WEIMARER RENDEZ-VOUS MIT DER GESCHICHTE

AUF AUGENHÖHE?!
BEZIEHUNGSGESCHICHTE(N)

08.-12. NOV 2017

Ein Blick in die Nachrichten dieser Tage lässt vermehrt das Gefühl aufkommen: Unsere umfassend vernetzte Welt scheint aus den Fugen. Die Kriege, sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Krisen der Welt haben nicht (mehr) nur lokale Bedeutung, sondern gehen uns alle an. Flüchtlinge, Klimawandel, Währungskrisen, Brexit, Trump, das Aufblühen populistischer Strömungen und die schleichende Wiederkehr autokratischer Regierungsformen sind nur einige der Dauerthemen. Wer begegnet wem eigentlich noch auf Augenhöhe? Staatsmänner verweigern das bilaterale Gespräch oder überformen es mit nichtssagenden Gesten. Menschen fühlen sich vom politischen Leben ausgeschlossen und ziehen sich ins Private zurück.

Das Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte 2017 fragt ausgehend von diesen oft alarmistischen Wahrnehmungen, wie Beziehungen politischer, wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Art in Geschichte (und Gegenwart) untereinander, gegeneinander, mit- und zueinander agieren. Unsere Welt ist - nicht allein durch unser sich fundamental veränderndes Kommunikationsverhalten - komplexer geworden. Auch die globalen politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen tragen ihren Teil dazu bei. Einfache Antworten gibt es nicht, auch wenn so mancher Politiker, Aktivist und Stammtischexperte uns das glauben machen will. Wie in vielen Zusammenhängen und gerade hier ist der Blick in die Geschichte hilfreich und von höchster Dringlichkeit. Denn nur allzu häufig sind die Ursachen und Entwicklungen aktueller Phänomene in der Vergangenheit zu suchen und der Blick in die Geschichte kann manche Alltagsdiagnose relativeren und auf diese Weise Ängste nehmen. In jedem Fall aber ist er ein Erkenntnisgewinn zum Verständnis der Gegenwart.

Ausgehend von den Beziehungen und Verflechtungen unserer Zeit werden wir gezielte Fragen an die Vergangenheit stellen und die nötigen historischen Zwischenböden zu ihrem Verständnis einziehen. Der Blick reicht dabei von der Antike bis zur Zeitgeschichte und in die jüngste Gegenwart. Welche sozialen Beziehungen sind nötig, um die Demokratie zu gewährleisten? Wie waren diese im antiken Griechenland als Wiege der Demokratie gestaltet? Wie waren die internationalen Beziehungen in Zeiten des Kalten Krieges ausgestaltet? Welche Geschichte(n) verbinden die Länder des Weimarer Dreiecks Frankreich, Deutschland und Polen? Welchen Einfluss haben Twitter, Facebook und Co auf unsere Kommunikation und gab es jemals vergleichbare Phänome? Dabei weiten wir den Blick nicht nur epochal sondern auch geografisch und betrachten andere Weltregionen außerhalb Europas. Wie vielschichtig vermeintlich klare Machtkonstellationen beispielsweise zwischen den Kolonialmächten und Afrika waren und welche Auswirkungen wir hiervon heute noch spüren.