ROSA LUXEMBURG (1871-1919)

„Wie Lassalle sagte, ist und bleibt die revolutionärste Tat,
immer das laut zu sagen, was ist."

(aus: Z doby rewolucyjnej: Co dalej?, Warschau 1906)

Porträt: Rosa Luxemburg, Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Fotosammlung

✴ 25. Dezember 1870, Zamość (Polen)
† 15. Januar 1919, Berlin

Die als Rozalia Luksenburg geborene Jüdin war die Tochter eines Holzhändlers. Sie wuchs in Warschau auf, wo sie eine humanistische und musische Bildung erhielt und sich bereits früh politisch engagierte. Als Mitglied einer verbotenen marxistischen Gruppe ging sie in Opposition zur Zarenpolitik und musste deshalb 1888 in die Schweiz fliehen. Dort studierte sie in Zürich Staatswissenschaften, Geschichte, Philosophie und Völkerrecht und promovierte 1897 über „Die industrielle Entwicklung Polens“. 1893 war sie Mitbegründerin einer sozialdemokratischen Partei und setzte sich für ein unabhängiges Polen und gegen die russische Vorherrschaft ein. 1897 übersiedelte sie nach Deutschland und erlangte hier durch Heirat die deutsche Staatsbürgerschaft. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei vertrat sie auf Veranstaltungen und in SPD-Zeitungen ihre vom Marxismus geprägte Weltanschauung. Seit 1898 war sie führend in der deutschen und internationalen Sozialdemokratie tätig.

Am 12. Dezember 1906 fand im Weimarer Landgericht in der Geleitstraße ein Prozess gegen Rosa Luxemburg wegen „Aufreizung zur Gewalttätigkeit“ statt, wie die Weimarische Landeszeitung Deutschland einen Tag später berichtete. Die Anklage bezog sich auf einige Sätze ihrer Rede auf dem SPD-Parteitag am 21. September 1906 in Jena im Anschluss an die Resolution von August Bebel über den Massenstreik. Die radikalste unter den sozialdemokratischen Frauen habe die russische Revolution als Vorbild hingestellt und ihre Rede enthalte „Spott und Hohn“ gegenüber jenen, die die Bebelsche Resolution ablehnten, ist zu lesen. Da die Rede geeignet sei, den öffentlichen Frieden zu gefährden, wurde eine Haftstrafe von vier Monaten beantragt und im abschließenden Urteil auf zwei Monate Gefängnis reduziert.

Dass Rosa Luxemburg jedoch den Ton der Zeit auch in Weimar traf, verschweigt das Urteil: Die sozialdemokratische Partei war hier im Jahr 1905 bereits auf 616 Mitglieder angewachsen. Die organisierte Weimarer Arbeiterschaft schuf sich eine Begegnungsstätte für Versammlungen, Maifeiern, Sport und Kultur - das Volkshaus in der heutigen Friedrich-Ebert-Straße, das am 26. April 1908 seiner Bestimmung übergeben wurde. Einen Höhepunkt erreichte die sozialistische Bewegung in Weimar am 3. Januar 1912 durch eine Versammlung zur Reichstagswahl im großen Volkshaussaal. Rosa Luxemburg kehrte erstmals wieder nach Weimar zurück und rechnete in ihrer Rede mit der Kriegs- und Kolonialpolitik der deutschen Regierung ab.

Neben Karl Liebknecht gehörte die gewandte Rednerin zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Linken, die sich nicht scheute, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch wenn dies immer wieder zu Verhaftungen führte. Am 30. Dezember 1918 schlossen sich in Berlin der Spartakusbund und linke Gruppierungen zur Kommunisten Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Rosa Luxemburg hielt auf dem Gründungsparteitag ein Referat zum Parteiprogramm und wurde gemeinsam mit Liebknecht in den Parteivorstand gewählt. Nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes in Berlin wurden beide am 15. Januar 1919 verhaftet und auf Befehl des Gardestabsoffiziers der Garde-Kavallerie-Schützen-Division vier Tage später ermordet.

In Weimarer Ortsteil Schöndorf wurde unter amerikanischer Besatzung am 4. Mai 1945 ein Platz nach Rosa Luxemburg benannt und dort am 30. April 1959 ein Obelisk errichtet, dessen künstlerischer Entwurf von dem Weimarer Bildhauer Siegried Tschierschky stammt.
Im Januar 1988 begann das Aufbegehren in der DDR gegen die gesellschaftlichen Zustände mit dem Zitat von Rosa Luxemburg: "Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenken".

[GG]

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Wonke, 18. FEB 1917

Wonke, 19. APR 1917

Wonke, 02. MAI 1917

Mitte NOV 1917

Breslau, 12. MAI 1918

Hörtext: Auszug aus: Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis, Köln 2017

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Dokument:
- Foto Altes Landgericht, Foto: Karl Schwier (StadtarchivWeimar 63 0-2/Landgericht)

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