2019

Renaissancen – Altes neu erfinden?

(Toutes nos excuses. Ce contenu n’est disponible qu’en langue allemande.)

Renaissance. Wiedergeboren werden (frz. re-naître), dabei das Jetzt hinter sich lassen und neu beginnen. Dieses Credo einer »kulturellen Wiedergeburt« im Geiste der Antike begeisterte Künstler und Denker im Übergang vom 15. ins 16. Jahrhundert. Ganz Europa wurde von der Geisteshaltung des Neuen und gleichzeitig der Rückbesinnung erfasst; die erste Moderne war geboren. Im 21. Jahrhundert überholen sich technische Neuerungen im Sekundentakt, wir sind global vernetzt und doch viele so einsam wie nie zuvor. Die einen fühlen sich kulturell, die anderen wirtschaftlich, religiös oder politisch verunsichert, abgehängt, unverstanden oder überfordert. Wird es vielleicht Zeit für eine weitere »Wiedergeburt«, eine »Renaissance« im Geiste der Rückbesinnung und des Neubeginns?

Das Festival eröffnete mit einer international besetzten Podiumsdiskussion, die sich vor dem Hintergrund der Antrittsvorlesung Friedrich Schillers an der Universität Jena (1789) mit dem Erstarken von antidemokratischen und populistischen Äußerungen in Europa beschäftigte.

Eröffnung

1. NOV | 18 Uhr | Notenbank | Lesung + Podiumsdiskussion
Geschichte als Avantgarde
Diskussion mit Prof. Dr. Gesine Schwan (Berlin), Prof. Dr. Martin Sabrow (Potsdam), Prof. Dr. Colliot-Thélène (Rennes) Moderation: Fritz von Klinggräff (Genf/​Weimar), Christian Steyer (Berlin) mit Auszügen aus der Antrittsvorlesung
von Friedrich Schiller an der Jenaer Universität

Abschied

ein Abend im Zeichen der Renaissance mit Diskussion, Musik und Essen
Die Zeit der Renaissance in Europa
Prof. Dr. Tomasz Torbus (Gdańsk), Prof. Dr. Sabine Frommel (Paris), PD Dr. Arne Karsten (Wuppertal), Moderation: Fritz von Klinggräff (Genf/​Weimar)
Blockflötenconsort des Instituts für Alte Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

Podien

Fernes Mittelalter oder ein Spiegel der Gegenwart?
Dr. Simona Slanicka (Bern), Dr. Nina Gallion (Kiel), Dr. Julia Seeberger (Erfurt), Moderation: Prof. Dr. Sabine Schmolinsky (Erfurt)

Sehnsucht nach dem »Kommunismus«?
Dr. Thomas Ahbe (Leipzig), Dr. Anke Giesen (Berlin), Dr. Nicolas Moll (Sarajevo)
Moderation: Prof. Dr. Rainer Gries (Weimar/​Wien)

Der Wiederaufbau deutscher Städte nach 1945
Dr. Rüdiger Schmidt (Münster), Prof. Dr. Gerd Zimmermann (Weimar), Moderation: Prof. Dr. Armin Owzar (Paris)

Braucht die parlamentarische Demokratie eine Erneuerung?
Prof. Dr. Michael Dreyer (Jena), Dr. Ossip Fürnberg (Jena), Dr. Tim Niendorf (Jena), Moderation: Dr. Andreas Braune (Jena)

in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und
Mittelbau-Dora

Weiterleben nach dem Holocaust?
Dr. Stephan Stach (Warschau), Alexander Walther (Jena), Dr. Aurelia Kalisky (Berlin), Moderation: Dr. Zofia Wóycicka (Berlin)

Geschichte macht Quote. Warum das Publikum historische (Film-)Stoffe so liebt
Prof. Dr. Chris Wahl (Potsdam), Dr. Ilka Brombach (Potsdam)
Moderation: Dr. Christian Pantle (Augsburg)

in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft
Renaissance Europa – (Was) hält Europa noch zusammen?
Prof. Dr. Etienne François (Berlin), Prof. Dr. Marek Cichocki (Warschau), Prof. Dr. Teresa Pinheiro (Chemnitz), Moderation: Prof. Dr. Thomas Serrier (Lille)

Aufbruch ins gelobte Land? Die Frauenbewegung in der Weimarer Republik.
Lilja-Ruben Vowe (Frankfurt/​Oder), Dr. Kerstin Wolff (Kassel), Prof. Dr. Sabine Hering (Siegen)

