JOHANNES DANIEL FALK (1768-1826)

"Allerdings gehöre ich nicht zu den jungen Leuten, die mit eingezogenem Atem den Worten des Meisters lauschen, als ob er wie eine delphische Pythia Orakelsprüche von sich gäbe. Ich bin ein vorwitziges Danziger Kind und widerspreche offen, falls ich anderer Meinung bin. Auch einem Goethe."

Porträt: Johannes Daniel Falk (1768-1826), Gemälde von Christiane Henriette Dorothea Westermayr (1772-1841), 1805, Malerei auf Gewebe, Klassik Stiftung Weimar, Museen, Inv-Nr.: KGe/00642

✴ 28. Oktober 1768, Danzig
† 14. Februar 1826 Weimar

Der Sozialpädagoge und Schriftsteller Johannes Daniel Falk hat das gesellschaftlich-kulturelle Leben Weimars wesentlich mitbestimmt, im heutigen öffentlichen Bewusstsein spielt er jedoch kaum mehr eine Rolle. Auf Empfehlung Wielands zog er im Jahr 1797 nach Weimar, wo er zeitweise auch Kontakt mit Goethe und Herder pflegte. Sein Verhältnis zu Goethe war ambivalent. Dazu sagte er selbst:

"Allerdings gehöre ich nicht zu den jungen Leuten, die mit eingezogenem Atem den Worten des Meisters lauschen, als ob er wie eine delphische Pythia Orakelsprüche von sich gäbe. Ich bin ein vorwitziges Danziger Kind und widerspreche offen, falls ich anderer Meinung bin. Auch einem Goethe."

Sein literarisches Schaffen, darunter sein siebenbändiges „Taschenbuch für Freunde des Scherzes und der Satyre“, ist heute weitgehend unbekannt. Die wenigsten wissen, dass eines der bekanntesten Weihnachtslieder „O du fröhliche …“ aus seiner Feder stammt. Falk widmete sich der politischen Satire, gründete zum Zwecke der Verbreitung seiner Ideen die Zeitschrift „Elysium und Tartarus“ - die verboten wurde - und rief mit spitzer Feder neben vielen Themen 1806 zu einem "Volkskrieg" gegen Napoleon auf, als dessen Truppen das Land erreicht hatten.
Während Goethe überlegte, Weimar zu verlassen, entschied sich Falk aber zu bleiben. Er wirkte als Dolmetscher für den französischen Stadtkommandanten und konnte seinen Einfluss geltend machen, um Plünderungen und Zerstörungen in Weimar zu verhindern. Seine Arbeit beschreibt er wie folgt:

"Ich wirke täglich, und ich kann es mit Stolz sagen, nicht bloß Gutes, sondern zuweilen Großes, und nicht bloß für Weimar, und will damit in Gottes Namen fortfahren, ohne mich um die Zukunft zu bekümmern, die für uns alle ein Schleier deckt."


Mit dem Weimarer Stiftsprediger Karl Friedrich Horn gründete er 1813 die „Gesellschaft der Freunde in der Not“, um die Folgen der Napoleonischen Kriege abzumildern. Diese Gesellschaft gilt heute als Vorläuferin der Inneren Mission. Verdienstvoll kümmerte sich Falk um verwaiste und verwahrloste Jugendliche, denen er den Weg in ein sinnerfülltes Leben wies. Finanzielle Hilfe aus der öffentlichen Hand bekam er kaum, deshalb verkaufte er seine noch ungeschriebenen Bücher an den Verleger Brockhaus. Um ein Domizil für seine Zöglinge zu haben, die anfangs in seinem Haushalt lebten, zog er in den verfallenen Lutherhof (in dem einst Wieland gewohnt hatte), den er aufwendig gemeinsam mit den Jugendlichen sanierte.
Als Dank für seine Dienste ernannte ihn Herzog Carl August zum Legationsrat mit festem Jahresgehalt.

[UV]

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27. OKT 1806

15. DEZ 1806

17. MÄR 1807

Hörtexte: Caroline Falk an ihre Großmutter Maria Ursinus, Weimar 27.10.1806, GSA 15/I,1 B,4/5, St. 24
Caroline Falk an ihre Großmutter Maria Ursinus, Weimar 15.12.1806, GSA 15/I,1 B,4/5, St. 25
Caroline Falk an ihre Großmutter Maria Ursinus, Weimar 17.3.1807 Seite 3-6, GSA 15/I,1 B,4/5, St. 28

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Dokumente:
- 14. Oktober 1806, Falks französische Kokarde, Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, 15/IX,1 Bl. 104
- 13.10.1806, Voigt an Falk, Verbot Elysium und Tartarus inklusive Kommentar von Falk, Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, 15/IX, 2 Bl. 45
- 30.10.1806, Martin an Falk, Klassik Stiftung Weimar, Goethe- und Schiller-Archiv, 15/IX,1 Bl. 114

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