REBELLIEREN UND REGIEREN

ERÖFFUNG AM 06. NOV 2020 | 19 UHR | AUF DEM STÉPHANE-HESSEL-PLATZ

Wo regiert wird, da wird auch rebelliert. So mutet zumindest der Blick in die Geschichte des Regierens und der Rebellion an, angefangen bei dem römischen Sklaven Spartacus über den Bauernkrieg, die Boston Tea Party oder den Schlesischen Weberaufstand bis in unsere Gegenwart, in der eine „Extinction Rebellion“ einen Aufstand gegen Umweltzerstörung auslösen möchte. Auch in den jüngsten Protesten gegen Grundrechtseinschränkungen in der Pandemie und gegen Rassismus und Polizeigewalt war die Schwelle zur Rebellion sichtbar oder wurde gar überschritten.
In der Geschichte wie in der Gegenwart bewegen sich Rebellionen im Spannungsfeld von politischer, ökonomischer und sozialer Herrschaft und dem Widerstand dagegen. Dabei wandeln sich auch die Formen des Rebellierens und reichen von der offenen Gewalt bis zum zivilen Ungehorsam unter ausdrücklichem Gewaltverzicht. Als Widerstand gegen Ungerechtigkeit hat die Rebellion heute oftmals die Gunst des Publikums auf ihrer Seite. Umgekehrt lässt sich aber auch fragen: Ist Regieren immer schlecht? Oder was macht gutes Regieren aus, so dass Rebellionen dagegen gar nicht erst nötig werden?

Der wissenschaftliche Beirat des Weimarer Geschichtsfestivals hatte sich im Januar auf das Thema verständigt. Coronabedingt wird das Format des Festivals in diesem Jahr angepasst und findet nicht wie in der Vergangenheit als Veranstaltungsreihe in geschlossenen Räumen statt, sondern auf zwei anderen Ebenen.

Die erste Ebene ist das Radio. Es sollen ca. 5 Podiumsdiskussionen zu den Themen unserer Zeit und unter dem Dach des Festivalmottos im Radio stattfinden. Dieses Format entspricht am ehesten dem Anliegen des Festivals, nämlich frei zugänglich Debatten auf hohem wissenschaftlichen Niveau zu bieten, an denen sich die Hörer (durch Anrufe) im Verlauf der Diskussion beteiligen können.

Die zweite Ebene ist eine Ausstellung im öffentlichen Raum in Weimar. Das diesjährige Festival stellt Biografien ausgewählter Weimarer „Rebellen und Regierender“ dar, wobei wir uns vor allem für die eher weniger bekannten Personen interessieren oder Facetten bei den "berühmteren" Zeitgenossen beleuchten, die oft zu Unrecht vergessen wurden. Denn die Geschichte der Stadt Weimar ist nicht nur von dichterischem und intellektuellem Glanz geprägt, sie ist gleichsam voller Regierender, Rebellen und Menschen, die durch markante Wendepunkte in ihrem Leben von der einen in die andere „Rolle“ wechselten. Für alle diese Menschen gilt, dass sie starke Charaktere waren, die für ihre Ideale und Überzeugungen lebten, stritten und kämpften. Die einen subtil künstlerisch wie Gabriele Reuter, Hoffmann von Fallersleben oder Johannes Daniel Falk, die anderen durch zivilen Ungehorsam wie Pfarrer Alexander Wessel oder Kurt Nehrling.

Die Ausstellung und das Rendez-vous werden am 6.11.2020 durch einen kurzen Film eröffnet, der eigens für das Festival und diese Thematik produziert wird und ebenfalls im öffentlichen Raum gezeigt wird (Projektion auf eine Hauswand).