Welt und den aufkommenden, später noch mehr ‚verwissenschaftlichten› Rassismus.

Wie sehr wirken diese Spannungen und Widersprüche bis heute als lange Schatten der Aufklärung nach? Waren die Ansprüche und Ziele der Aufklärung zu hoch, ihre führenden Köpfe zu ambitioniert? Wo lagen die Irrtümer der Aufklärung? Wie steht es heute um die Umsetzung von Wahrheit, Öffentlichkeit und Gleichheit?


Diskutieren Sie diese und weitere Fragen mit unseren Expertinnen und Experten zur Epoche der Aufklärung:
+ Prof. Dr. Elisabeth Décultot ist Literaturwissenschaftlerin an der Martin-Luther-Universität Halle und leitet dort das Interdisziplinäre Zentrum für die Erforschung der europäischen Aufklärung. 2026 erschien das von ihr mitherausgegebene Buch »Nützt es dem Volk, betrogen zu werden? Eine Debatte zur Politik der Aufklärung«.
+ Dr. Markus Meumann ist Historiker, kommissarischer Direktor des Forschungszentrums Gotha und dort Sprecher der Arbeitsstelle Illuminatenforschung. Er forscht dort unter anderem zur Rolle von Geheimgesellschaften in Kommunikations- und Wissensnetzwerken.
+ Prof. Dr. Uwe Hoßfeld ist Historiker im Bereich Geschichte der Naturwissenschaften und Leiter der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Er ist Co-Initiator der ‚Jenaer Erklärung› zur Unhaltbarkeit des Begriffs ‚Rasse› und hat umfangreich zur Entstehung des modernen Rassismus geforscht.

Moderation: PD Dr. Heiner Stahl ist Historiker an der Universität Erfurt und forscht dort nicht nur zur Geschichte des Speiseeises, sondern auch zu Fragen der Wissens- und Kommunikationsgeschichte in verschiedenen Epochen.