Tage der Geschichte

30.10.2022, 14.30 Uhr · Ehemaliges Landesamt für Rassenhygiene · Führung

Nationalsozialistische »Rassenhygiene« in Weimar: Drei Ortsbegehungen

Eine Veranstaltung des Lernort Weimar e.V. in Kooperation mit dem Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus Weimar

Führungen mit Steffi von dem Fange und Jonny Thimm, Lernort Weimar e.V.
Dauer: je ca. 60 Min., Treffpunkte jeweils vor Ort

13:30 Uhr Ehemalige Reichsärztekammer, Bauhausstraße 11 (entfällt: Leider entfällt die erste Ortsbegehung aufgrund von Krankheit. Erscheinen Sie bitte erst um 14:30 Uhr in der Marienstraße 13–15)

Die von den Nationalsozialisten gleichgeschaltete »Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands« beauftragte 1935 den Jenaer Architekten Georg Schirrmeister mit der Planung eines sogenannten Ärztehauses in der damaligen Kurthstraße, das ab 1937 als Schaltzentrale der NS-Gesundheitspolitik diente. Wichtige Institutionen der Gesundheitsverwaltung im nationalsozialistischen »Mustergau« Thüringen wie der »Nationalsozialistische Deutsche Ärztebund« oder der »Deutsche Reichsbund für Leibesübungen« hatten hier ihren Sitz. Gestaltungselemente des damaligen Neubaus zeigen heute noch den ideologischen Hintergrund des nationalsozialistischen Verständnisses von Gesundheit, in deren Mittelpunkt die Leistungsfähigkeit des Einzelnen und die »erbgesunde« Reproduktion der »Volksgemeinschaft« standen.

14:30 Uhr Ehemaliges Landesamt für Rassenhygiene, Marienstraße 13–15

In den heute von der Bauhaus-Universität genutzten Gebäuden war während der NS-Zeit das »Landesamt für Rassewesen« untergebracht. Es war dem Thüringischen Innenministerium unterstellt und geleitet von Karl Astel, einem ehemaligen Münchner Sportarzt, der im »Dritten Reich« Karriere machte. Ziel dieser Institution war zum einen die Indoktrination der Bevölkerung bezüglich des Rassegedankens, zum anderen ihre Erfassung nach »rassehygienischen« Gesichtspunkten. Hierfür wurde ein erbbiologisches Archiv angelegt. Die »Gutachten« der Mitarbeiter des Landesamtes entschieden über die Zwangssterilisation vermeintlich Erbkranker. Wir informieren über die Arbeit dieser Institution und ihre ideologischen Hintergründe.

15:45 Uhr Ehemaliges Gesundheitsamt, Burgplatz 2

Das Staatliche Gesundheitsamt wird 1941 erstmals am Burgplatz 2 erwähnt. Hier war der Arbeitsplatz der Amtsärzte des Stadtkreises Weimar. Die Institution des Gesundheitsamtes und ihre Mitarbeiter waren in die nationalsozialistischen Verbrechen, die heute unter »NS-Euthanasie« zusammengefasst werden, involviert: die Zwangssterilisationen, Zwangseinweisungen in »Heilstätten« und Fürsorgeeinrichtungen und die Ermordung von Menschen, die wegen physischer, psychischer, seelischer Beeinträchtigungen oder auch sozialer Unangepasstheit aus der sogenannten »Volksgemeinschaft« ausgeschlossen wurden. Wir stellen die Ideologie der »Volksgemeinschaft«, das Konzept der »Rassenhygiene« und die Arbeit des Gesundheitsamtes vor.