Thüringen 2.0: Wie der Freistaat 1990 zum zweiten Mal gegründet wurde
Frank-Michael Pietzsch (Bad Berka), Matthias Gehler (Erfurt), Heiko Gentzel (Erfurt), Moderation: Eberhardt Pfeiffer (Arnstadt)

Wiedergeburt in den Religionen und der Kunst
Dr. Francesca Fabbri (Weimar), Dr. Cornelia Haas (Würzburg), Dr. Isabella Schwaderer (Erfurt)

in Kooperation mit der Historischen Kommission Thüringen
Was bedeutet »Heimat« eigentlich heute?
Prof. Dr. Beate Mitzscherlich (Zwickau), Prof. Dr. Werner Nell (Kingston, Kanada), Prinz Michael von Sachsen-Weimar-Eisenach (Mannheim), Prof. Dr. Edoardo Costadura (Jena), Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)

Die afrikanische Renaissance
Prof. Dr. Ulf Engel (Leipzig), Prof. Dr. Henning Melber (Uppsala), Moderation: Prof. Dr. Matthias Middell (Leipzig)

Renaissance von Religiosität
Dr. Sebastian Kranich (Neudietendorf), Prof. Dr. Christiane Kuller (Erfurt), Prof. Sylvie Toscer-Angot (Paris), Moderation: Prof. Dr. Jörg Rüpke (Erfurt)

Gab es in China eine Renaissance? Ein Streitgespräch
Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris), Prof. Dr. Barbara Mittler (Heidelberg), Moderation: Prof. Dr. Susanne Rau (Erfurt)

Gespräche

Von der (ewigen) Wiederkehr der Gewalt
Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma (Hamburg) im Gespräch mit Fritz von Klinggräff (Genf/​Weimar)

Schätze, die zu heben sind – Kirche in der DDR
Ilse Junkermann (Leipzig) im Gespräch mit Gerlinde Sommer (Weimar)

Renaissancen – Revivals – Reprisen. Von der Wiederkehr der DDR-Musik und der Langspielplatte
Jörg Stempel (Berlin) im Gespräch mit Dr. Jens Riederer (Weimar)

Vorträge

Renaissancen, Revolutionen und der »Neue Bau der Zukunft«. Ein Rückblick auf die Avantgarde.
Prof. Dr. Gerhard Schweppenhäuser (Würzburg)

Was hat die Oper mit der Renaissance zu tun?
Prof. Dr. Michael Klaper (Weimar/​Jena) und Heidrun Eberl (Weimar)

Musik

01. NOV | 20 Uhr | Notenbank | Musikalischer Abend
carte blanche Chansonfestival Brassens in Basdorf »Tage voller Hoffnung«
mit Walid Habash (Aleppo/​Afrin/​Berlin), Ittai Rosenbaum (Jerusalem/​Berlin), Isabel Neuenfeldt (Berlin), Corinne Douarre (Paris/​Berlin)

Workshops

01.-08. NOV | Weimar | Schüler-Workshop mit Jugendlichen aus Frankreich, Deutschland, Polen und Bosnien-Herzegowina
gefördert durch Région Centre-Val de Loire, OFAJ, CASDEN, Ville de Blois

Alles nur geklaut?! Ein Beutezug durch die Geschichte der Mode
mit Schülern aus Kraków, Blois, Sarajevo und Weimar unter der Leitung von Christine Scheller und Kai Sauer (Weimar), Anna Wellebrouck und Sylvie Henry-Chacun (Blois), Dorota Loos und Agata Reichert (Kraków), Amra Gagrica und Emina Bičević (Sarajevo)

Die Mode unterliegt einem ständigen Wechsel und trotzdem nutzt sie immer wieder Elemente aus verschiedenen, mehr oder weniger weit zurückliegenden Epochen. Und sie ist Ausdruck eines gewissen Lebensgefühls. Die Jugendlichen, die an diesem Workshop teilnehmen, informieren sich im Vorfeld über die Mode einer bestimmten Epoche in ihren jeweiligen Ländern. Welche wesentlichen Charakteristika finden sich in den Modeepochen und gibt es hierbei Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern? In Weimar arbeiten die Jugendlichen im Theaterfundus, erfahren im Stadtmuseum Details zur Geschichte der Mode und erkunden in den Modegeschäften der Stadt, ob es immer noch historische Anmutungen bei der Kleidung gibt. In gemischten Vierergruppen sollen die Jugendlichen dann unter Anleihen bei den historischen Vorbildern Beispiele für eine eigene aktuelle Mode schaffen. Präsentiert werden die Kreationen als Modenschau, Modeskizzen, Puppen aus Papier oder Ähnlichem

