31.10.2026, 19.00 Uhr · Kulturzentrum mon ami · Talk

„Lieber Genosse Honecker….“ – Quellen des Unmuts aus der späten DDR

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Quellengespräch mit Sekt und Flips

»Leere Regale, lange Wartezeiten vor den Läden, Privilegien für Funktionäre, verfallende Städte, Wohnungsmangel, Umweltverschmutzung, ödes Fernsehprogramm: Die Mängelliste der späten DDR war lang – und sie gerät angesichts des Mythos einer vermeintlich gerechten Gesellschaft in der DDR heute schnell in Vergessenheit. Wir lassen Quellen sprechen, die zeigen, wie groß der Unmut war. Zwar versuchte die Staatsführung, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen und einen öffentlichen Austausch über die Missstände zu unterbinden. Doch die Stimmen, die sie äußerten, waren zahlreich und vielfältig – auch jenseits der kleinen Bürgerrechtsbewegung. Sie kamen aus allen Schichten der Bevölkerung und beschäftigen sich – zugleich in amüsanter wie tiefgründiger Weise – mit dem schwierigen Alltag in all seinen Facetten. In Beschwerdebriefen bzw. »Eingaben« an Funktionäre und die Staatsführung wiesen Bürgerinnen und Bürger auf Missstände hin, machten ihrem Unmut Luft und unterbreiteten Lösungsvorschläge. Aber auch filmische Dokumentationen hielten die krisenhaften Zustände, manchmal sogar im Staatsauftrag, fest, ebenso wie Graffiti an den Wänden, Musik oder Kunst.

Wie wurde die Krise in diesen Quellen beschrieben und gedeutet? Ging es nur um den problematischen Alltag? Oder lassen sich die Quellen auch als politischer Protest verstehen? Wir stellen die heute immer noch eindrucksvollen Quellen vor und diskutieren sie mit dem Publikum – auch vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen und Erinnerungen. Ziel ist die gemeinsame Beschäftigung mit Quellen, die den verbreiteten Unmut der Bevölkerung über die Zustände in der späten DDR vielfältig dokumentieren, aber mittlerweile in Vergessenheit geraten sind.


Mit:
+ Prof. Dr. Franka Maubach ist Direktorin der Stiftung Ettersberg und Professorin für Europäischen Diktaturvergleich an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
+ Edda Buchspieß, ehemalige Volontärin der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße


In Kooperation mit der Stiftung Ettersberg.