MARTIN LUTHER (1483-1546)

"Wenn nun dein Fürst oder weltlicher Herr dir gebietet, es mit dem Papst zu halten, so oder so zu glauben, oder dir gebietet, Bücher von dir zu tun, sollst du so sagen: Es gebührt Luzifer nicht, neben Gott zu sitzen."

Porträt: Martin Luther (1483-1546), 1546, Gemälde von Lucas Cranach d. J. (1515-1586), Öl auf Lindenholz, Klassik Stiftung Weimar, Museen, Inventar-Nr.: G 15, 2011 345879

✴ 10. November 1483, Eisleben
† 18. Februar 1546, Eisleben

Mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen hat Martin Luther eine grundlegende Reformation der christlichen Kirche ausgelöst. Durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche gilt er als einer der Begründer der modernen deutschen Sprache.

Auf einer Reise nach Augsburg machte er im September 1518 im Weimarer Franziskanerkloster Station, wo er eine Messe las. In der Schlosskirche predigte er gegen die Heuchelei im Rahmen der katholischen Kirche. Drei Jahre später machte er während seiner Reise nach Worms wieder in Weimar Station. In den Jahren 1522, 1524 und 1525 griff er von der Residenzstadt aus in die reformatorischen Vorgänge in Erfurt und im Saaletal ein. Zahlreiche seiner Schriften während des Bauernkriegs haben ihren Ausgangspunkt in Weimar gefunden.

In Weimar entstand auch seine Lehre über den Unterschied zwischen geistlichem und weltlichem Reich, die er unter dem Titel „Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei“ veröffentlichte. Darin heißt es: "Wenn man ein Menschengesetz auf die Seele legt, daß sie glauben soll, so oder so, wie derselbe Mensch es angibt, so ist da gewiß nicht Gottes Wort. Ist Gottes Wort nicht da, so ists ungewiß, obs Gott haben will. Denn was er nicht gebietet, dessen kann man nicht sicher sein, daß es ihm gefalle: ja, man ist gewiß, daß es Gott nicht gefalle." Und an anderer Stelle heißt es: "Wenn nun dein Fürst oder weltlicher Herr dir gebietet, es mit dem Papst zu halten, so oder so zu glauben, oder dir gebietet, Bücher von dir zu tun, sollst du so sagen: Es gebührt Luzifer nicht, neben Gott zu sitzen."

Auch in den Folgejahren kam Luther immer wieder nach Weimar. Auf dem Weg von Schmalkalden musste er 1537 hier schwer erkrankt ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Im gleichen Jahr kümmerte er sich in Weimar um die Genesung seines Freundes und engsten Mitarbeiters Philipp Melanchthon.
Martin Luther hat durch sein Wirken wider den Geist der katholischen Glaubenslehre die mittelalterliche Gesellschaft nachhaltig verändert und wirkt bis in die Gegenwart fort.

[UV]

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