GABRIELE REUTER (1859-1941)

"Ach ja – so recht praktisch, liebvoll, aufopferungsfreudig und dabei gescheut und von gediegener Bildung! Um das alles zu erreichen, musste man sich schon tummeln! Alles, alles für ihn – den geliebten, herrlichen, zukünftigen Unbekannten!"

(aus: "Aus guter Familie - Leidensgeschichte eines Mädchens" von Gabriele Reuter, 1908, 17. Auflage, Klassik Stiftung Weimar, HAAB)

Porträt: Gabriele Reuter (1859-1941), 1879, Gemälde von Hermann Behmer (1831 - 1915), ölhaltige Farben auf Gewebe, © Dauerleihgabe der Familie Röttger-Husemann an die Klassik Stiftung Weimar

✴ 8. Februar 1859, Alexandria (Ägypten)
† 16. November 1941, Weimar

Gabriele Reuter war eine zu ihrer Zeit herausragende und populäre Verfasserin von Romanen, Novellen, Jugendbüchern und Essays, die sich vor allem mit Geschlechter- und Generationskonflikten auseinandersetzten. Gerühmt wurde die „Dichterin der weiblichen Seele“ vor allem für die psychologische Ausgestaltung ihrer Werke.

Mit dem Schreiben fing Gabriele Reuter zur Linderung der finanziellen Nöte ihrer Familie schon als 16-Jährige an. Sie belieferte verschiedene Zeitungen und veröffentlichte erste Romane. Damit konnte sie nach dem finanziellen Ruin der Familie als Folge eines Betrugs den Umzug 1879 nach Weimar in die Wilhelmsallee 4 (heute Leibnizallee) finanzieren. Von hier aus unternahm sie zahlreiche Reisen und machte dabei die Bekanntschaft namhafter Persönlichkeiten, wie z.B. Henrik Ibsen und Thomas Mann, der sie als die „souveränste Frau, die heute in Deutschland lebt“ bezeichnete. Auch Hans Olden, Rudolf Steiner, Gerhart Hauptmann und Elisabeth Förster-Nietzsche gehörten zu ihrem Bekanntenkreis. Der Verleger Samuel Fischer druckte 1895 ihr literarisches Referenzwerk „Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens“, womit sie ihren Ruf als Autorin festigte. Sigmund Freud attestierte ihrem Roman „die besten Einsichten in das Wesen und die Entstehung der Neurosen“.

In dem Roman, der wie ein Aufschrei unterdrückter Frauen wirkte, wird die Leidensgeschichte einer „höheren Tochter“ im Wilhelminischen Deutschland geschildert, die sich auf der vorgezeichneten Lebensbahn als „Jungfrau, Gattin und Mutter“ nicht zurechtfindet, auch nicht zurechtfinden will, ausbricht und schließlich daran zerbricht. Dabei fängt der Roman so schwärmerisch an. "Ach ja – so recht praktisch, liebvoll, aufopferungsfreudig und dabei gescheut und von gediegener Bildung! Um das alles zu erreichen, musste man sich schon tummeln! Alles, alles für ihn – den geliebten, herrlichen, zukünftigen Unbekannten! "

Gabriele Reuter lebte von 1879 bis 1899 und wieder ab 1929 bis zu ihrem Tod in Weimar (1929 - 1933 Steinallee 5, ehemals Carl-Alexander-Allee 5, 1933 - 1939 Am Horn 39).

[UV]

Weitere Informationen finden Sie in dem Buch: "Gabriele Reuter - Leben und Werk einer geborenen Schriftstellerin" von Dr. Annette Seemann, Verlagshaus Römerweg, 2016


Dokumente:
- Titelblatt "Aus guter Familie - Leidensgeschichte eines Mädchens" von Gabriele Reuter, 1908, 17. Auflage, Klassik Stiftung Weimar, HAAB, Sig. 268570 - A
- Titelblatt "Frau Bürgelin und ihre Söhne" von Gabriele Reuter, 1899, 2. Auflage, Klassik Stiftung Weimar, HAAB, Sig. 244661 - A

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