31.10.2026, 13.00 Uhr · Kulturzentrum mon ami · Podium

Märchen, Mythen, Götterwelten: Warum Unglaubliches geglaubt wird

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Podium mit Graphic Recording

Die Produkte menschlicher Fantasie und Vorstellungskraft begleiten die kulturelle Entwicklung der Menschheit von Anfang an. In unseren heutigen, modernen Gesellschaften fasziniert Fantastisches die Menschen nach wie vor sehr, beispielsweise in Fantasy-Serien oder Science-Fiction. Meist können wir diese Inhalte aber recht gut von unserer rationalen, erklärbaren Welt trennen und wissen, dass Lord Voldemorts Fähigkeiten sich auf Buchseiten oder die Leinwand beschränken.

Geschichtlich betrachtet ist diese (vermeintlich) klare Trennung aber relativ neu. In allen vormodernen Gesellschaften spielten mythische Erzählungen und Figuren und eine enge Verzahnung des gesellschaftlichen Lebens mit einer teils bunten und vielköpfigen Götterwelt eine wichtige Rolle. Sehr oft bildeten diese geteilten Vorstellungen die Grundlage für den Zusammenhalt der Gesellschaften – teils über Jahrhunderte hinweg und oft nur mündlich tradiert.

Wie genau entstanden solche Vorstellungen und Erzählungen in vormodernen Gesellschaften? Und wie erlangten sie dort ihre gesellschaftlich bindende Kraft? Wir schauen an drei zeit- und kulturübergreifenden Beispielen genauer hin: Odin, Loki und die Edda der nordischen Mythen- und Götterwelt, Unglaubliches und Sagenhaftes aus den europäischen Märchen und Erstaunliches aus der Götterwelt des Hinduismus. Dabei sind all dies keine Themen von gestern: Nordische Mythen werden noch heute von Extremisten instrumentalisiert, auch wenn Thor & Co. möglicherweise aus Troja eingewandert waren; Eltern erklären ihren Kindern nach wie vor, dass Märchen ‚nur erfundene Geschichten› sind und der Hinduismus ist die Mehrheitsreligion einer modernen Gesellschaft mit weltweit etwa einer Milliarde Gläubigen.


Begleiten Sie in unglaubliche Welten:
+ Prof. Dr. Lukas Rösli ist Professor für Skandinavistik und Mediävistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet unter anderem zur eddischen Literatur und Mythologie und zur altisländischen Saga-Literatur. Auch mit der politischen Instrumentalisierung nordischer Kultur beschäftigt er sich.
+ Dr. Silvie Lang ist Literaturwissenschaftlerin an der Universität Kassel mit einem Schwerpunkt in Erzähl- und Märchenforschung. Sie hat verschiedene Märchen herausgegeben und interessiert sich besonders für (magische) Pflanzen und Tiere in europäischen Märchen.
+ Dr. Johanna Buß ist Indologin, stellvertretende Leiterin der Bibliothek des CATS (Centre for Asian and Transcultural Studies) der Universität Heidelberg und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Asienforschung. Von ihr stammt die Einführung »Hinduismus für Dummies« (2019). Sie hat über Gespenster promoviert.

Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht ist Literaturwissenschaftler und politischer Bildner. Er war lange in Weimar tätig, lebt in Dresden und mochte als Kind »Rulaman« besonders – ein in der Steinzeit angesiedelter Jugendroman von 1878.

Graphic Recording: Salea Rackwitz ist Mediengestalterin, freie Illustratorin und Dozentin an der Weimarer Mal- und Zeichenschule. Mit ihren live-Illustrationen gibt sie Veranstaltungen und Diskussionsrunden einen besonderen Touch und sorgt für witzig-charmante-nachdenkliche »Protokolle«.