AUGUST HEINRICH HOFFMANN VON FALLERSLEBEN (1798-1874)

"Nicht betteln, nicht bitten! Nur mutig gestritten!
Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und Recht"

Porträt: August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Foto um 1870, Bildnachweis: akg-images / Julius Hahn

✴ 2. April 1798, Fallersleben
† 19. Januar 1874, Schloss Corvey

August Heinrich Hoffmann, einer der bekanntesten deutschen Dichter des 19. Jhd., fügte seinem Namen den Geburtstort hinzu und nannte sich Hoffmann von Fallersleben. Er studierte Theologie, Philologie, Philosophie und Germanistik und wurde 1830 zum Professor für deutsche Sprache und Literatur in Breslau berufen. Seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen auf den Gebieten Volks- und Kirchenmusik sowie Literatur des Mittelalters würdigte die Universität Leiden mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde.

Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit kämpfte Hoffmann von Fallersleben als politischer Dichter im Vormärz, der als Antwort auf den Wiener Kongress von 1815 verstanden wird. Der Wiener Kongress stellte ein altes Mächtegleichgewicht wieder her, indem er die Regierungsgewalt des Adels stärkte. Zumeist bürgerliche Vertreter waren damit im höchsten Maße unzufrieden, verfolgten liberale und nationale Gedanken und strebten Reformen an sowie die Einführung einer demokratisch verfassten Gesellschaft. Der Vormärz gipfelte in den revolutionären Unruhen 1848/49. Von Fallersleben stritt während dieser Zeit für Pressefreiheit, verfassungsmäßige Rechte und gegen Polizeiwillkür. "Nicht betteln, nicht bitten! Nur mutig gestritten! Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und Recht" heißt es in seinen „Unpolitischen Liedern “, die er während dieser Zeit formulierte. Allerdings verlor er in der Folge seines Protestes sein Professorenamt und wurde des Landes verwiesen. Ein unstetes Leben folgte für von Fallersleben, das ihn unter anderem auf die Insel Helgoland führte, wo „Das Lied der Deutschen“ entstand, dessen Zeile „Deutschland, Deutschland über alles“ der Sehnsucht nach einem einigen Vaterland gewidmet war. Die Nationalsozialisten missbrauchten diese Strophe allerdings im Sinne ihrer völkisch-rassistischen Ideologie. Daher wird diese Strophe in der heute gesungenen deutschen Nationalhymne weggelassen.

Durch die Vermittlung von Franz Liszt wollte Hoffmann von Fallersleben in Weimar eine neue Heimat finden und bezog von 1854 bis 1860 eine Wohnung auf dem Kasernenberg (heute Leibnizallee). Er gab die „Weimarische Zeitschrift für deutsche Sprache und Literatur“ heraus und war Mitbegründer des „Neuen Weimar-Vereins“. Seine Hoffnung, die geistige Stagnation zu bekämpfen, scheiterte in Weimar u.a. an finanziellen Mitteln. Enttäuscht wandte er sich von Weimar ab und ging nach Corvey, wo er als Bibliothekar eine gesicherte Existenz erhielt. Er verließ Weimar mit den sarkastischen Worten, er sei froh, von dieser "Acker-und Dorfresidenz der Hof- und sonstigen Räte erlöst" zu sein.

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Hörtext: Korrespondenz zwischen Franz Liszt und Großherzog Carl Alexander von Sachsen- Weimar und Eisenach (Briefe Franz Liszt an Carl Alexander vom 5. März 1854, Carl Alexander an Franz Liszt vom 6. März 1854, Franz Liszt an Carl Alexander vom 8. Juni 1854, Franz Liszt an Carl Alexander vom 9. September 1854, Franz Liszt an Carl Alexander vom 24. Juni 1856, Carl Alexander an Franz Liszt vom 26. Juni 1856, Franz Liszt an Carl Alexander vom 17. Januar 1857)

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Dokument: - Titelblatt "Unpolitische Lieder" von Hoffmann von Fallersleben, 1840, Klassik Stiftung Weimar, HAAB, Sig. V 610

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