MARIA SZYMANOWSKA GEB. WOŁOWSKA (1789-1831)

„Morgen reisen wir in aller Frühe nach Parma. – Weil ich meinen geliebten Eltern und der ganzen Familie eine Freude machen will, sende ich Artikel über mein Konzert, die belegen, dass ich im letzten Brief nicht umsonst geschrieben habe, dass es mir gelungen war. Man wünschte sehr und schlug vor, dass ich ein zweites Konzert gebe. Aber ich hatte keine Zeit zu verlieren und fand, es sei besser eine andere Stadt zu sehen und sich hören zu lassen, denn auf diese Weise könnten mehrere mio divino talento kennenlernen, wie die Italiener es nennen.“

(aus: Maria Szymanowska an ihre Eltern, Mailand, 24.10.1824)

Porträt: Maria Szymanowska am Piano, ca. 1825, © Piotr Kopszak, 2006

✴ 14. Dezember 1789, Warschau (Polen)
† 25. Juli 1831 Sankt Petersburg (Russland)
 
Das weltoffene Elternhaus von Maria Wołowska pflegte Kontakte zur intellektuellen Elite Warschaus und zu führenden Musikern. Mit neun Jahren begann sie, Klavier zu spielen und lernte später auch Komposition; ihr erstes Werk stammt aus dem Jahr 1803. Mit 21 Jahren debütierte sie als Pianistin in Warschau und reiste im selben Jahr nach Paris, um sich dort dem Komponisten Luigi Cherubini vorzustellen. Er lobte ihr Spiel und widmete ihr eine Fantasia in C-Dur. Überliefert sind weitere Begegnungen mit bedeutenden Komponisten, darunter Franz Liszt.

Marias Karriere endete vorerst, als sie am 21. Juni 1810 Józef Teofil Szymanowski heiratete. Jedoch hatte der Ehemann für den pianistischen Ehrgeiz seiner Frau und für ihr kompositorisches Schaffen keinerlei Verständnis, und ein eventuelles öffentliches Auftreten erschien ihm unsittlich. Stattdessen versuchte er, sie für das Landleben und die Arbeit auf dem Gut zu interessieren. 1811 kamen die Zwillinge Helena und Romuald zur Welt, 1812 die Tochter Celina, die später den polnischen Nationaldichter Adam Mickiewicz heiratete. Szymanowska schränkte ihre Auftritte zwar zuerst ein, konzertierte aber dann doch 1815 während des Wiener Kongresses, 1818 in London und 1820 in Berlin. Entgegen den damaligen Regeln des gesellschaftlichen Lebens entschied sich die selbstbewusste Pianistin in der Folge zu einem für die damalige Zeit revolutionären Schritt: Sie löste ihre Ehe auf und ging ihrem Beruf nach, da beides nicht zu vereinbaren war.

In den darauf folgenden Jahren ernährte sie sich, ihre Schwester und ihre Kinder durch Konzerte und Klavierunterricht, aber auch ihre Kompositionen wurden in Leipzig und St. Petersburg verlegt. Dort wurde sie 1822 nach einem Auftritt in der Sommerresidenz des Zaren „Erste Hofpianistin“ der königlichen Majestät, der Zarinnen Maria Feodorovna (1759–1828) und Elizaveta Alekseevna (1779–1826) von Russland. Dieser Titel gewährte ihr nun die nötige finanzielle Sicherheit. 1823 begann sie eine Tournee durch Europa, die sie auch nach Weimar führte, wo sie am 4. November im Saal des Stadthauses konzertierte. Goethe, den sie zuvor schon in Marienbad getroffen hatte, widmete ihr drei Gedichte. 1828 zog sich Maria Szymanowska aus dem Konzertleben zurück.
Robert Schumann schrieb 1836 über ihre 12 Etüden: „An Erfindung und Charakter heißen wir sie jedenfalls das Bedeutendste, was die musikalische Frauenwelt bis jetzt geliefert hat“.

Es ist zu vermuten, dass sie Vorbild für Clara Schumann und viele weitere Frauen war, die einen eigenständigen Weg für ihr Leben suchten.

[BK]

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Hörtext: Gedicht von Goethe für Maria Szymanowska, Marienbad August 1823 (aus: Dr. Emil Wachtel: Goethe und die polnischen Schwestern Maria Szymanowska und Casimira Wolowska, Marienbad 1966, Klassik Stiftung Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek)

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