31.10.2026, 17.00 Uhr · Kulturzentrum mon ami · Podium

KI-Fakes in der Holocaust-Erinnerung: eine transnationale Gefahr?

Mit Künstlicher Intelligenz erstellte Videos und Bilder fluten das Internet und die Social-Media-Kanäle. Viele von ihnen sind so skurril oder überdreht, dass man ihnen die KI sofort ansieht. Andere sind so täuschend echt, dass man auf den ersten Blick kaum sagen kann, ob es authentisches Bild- oder Filmmaterial ist oder doch die KI am Werk war.
Von dieser Art Fakes geht eine enorme Gefahr für den öffentlichen Diskurs aus. Besonders deutlich wird dies – neben anderen Bereichen – in der Auseinandersetzung mit der Geschichte der NS-Herrschaft, des Zweiten Weltkrieges und des Holocaust. Schon seit langem ist der Bereich umkämpftes Terrain in geschichtspolitischen Kontroversen: Geschichtsrevisionismus, Holocaust-Leugnung und Relativierung der NS-Verbrechen haben mit dem Aufstieg des Autoritarismus, dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den Kriegen in Nahost noch einmal deutlich zugenommen – und KI scheint ihren Akteuren ein neues Werkzeug an die Hand zu geben. Das zeigen zumindest die zahlreichen gefälschten Inhalte in diesem Bereich.

All dies ist nicht auf Deutschland beschränkt, sondern mit globalen, transnationalen Konflikten eng vernetzt. Die Fakes sind Teil gezielter Desinformation, aber auch von Kontroversen in vielen Ländern in Debatten um ‚ihre› Deutung der Geschichte zwischen 1933/​39 und 1945. Welche (unterschiedlichen) Funktionen nehmen solche Fakes in diesen Debatten ein? Woher kommen sie, wer nutzt und verbreitet sie? Woran erkennt man sie? Und was macht man, wenn die KI die Unterscheidung zwischen »echt« und »Fake« mit bloßem Auge nicht mehr oder bestenfalls mit Expertenwissen erlaubt? Wie tiefgreifend sind die Veränderungen in unserer Erinnerungskultur zum Zivilisationsbruch, die uns mit der KI ins Haus stehen?

Diese und weitere Fragen diskutieren wir nach einer anschaulichen Einführung entlang der Linien des Weimarer Dreiecks: Frankreich, Deutschland und Polen.


Mit:
+ Prof. Dr. Jens Christian Wagner ist Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Professor für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und für seinen Einsatz gegen Geschichtsrevisionismus vielfach ausgezeichnet.
+ Dr. Fabien Théofilakis ist Historiker und Co-Direktor des deutsch-französischen Centre Marc Bloch an der Humboldt-Universität Berlin. Er forscht zur europäischen Geschichte der beiden Weltkriege und ihrer Erinnerung, auch zu deren bildlicher Darstellung.
+ Andrzej Kacorzyk ist stellvertretender Direktor der Gedenkstätte und Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim und leitet dort das Internationale Bildungszentrum. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau arbeitet intensiv an der öffentlichen Aufdeckung von KI-Fakes.

Einführung und Moderation:
Berit Kö ist Historikerin und Mitarbeiterin im Projekt »Geschichte statt Mythen« an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Das Vorhaben klärt mit Faktenchecks und Kontextualisierung über zahlreiche revisionistische Mythen über die Zeit des Nationalsozialismus auf.


In Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora.


Hinweis: Schon auf der vorherigen Veranstaltung »Zwischen Finden und Faken: Geschichtsvermittlung und historische Forschung nach der KI-Revolution« (Beginn: 15:00 Uhr) lernen Sie mehr über die Grundlagen der Künstlichen Intelligenz sowie Chancen und Risiken der Technologie in der Auseinandersetzung mit Geschichte.