GROSSHERZOG WILHELM ERNST VON SACHSEN-WEIMAR-EISENACH (1876-1923)

„Ich hatte alles getan, was ich konnte. Ich hatte noch viel Gutes vor.“

Porträt: S. Kgl. H. d. Großherzog u. I. Kgl. H. d. Frau Großherzogin m. I. H. Prinzeß Sophie, S. Kgl. H. dem Erbgroßherzog u. S. H. Prinz Bernhard-Friedrich von Sachsen-Weimar-Eisenach, (Foto: Franz Vältl / © Landesarchiv Thüringen – Hauptstaatsarchiv Weimar, Historische Schriften und Drucke F2273, Bl. 9)

✴ 10. Juni 1876, Weimar
† 24. April 1923, Heinrichau

„Ich hatte alles getan, was ich konnte. Ich hatte noch viel Gutes vor.“ Mit diesen Sätzen kommentierte Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach am 9. November 1918 seinen Thronverzicht.

Großherzog Wilhelm Ernst war bereits in jungen Jahren und ohne ausreichende Vorbereitung Landesherr des Großherzogtums geworden. Familiäre Hintergründe hatten ihn zu einem verschlossenen Menschen gemacht, der zudem - ähnlich wie seine Vorgänger - zu Wutausbrüchen neigte. Dennoch konnte sich die Bilanz seiner Regierungstätigkeit ab 1901 bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges sehen lassen: 1909 wurde das direkte Wahlrecht und 1911 eine moderne Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt. Die prosperierende Kaliindustrie an der Werra spülte Geld in die Staatskasse. Es wurde in die Verbesserung der Infrastruktur - Straßen und Schienenwege – investiert und brachliegende Ackerflächen aufgeforstet. Rund 20 Prozent des Staatshaushalts flossen in die Schulbildung. Die Universität Jena wurde durch eine effektive Förderpolitik wieder zu einem attraktiven Studienort. Auch die Weimarer Kunstschule wurde reformiert und Frauen erhielten Zugang zu den beiden Hochschulen. Die unter seiner Regentschaft errichteten Gebäude der Kunstschule wie des Hoftheaters zählen heute zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im Unterschied zu seinem Großvater Carl Alexander vermied Wilhelm Ernst persönliche Eingriffe in Kunst und Wissenschaft. Vielmehr sah er es als seine Aufgabe, staatliche Förderung und privates Mäzenatentum auf eine in seinen Augen moderne Weise zu verbinden. Dies trug ihm den Vorwurf ein, sich nicht genügend für kulturelle Fragen zu interessieren und dabei gleichzeitig das klassische Weimar zu vernachlässigen, das gewisse Kreise gern kritiklos konserviert hätten.

In der Person von Großherzog Wilhelm Ernst verbindet sich hochmodernes Verwaltungs- und Wirtschaftsdenken mit einer gleichzeitig konservativen Haltung hinsichtlich seiner Stellung als monarchistischer Landesherr.

Häufig wird seine beim Adel damals allgemeine übliche Jagdleidenschaft als Beleg für ein angebliches Desinteresse an der Regierungstätigkeit gewertet. Nachweislich ging er jedoch in den frühen Morgenstunden auf die Pirsch und beriet sich dann nach dem Frühstück den Rest des Tages mit seinen Ministern und Beamten.

[BP]


Dokumente:
- Abdankungsurkunde von Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach (Landesarchiv Thüringen – HStA Weimar, Urkunde 1918 November 9)
- Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach mit Prinzessin Sophie und Erbprinz Carl August, © Sammlung Bernhard Post
- Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar-Eisenach, © Sammlung Bernhard Post
- Militärparade auf dem heutigen Beethovenplatz in Weimar, © Sammlung Bernhard Post

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