REBELLIEREN UND REGIEREN 2020

Wo regiert wird, da wird auch rebelliert. So mutet zumindest der Blick in die Geschichte des Regierens und der Rebellion an, angefangen bei dem römischen Sklaven Spartacus über den Bauernkrieg, die Boston Tea Party oder den Schlesischen Weberaufstand bis in unsere Gegenwart, in der eine „Extinction Rebellion“ einen Aufstand gegen Umweltzerstörung auslösen möchte. Auch in den jüngsten Protesten gegen Grundrechtseinschränkungen in der Pandemie und gegen Rassismus und Polizeigewalt war die Schwelle zur Rebellion sichtbar oder wurde gar überschritten.
In der Geschichte wie in der Gegenwart bewegen sich Rebellionen im Spannungsfeld von politischer, ökonomischer und sozialer Herrschaft und dem Widerstand dagegen. Dabei wandeln sich auch die Formen des Rebellierens und reichen von der offenen Gewalt bis zum zivilen Ungehorsam unter ausdrücklichem Gewaltverzicht. Als Widerstand gegen Ungerechtigkeit hat die Rebellion heute oftmals die Gunst des Publikums auf ihrer Seite. Umgekehrt lässt sich aber auch fragen: Ist Regieren immer schlecht? Oder was macht gutes Regieren aus, so dass Rebellionen dagegen gar nicht erst nötig werden?

Der wissenschaftliche Beirat des Weimarer Geschichtsfestivals hatte sich im Januar auf das Thema verständigt. Coronabedingt wird das Format des Festivals in diesem Jahr angepasst und findet nicht wie in der Vergangenheit als Veranstaltungsreihe in geschlossenen Räumen statt, sondern auf zwei anderen Ebenen.

Die erste Ebene ist das Radio. Es finden 8 Podiumsdiskussionen zu den Themen unserer Zeit und unter dem Dach des Festivalmottos im Radio statt. Dieses Format entspricht am ehesten dem Anliegen des Festivals, nämlich frei zugänglich Debatten auf hohem wissenschaftlichen Niveau zu bieten, an denen sich die Hörer beteiligen können.

Die zweite Ebene ist eine Ausstellung im öffentlichen Raum in Weimar. Das diesjährige Festival stellt Biografien ausgewählter Weimarer „Rebellen und Regierender“ dar, wobei wir uns vor allem für die eher weniger bekannten Personen interessieren oder Facetten bei den "berühmteren" Zeitgenossen beleuchten, die oft zu Unrecht vergessen wurden. Denn die Geschichte der Stadt Weimar ist nicht nur von dichterischem und intellektuellem Glanz geprägt, sie ist gleichsam voller Regierender, Rebellen und Menschen, die durch markante Wendepunkte in ihrem Leben von der einen in die andere „Rolle“ wechselten. Für alle diese Menschen gilt, dass sie starke Charaktere waren, die für ihre Ideale und Überzeugungen lebten, stritten und kämpften. Die einen subtil künstlerisch wie Gabriele Reuter, Hoffmann von Fallersleben oder Johannes Daniel Falk, die anderen durch zivilen Ungehorsam wie Pfarrer Alexander Wessel oder Kurt Nehrling.

Die Ausstellung und das Rendez-vous werden am 6.11.2020 durch einen kurzen Film eröffnet, der eigens für das Festival und diese Thematik produziert wird und ebenfalls im öffentlichen Raum gezeigt wird (Projektion auf eine Hauswand).

Der etwa 15-minütige Film, der für das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte produziert wird, will auf unterhaltsame Weise entschlüsseln, wer aktuell Rebellen und Rebellinnen sind, wie sie rebellisch wurden, was ihr Rebellentum ausmacht und zugleich hinterfragen, ob vielleicht jede Gesellschaft genau diese Menschen dringend braucht. Auch wenn sie unbequem und streitbar sind. Oder gerade, weil sie unbequem und streitbar sind. Die Ebene des Heute wird durch die der Vergangenheit erweitert. So gehören in den Film kurze Einsprengsel zu Rebellen*innen vergangener Tage, um so ein Rendez-vous mit der Geschichte auch im Film zu ermöglichen. Alle Protagonist*innen verbindet ein Weimarer Bezug. 

Der Film ist ein Auftragswerk von 1meter60Film Weimar.

Buch: Yvonne Andrä, Stefan Petermann
Regie, Produktion: Yvonne Andrä
Kamera, Schnitt, Farb- und Tonkorrektur: Wolfgang Andrä
Eine Produktion von 1meter60 Film

REFERENTEN 2020:

Dr. Andreas Braune (Jena)
Prof. Dr. Johann Chapoutot (Paris)
Prof. Dr. Michael Dreyer (Jena)
Henryk Gericke (Berlin)
Dr. Nora Hilgert (Weimar)
Prof. Dr. Dirk van Laak (Leipzig)
Dr. Thomas T. Müller (Mühlhausen)
Dr. Daniel Palm (Berlin)
Prof. Dr. Detlef Pollack (Münster)
Bodo Ramelow (Erfurt)
Prof. Dr. Susanne Rau (Erfurt)
Maik Reichenbach (Leipzig)
Prof. Dr. Martin Sabrow (Potsdam)
Prof. Dr. Anna Schober-de Graaf (Klagenfurt)
Gerlinde Sommer (Weimar)
Erhard Stackl (Wien)
apl. Prof. Dr. Ulman Weiß (Erfurt)

RADIOSENDUNGEN

AUSSTELLUNG

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Dr. Nora Hilgert übernimmt die Leitiung des Festivals, Franka Günther ist als neue Kulturbeauftragte Frankreichs in Erfurt tätig.

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Hier können Sie den Film zum Festival "Rebellieren und Regieren" vorab sehen. Die Premiere vor Publikum findet auf der 2021 nachzuholenden Festveranstaltung statt, der Termin wird noch bekannt gegeben.

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ACHTUNG!

Aufgrund der aktuell geltenden Corona-Maßnahmen kann die Eröffnungsveranstaltung am 6.11. leider nicht stattfinden. Wir sind bemüht, sie zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen und werden Sie an dieser Stelle rechtzeitig darüber informieren.
Die Radiosendungen und die Ausstellung im öffentlichen Raum als Teile des diesjährigen Festivals finden aber wie geplant statt.