AUGUST FRÖLICH (1877-1966)

"Meine Herren! Dieses Schlagwort, daß Thüringen nicht lebensfähig sei, muss endlich beseitigt werden."

(aus: 7. Sitzung der Verhandlungen des Volksrates von Thüringen am 23. Januar 1920)


Porträt: August Frölich, Stadtarchiv Weimar 63 4/Frölich, August, Foto: Ernst Schäfer

✴ 31. Dezember 1877, Sippersfeld (Königreich Bayern)
† 22. Januar 1966, Weimar

Der Sohn eines Kleinbauern und Tagelöhners wuchs in Kaiserslautern auf und erlernte das Handwerk des Schlossers und Eisendrehers. Mehr als sieben Jahrzehnte seines Lebens widmete er sich der Politik. 1895 trat er dem Deutschen Metallarbeiterverband bei und wurde Vorsitzender der Gewerkschaft der Metallarbeiter in Berlin-Moabit. 1900 wurde er in Berlin Mitglied der SPD. Von 1913 bis 1918 arbeitete Frölich in Altenburg als Stadtverordneter, bevor er 1918 in die Landesregierung Sachsen-Altenburg berufen wurde. Er galt als einer der Initiatoren der Überwindung der staatlichen Zersplitterung, das vor 1919 aus acht Fürstentümern mit jeweils eigenen Gesetzgebungen bestand. 1921 übertrug man ihm die Verwaltung des Wirtschaftsministeriums des nunmehrigen Freistaates Thüringen. Als die Thüringer Regierung am 28. Juli 1923 zurücktrat, wurde Frölich am 16. Oktober Ministerpräsident einer neu gebildeten Regierung, in der die Sozialdemokraten und Kommunisten über zwei Mandate mehr verfügten als die bürgerlichen Parteien. Diese in der Zeit der Inflation gewählte Arbeiterregierung hatte ihren Sitz im ehemaligen Fürstenhaus am heutigen Platz der Demokratie in Weimar und erklärte nach dem Einmarsch der Reichswehr am 7. Dezember ihren Rücktritt. Von 1920 bis 1933 war Frölich Landtagsabgeordneter in Thüringen und von 1924 an auch Abgeordneter der Sozialdemokraten im Deutschen Reichstag.

Von 1933 an war der missliebige SPD-Politiker zahlreichen Verfolgungen ausgesetzt. So wurde er am 22. Juni 1933, dem Tage des Verbots der SPD, wegen illegaler antifaschistischer Tätigkeit drei Wochen in Schutzhaft genommen. Als 1938 in Berlin eine illegale Gruppe von Sozialdemokraten entdeckt wurde, nahm man Frölich, der als Revisor im Sozialdemokratischen Landesverband Thüringen gearbeitet hatte, in Untersuchungshaft. Ein Verfahren wegen „Hochverrats“ wurde gegen ihn eingeleitet, jedoch entließ man ihn 1939 wieder. Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Frölich abermals verhaftet und im Gestapo-Gefängnis im Marstall verhört. Gemeinsam mit dem früheren Abgeordneten der KPD in seinem Kabinett von 1923, Dr. Theodor Neubauer, kam Frölich ins Gefängnis Berlin-Moabit, aus dem er am 11. Dezember 1944 entlassen wurde.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges baute Frölich 1945 in Weimar zur Linderung der größten Not der Bevölkerung die Organisation des Roten Kreuzes auf. Nach dem Vereinigungsparteitag von SPD und KPD an historischer Stätte in Gotha am 7. April 1946 trat er der neu gegründeten Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) bei. Obwohl er längst das Rentenalter erreicht hatte, wählten die Delegierten den erfahrenen Parlamentarier am 21. November 1946 anlässlich der Konstituierung des ersten Thüringer Landtags im Hotel „Elephant“ zu dessen Präsidenten. Zur Beseitigung eines „Trägers des Systems“ verübte ein 27-jähriger Weimarer am 30. Juni 1947 auf Frölich in dessen Dienstzimmer ein vorbereitetes, jedoch misslungenes Attentat. Nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) 1949 übernahm Frölich das Amt des Vizepräsidenten der Länderkammer bis zu deren Auflösung 1958.

Anlässlich seines 75. Geburtstages am 31. Dezember 1952 verlieh die Stadt Weimar das Ehrenbürgerrecht an August Frölich, dessen Leben und Wirken mit Thüringen wie auch aufs Engste mit Weimar verbunden war. Am selben Tag erhielt der Platz an der Katholischen Kirche den Namen „August-Frölich-Platz“.

[GG]

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Hörtext: Damals in Thüringen, August Frölich über seine Verhaftung am 23. Juli 1944, 26.4.1960, DRA Babelsberg (Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv), Archivnummer: 2031366, 2:38 Min

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Dokumente: Foto Kolesnitschenko (4): Übergabe der Landesregierung an die deutsche Verwaltung 12.11.1949, Stadtarchiv Weimar 63 2-2/10, Foto: Ernst Schäfer v.l.: Iwan Sosonowitsch Kolesnitschenko, August Frölich, Willy Gehbardt

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