01.11.2026, 16.00 Uhr · Kulturzentrum mon ami · Erzählcafé
Opa war (k)ein Nazi? Austausch zum schwierigen Umgang mit NS-Geschichte in den Familien der Deutschen
(Apologies. This content is only available in German language.)
Erzählcafé mit Kaffee und Kuchen
Wie eng war die eigene Familie mit dem NS-System verstrickt? Eine einfache Frage – und doch eine, die sich oft nur schwer beantworten lässt. Denn wenn wir nach der Rolle der eigenen Familie im Nationalsozialismus fragen, stoßen wir schnell auf Widersprüche, Lücken und Geschichten, die kaum hinterfragt wurden. Manche erzählen von Menschen, die »nichts damit zu tun hatten«, andere von Widerstand oder Verfolgung. Dazwischen liegen viele Grautöne: Mitmachen, Wegschauen, Mitwissen, Profitieren oder alltägliche Anpassung – und oft genug auch Täterschaft.
Nur noch wenige Angehörige der Generation, die den Nationalsozialismus selbst erlebt hat, können heute direkt befragt werden. Was bleibt, sind Briefe, Fotos, Dokumente, Familienalben – und oft auch das, was nicht erzählt wurde. Über Jahrzehnte können sich Familiengeschichten verfestigt, ausgeschmückt oder beschönigt haben. Manches wurde verschwiegen, anderes geriet in Vergessenheit. Wie lässt sich mit solchen Leerstellen umgehen? Was tun, wenn die eigene Familie stärker in das NS-System verstrickt war, als man bisher dachte? Und wie lassen sich Familienerinnerungen von historisch belegbaren Fakten unterscheiden?
Unser diesjähriges Erzählcafé bietet einen Rahmen, um solche Fragen, Erfahrungen und Funde miteinander zu teilen. Es geht nicht darum, vorschnell zu urteilen, sondern gemeinsam nachzuforschen, Erinnerungen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu gewinnen.
Auch im zuvor präsentierten Portal der Süddeutschen Zeitung kann weiter recherchiert werden. Die dort gewonnenen Erkenntnisse und offenen Fragen können Anlass sein, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Einführung und Moderation:
+ Dr. Agnès Arp ist Historikerin und Co-Leiterin der Oral History Forschungsstelle der Universität Erfurt. Sie betreut regelmäßig Erzählcafés zu zeitgeschichtlichen Themen und andere Formate des Austauschs mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
+ Dr. Sabine Moller ist Historikerin, gehörte neben Harald Welzer und Karoline Tschuggnall 2002 zu den Autor:innen des Buchs »‚Opa war kein Nazi› Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis«. Heute leitet sie die »Werkstatt 20. Jahrhunderts«, den zentralen Ort für moderne Stadtgeschichte und Erinnerungskultur in Kiel und ist als Privatdozentin für Geschichtsdidaktik an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.
In Kooperation mit der Oral History Forschungsstelle der Universität Erfurt.