30.10.2022, 13.00 Uhr · Veste Heldburg · Diskussion

Heimerziehung in der DDR – Wie und wo auf der Burg daran erinnern?

Zwischen 1949 und 1990 durchliefen schätzungsweise 500.000 Kinder und Jugendliche in verschiedenen Einrichtungen das Heimsystem der DDR-Jugendhilfe. Die Gründe für eine Einweisung konnten sehr unterschiedlich sein: von der Waisenversorgung bis hin zu erzieherischen Maßnahmen im Sinne des SED-Regimes. In vielen Fällen waren die Einrichtungen daher auch ein Arm des realsozialistischen Obrigkeitsstaates zur Durchsetzung seiner Ordnungsvorstellungen. Für manche Kinder und Jugendliche konnten sie auch Hilfestellung und eine Verbesserung ihrer Situation bedeuten, in vielen Fällen aber begann mit der Einweisung auch eine Odyssee aus Unterdrückung und Schikane.

Mit dem Kinderheim auf der Veste Heldburg und der weiteren Nutzung als Sonderschulheim befand sich zwischen 1954 und 1982 auch in Heldburg ein Teil dieses Heimsystems. Viele Heimkinder von einst können nach Jahrzehnten zum ersten Mal offen über ihre Erfahrungen sprechen, auch dank verschiedener Projekte zur Aufarbeitung. Auch wenn dieser Prozess kein einfacher ist, wünschen sie sich eine angemessene Erinnerung an diese Nutzung der Burg und an diesen prägenden, teils traumatischen Teil ihres Lebensweges. Voraussetzung hierfür sind Aufarbeitung und Aufklärung und das offene und konstruktive Gespräch mit allen Beteiligten und Interessierten. Das schließt ausdrücklich auch ehemalige Mitarbeitende nicht aus, die ihre Sicht in einen solchen Aufarbeitungsprozess einbringen möchten, genauso wie alle Bürgerinnen und Bürger Heldburgs, denen ‚ihre› Burg am Herzen liegt.

Nach einer Führung, die die wesentlichen Stätten der Heimnutzung auf der Burg kenntlich macht und erläutert, diskutieren:

Prof. Dr. Anke Dreier-Horning (Deutsches Institut für Heimerziehungsforschung)
Manfred May (Gesprächskreis Betroffene der DDR-Heimerziehung)
Christopher Other (Bürgermeister der Stadt Heldburg, angefragt)
Dr. Franz Nagel (Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)

Moderation: Dr. Sebastian Kranich (Leiter der Evang. Akademie Thüringen)
Begrüßung: Dr. Adina Rösch (Deutsches Burgenmuseum Veste Heldburg)

13 Uhr: Führung – Treffpunkt: an der DENKOrte-Tafel

  • Rundgang mit Zeitzeug:innen
  • Manfred May & Dr. Sebastian Kranich (Mitglied Beirat DENKOrte)

15 Uhr: Diskussion

Kooperationspartner: ThürAZ – Thüringer Archiv für Zeitgeschichte »Matthias Domaschk«, Projekt DENKOrte