Zu Gast in…
28.10.2026, 19.00 Uhr · Logenhaus Mühlhausen · Podium
Ist das echt oder kann das weg? Fakes im Museum und in der Geschichte
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Museen sammeln und bewahren Gegenstände mit großer Bedeutung für unser kulturelles Gedächtnis. In Ausstellungen und Publikationen machen Experten die Erkenntnisse zu diesen Gegenständen für die Öffentlichkeit zugänglich und bieten Deutungsmöglichkeiten an. Viele Menschen erinnern sich noch nach Jahren an den Besuch eines Museums und besonders auffällige Exponate in der Schulzeit und haben das darüber Gelernte fest im Gedächtnis verankert. Von fachlichen Autoritäten vermittelt und erklärt, prägen diese Informationen die kulturelle Identität der Menschen.
Manchmal stellt sich jedoch heraus, dass die Objekte nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Einige wurden falsch bestimmt, andere sind aber Kopien oder gar Fälschungen. Die Geschichten dazu zeigen, wie die »falschen Fuffziger« in renommierte Sammlungen kamen und dann durch Ihre Präsentation in Ausstellungen, Büchern oder im Internet bestimmte Sichtweisen geprägt haben. An ausgewählten Thüringer Beispielen machen wir dies deutlich:
So bestimmt die Wartburg und ihre Ausstattung das Bild der Deutschen vom Mittelalter und dem Leben auf der Burg. Dr. Grit Jacobs erzählt z. B. von einem Kästchen, das lange als eines der bedeutenden mittelalterlichen Stücke der Sammlung dort galt – zu Unrecht. Aber auch weitere Objekte der Sammlung erwiesen sich nicht als so alt wie angenommen. Der Nationalsozialismus wiederum nutzte verfälschte Geschichtserzählungen und fantasievolle Deutungen von Ausgrabungen für sein Geschichtsbild von Germanentum und die Idee von Blut und Boden. Dr. Holger Grönwald führte jüngst Ausgrabungen auf dem Kyffhäuser durch und konnte so ganz konkret die Verfälschung der Deutung der Burgen dort nachweisen. Und in Mühlhausen? In der Tradition der Stadtgeschichtlichen Museen bewahren die Mühlhäuser Museen Abgüsse der Figuren der Marienkirche auf. Im 19. Jahrhundert war der Gipsabguss ein verbreitetes Verfahren, die Skulpturen zu erhalten und Kopien als 1:1–Modelle zu verbreiten. Dr. Susanne Kimmig-Völkner zeigt, dass das Wahrzeichen der Stadt Mühlhausen dadurch viel in Deutschland herumgekommen ist und Eingang in das Geschichtsbild der Deutschen gefunden hat.
Egal ob Kopie, (Ver)Fälschung oder Irrtümer: Solche Narrative prägen die Identität der Bevölkerungen nicht nur vor Ort, sondern auch im nationalen Kontext. Diskutieren Sie mit den Podiumsgästen, wie Fälschungen oder Fehldeutungen Weltbilder und Wertvorstellungen prägen und welche Konsequenzen das auch für heutige Gesellschaften haben kann.
+ Dr. Holger Grönwald ist Archäologe und arbeitet vor allem in Mitteldeutschland als Ausgräber und in der archäologischen Forschung. Er ist Spezialist für die Archäologie des Mittelalters und für Burgenarchäologie. Forschungsschwerpunkte waren in den letzten Jahren Archäologie der Ottonenzeit und des Bauernkriegs.
+ Dr. Grit Jacobs ist Kunsthistorikerin und Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung der Wartburg. Ein Forschungsschwerpunkt ist die Architektur und Kunst des 19. Jahrhunderts. Sie gilt als die herausragende Expertin für die Architektur- und Baugeschichte der Wartburg und deren Ausstattung und zeichnet sich durch Beiträge zur Kultur der Reformation aus.
+ Dr. Susanne Kimmig-Völkner ist Kunsthistorikerin und Direktorin der Mühlhäuser Museen. Sie arbeitet vor allem über die Kunst- und Kulturgeschichte der Reformation, aber auch über Skulptur des Hochmittelalters in Deutschland und zur Frömmigkeitspraxis.
Moderation:
Dr. Nora Leske ist Historikerin, Fachreferentin Kunst bei den Mühlhäuser Museen und langjähriges Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte.
In Kooperation mit den Mühlhäuser Museen und der Thüringer Landeszentrale für politische Bildung.