deutsch-französisches Studierenden-Seminar von der Deutsch-Französischen Hochschule gefördert und in Kooperation mit der Universität Erfurt
Jugend macht Zukunft! – Jugend und Macht in Europa
mit Studierenden aus Paris und Erfurt unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Rau, Dr. Alice Volkwein, Dr. Elisa Goudin

Die Jugend mobilisiert sich heute für den Klimaschutz und fordert immer lauter ein, bei der Lösung der zahlreichen aktuellen Probleme mitreden zu dürfen. Im Rahmen eines interdisziplinären, transnationalen und für alle Altersstufen unter den Studierenden offenen Seminars soll es darum gehen, die Jugend als politischen und sozialen Faktor zu untersuchen und vor allem ihre – erträumte oder reale – schöpferische Kraft bei der Durchsetzung von sozialem Wandel. Ausgehend von einer vergleichenden Untersuchung der Rolle von Jugendlichen im Wiederaufbau und in der »Renaissance« der Nachkriegsgesellschaften in Frankreich und Deutschland, möchte das Seminar über die Jugend als soziologische Kategorie nachdenken, aber auch über die Beziehungen und Konflikte zwischen den Generationen, die Motor des sozialen Wandels sein können. Die Überlegung über die Macht und Ohnmacht der Jugend angesichts der heutigen Herausforderungen soll dabei auch eine Rolle spielen.

Ausstellungen

01. NOV – 19. NOV | Stéphane-Hessel-Platz
eine Ausstellung des Europäischen Netzwerks Erinnerung und Solidarität in Kooperation mit der Stadt Weimar, dem Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte und dem Verein Weimarer Republik e. V.
Nach dem großen Krieg. Ein Neues Europa 1918–1923

03. NOV 2019 | 16 Uhr | Kuratorenführung mit Dr. Bartosz
Dziewanowski-Stefańczyk
Die Open-Air-Ausstellung veranschaulicht die Folgen des Ersten Weltkrieges. Die im östlichen Europa nach dem Krieg entstandenen Staaten bildeten ein Neues Europa – sie prägen die politische Landkarte bis heute. Gezeigt wird, wie der »Große Krieg« die Gesellschaften in Mittel- und Osteuropas verändert hat und welche Wirkungen die politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungen zwischen 1918 und 1923 bis heute entfalten. Die Akzente liegen dabei auf den vielfältigen geschichtlichen Erfahrungen und auf den Spuren, welche die Ereignisse bei den Menschen hinterlassen haben. Indem die mannigfaltigen politischen, nationalen, regionalen und konfessionellen Befindlichkeiten und ihre Auswirkungen verdeutlicht werden, möchte die Ausstellung auch zur Entwicklung einer europäischen Erinnerungskultur und damit zu Verständigung und Toleranz zwischen den Bürgerinnen und Bürgern in Europa beitragen. Weitere Informationen: https:/​/​enrs.eu/​afterthegreatwar

01. SEP – 30. NOV | Kino mon ami
30 Jahre Mauerfall
Schwarzweiß-Fotografien von Marc Sagnol (Erfurt/​ Paris)

Marc Sagnol war Ende der 80er Jahre in Berlin (West), wo er mit einem Post-doc-Stipendium des DAAD und später der Alexander-von-Humboldt-Stiftung Philosophie studierte. Schon in dieser Zeit ging er öfter nach Berlin (Ost), so dass er beide Teile der Stadt gut kannte und fotografierte, zuerst mit einer Praktika, später mit einer Leica. Im November 1989 erlebte er den Fall der Mauer und besuchte die Grenzübergänge, an denen Menschen aus dem Osten in den Westen kamen, sah die Massenansammlungen bei der Öffnung des Potsdamer Platzes und des Brandenburger Tors und die meisten Orte, wo die Mauer zerkratzt und dann abgetragen wurde. Er besuchte auch die »Geisterbahnhöfe« der U-Bahn, die jahrzehntelang unbenutzt waren und entdeckte dort Werbungen aus den 50er Jahren. Es werden Originalabzüge auf Barytpapier gezeigt.