04.11.2023, 15.00 Uhr · Stadtmuseum Weimar · Vortrag

Arbeiten bis zum Umfallen: Fordismus in der Zwangs- und Akkordarbeit während der NS-Diktatur

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Am Beginn des 20. Jahrhunderts revolutionierten der sogenannte Taylorismus und Fordismus die industrielle Produktion in den USA. Charakteristisch war die zeitlich genau getaktete und arbeitsteilige Herstellung von (Konsum-)Gütern. Der vom Fließband rollende VW-Käfer hat hierzulande den Eindruck erweckt, dass dieses Produktionssystem erst nach 1945 in Deutschland Einzug gehalten hat. Doch schon in den 1920er Jahren finden sich viele Übertragungen, die dann ab ca. 1935 vom NS-System forciert werden. Im System der Zwangsarbeit und in den Konzentrationslagern findet diese »Rationalisierung« ihren perfiden Höhepunkt, so etwa im »Hungern nach dem Leistungsprinzip« für Ostarbeiter*innen und der »Vernichtung durch Arbeit« für KZ-Häftlinge.

Der Vortrag beleuchtet die Frage, was einen solchen »Kriegsfordismus« von dem ursprünglichen, auf zivilen Konsum ausgerichteten Fordismus unterscheidet. Lassen sich »Sklavenarbeit« und »moderne« fordistische Produktion miteinander vereinbaren? In welchem Verhältnis standen der NS-Rassismus und auf individuelle Leistung zielende Lohnsysteme? Eine wenig beachtete Seite des Faktors Zeit im NS-System wird dabei sichtbar. Vortrag von:

  • Prof. Dr. Rüdiger Hachtmann leitete das Projekt »Das fordistische Jahrhundert« am Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und war Mitglied der unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung der Geschichte des Reichsarbeitsministeriums im NS.

Moderation der Diskussion:
Dr. Philipp Neumann-Thein, stellvertretender Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora