SONNTAG 03. NOV 2019

DER EINTRITT IN DIE VERANSTALTUNGEN IST FREI.
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Podium
10 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

AUFBRUCH INS GELOBTE LAND?
DIE FRAUENBEWEGUNG IN DER WEIMARER REPUBLIK

Lilja-Ruben Vowe (Frankfurt/Oder), Dr. Kerstin Wolff (Kassel),
Prof. Dr. Sabine Hering (Siegen)

In der Weimarer Republik haben sich den Frauen neue Möglichkeiten in Wissenschaft, Mode und Kunst-Gewerbe aufgetan, aber sie erlitten auch Niederlagen: Es gab kaum Erfolge in der Parlamentarischen Arbeit, das Gesetz gegen das Doppelverdienertum, die Unterwerfung des 'sozialen Frauenberufs' unter das 'Joch' der Administration, den Niedergang wichtiger weiblicher Berufsfelder durch die Inflation  etc.
Die Diskussion greift das Thema Renaissance im Sinne einer Auseinandersetzung mit den politischen und kulturellen Herausforderungen der Vergangenheit auf. Die Frauenbewegung in Deutschland hat nicht erst in der Weimarer Republik begonnen, im Gegenteil: Sie hat dort zwar eine neue gesetzliche Grundlage bekommen und auch Zugänge in Bereiche der Berufstätigkeit und der politischen Teilhabe, die vorher noch verschlossen waren. Aber die bereits über Jahrhunderte existierenden Forderungen der Frauen nach Freiheit und Selbstverwirklichung wurden in dieser historischen Phase nur teilweise umgesetzt und gleichzeitig auch eingeengt. Die Frauen waren jetzt gesetzlich anerkannte Teile des Staates und des öffentlichen Lebens, sie waren damit aber auch den Vorschriften und Regelungen unterworfen, welche die nach wie vor patriarchalen Strukturen kennzeichneten.

 

Vortrag
11 Uhr | Stadtmuseum Weimar

WAS HAT DIE OPER MIT DER RENAISSANCE ZU TUN?

Prof. Dr. Michael Klaper (Weimar/Jena) und Heidrun Eberl (Weimar)

Es ist schon lange üblich, von einer Renaissance in der Musik zu sprechen; für gewöhnlich sind damit das 15. und 16. Jahrhundert gemeint. Geht man allerdings vom historischen Wortsinn aus – einer ‚Wiedergeburt‘ der Antike –, erweist sich die Anwendung des Renaissance-Begriffs auf die Musik dieser Zeit als schwierig: Damaligen Autoren zufolge spielte der Rückgriff auf die antike Musikkultur zunächst überhaupt keine Rolle.
Demgegenüber war die Anknüpfung an die Antike für die Anfänge von Oper in der Zeit um 1600 von entscheidender Bedeutung: Dabei ging es tatsächlich um die Wiedererweckung dessen, was man über den antiken Theatergesang zu wissen glaubte. Und insofern wurde hier tatsächlich Altes auf neue Weise erfunden. Welche Folgen das hatte, wird dieser Vortrag untersuchen und dabei Tonbeispiele bis ins spätere 18. Jahrhundert hinein geben.

 

Podium
12 Uhr | Eckermann Buchhandlung

THÜRINGEN 2.0: WIE DER FREISTAAT 1990 ZUM ZWEITEN MAL GEGRÜNDET WURDE

Frank-Michael Pietzsch (Bad Berka), Matthias Gehler (Erfurt), Heiko Gentzel (Erfurt)
Moderation: Eberhardt Pfeiffer (Arnstadt)

Freiheit und Demokratie waren die grundlegenden Forderungen der Friedlichen Revolution vor 30 Jahren. Schnell wurden diese Ziele mit der Neugestaltung der staatlichen Strukturen verbunden. Aber wie sollten diese Strukturen aussehen? Sollte die DDR als ein großes neues Bundesland in den neuen Staat eingehen? Oder sollten die alten Bezirke als Verwaltungseinheiten Thüringens bestehen bleiben? Welche Stadt wird Hauptstadt Thüringens? Soll für das neu zu gründende Bundesland Thüringen das hessische Landesrecht einfach übernommen werden?
In einer Gesprächsrunde wollen wir über die in kürzester Zeit zu treffenden Entscheidungen und mögliche Alternativen zur Neugründung des Freistaates diskutieren und dabei auch nach den Auswirkungen bis heute fragen.

Podium
13 Uhr | Stadtmuseum Weimar

WIEDERGEBURT(EN) IN DEN RELIGIONEN UND DER KUNST

Dott. Francesca Fabbri (Weimar), Dr. Cornelia Haas (Würzburg),
Dr. Isabella Schwaderer (Erfurt)

Wiedergeburt(en) gehören zu den größten Exportschlagern Indiens von der griechischen Antike bis heute. Drei überraschende Zugänge zum Thema eröffnen ein altindisches Reinigungsritual, das in den heiligen Bergen Schwabens heute heilende Kräfte wiedererweckt, dann folgen wir dem Ei, einem Symbol der Wiedergeburt und auch der Auferstehung in der Kunst von der Renaissance bis heute, und zu guter Letzt bewegen wir uns auf den Spuren des neu erstandenen indischen Tempeltanzes durch Deutschland 1936.

Podium
in Kooperation mit der Historischen Kommission Thüringen
14 Uhr | Eckermann Buchhandlung

WAS BEDEUTET "HEIMAT" EIGENTLICH HEUTE?

Prof. Dr. Beate Mitzscherlich (Zwickau), Prof. Dr. Werner Nell (Kingston, Kanada), Prinz Michael von Sachsen-Weimar-Eisenach (Mannheim)
Moderation: Prof. Dr. Edoardo Costadura (Jena)

Jakob und Wilhelm Grimm definieren im Deutschen Wörterbuch Heimat als „das land oder auch nur den landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat.“ Damit ist ein Raum abgesteckt, der sich vom Elternhaus und dem Dorf oder der Stadt allenfalls auf die Region ausweiten lässt. Erst seit dem 19. Jahrhundert wird "Heimat" mit "Nation" identifiziert - was mit zum Teil verheerenden Folgen noch bis in die Gegenwart nachwirkt. Heute stellt sich einerseits vor dem Hintergrund des europäischen Einigungsprozesses und der Globalisierung die Frage, ob der Heimatbegriff weiter ausgedehnt werden kann und soll – etwa auf Europa und die Welt. Andererseits und nicht zuletzt angesichts der Auswanderungsbewegungen der vergangenen Jahrzehnte muss man fragen, ob Heimat nicht neu definiert werden muss: nicht räumlich als Landstrich oder Region sondern als gesellschaftliches Konzept - als etwas, das Menschen miteinander „machen“.

Podium
15 Uhr | Stadtmuseum Weimar

DIE AFRIKANISCHE RENAISSANCE

Prof. Dr. Ulf Engel (Leipzig), Prof. Dr. Henning Melber (Uppsala)
Moderation: Prof. Dr. Matthias Middell (Leipzig)

Thabo Mbeki (geb. 1942), der ehemalige Vizepräsident Südafrikas, belebte am 9. April 1998 in einer Rede über das heutige Afrika das Nachdenken über eine afrikanische Renaissance wiefolgt: Die Überzeugung, dass unsere Vergangenheit uns sagt, dass die Zeit der afrikanischen Renaissance gekommen ist, ist wesentlich für das Konzept dieser Renaissance... Wenn wir auf die Frage Wer waren wir? keine Antwort finden, werden wir die Frage Was wollen wir sein? auch nicht beantworten können.
Die Frage, wie sich die reiche und stolze Geschichte des afrikanischen Kontinents mit den Herausforderungen der Zukunft verbinden ließe, wurde von Mbeki unmittelbar in eine entwicklungspolitische Agenda übersetzt: Wir versuchen, die Botschaft zu vermitteln, dass die afrikanische Unterentwicklung alle auf der Welt etwas angeht, dass der Sieg der afrikanischen Renaissance nicht nur von den Verbesserungen der Lebenssituation der afrikanischen Bevölkerung, sondern auch von einem erweiterten Blick auf die Würde eines jeden Menschen abhängt.
Vor diesem Hintergrund wurden rasch verschiedene Projekte zu einer New African Initiative zusammengeführt, die die Staats- und Regierungschefs Afrikas im Juli 2001 als zentrale Zukunftsaufgabe angenommen haben. Hieraus ist im Oktober 2001 The New Partnership for Africa’s Development geworden – ein Entwicklungspakt zwischen den Staaten Afrika und den G8: Im Gegenzug zu verlässlichen Transfers von Mitteln der Entwicklungszusammenarbeit (jährlich USD 50 Mrd. für den Zeitraum 2001-2015), sollten Demokratie und gute Regierungsführung in den (inzwischen 38) Unterzeichnerstaaten Afrikas garantiert werden. Mit der African Charter on Democracy, Elections and Governance, die 2007 von allen AU-Mitgliedsstaaten verabschiedet worden und 2012 in Kraft getreten ist, wurden die Ziele der African Renaissance-Politik in eine Agenda für alle Mitgliedstaaten der AU übersetzt.
Die Veranstaltung diskutiert die Entwicklung der Debatte um die African Renaissance und zieht eine Bilanz der Umsetzung entwicklungspolitischer Ziele in Afrika.

 

Podium
16 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

RENAISSANCE VON RELIGIOSITÄT

Dr. Sebastian Kranich (Neudietendorf), Prof. Dr. Christiane Kuller (Erfurt),
Prof. Sylvie Toscer-Angot (Paris), Moderation: Prof. Dr. Jörg Rüpke (Erfurt)

Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Religion die Diagnose der „Säkularisierung“ gestellt. Das galt vor allem im „Westen“, schloss aber das orthodoxe Christentum und den Islam ein. Obwohl zumal in Europa religiöse Mitgliedschaft und Aktivitäten, aber auch institutionelle Stärke und Einfluss weiterhin zurückgehen, wird zunehmend von einer Renaissance von Religiosität und Religionen gesprochen. Zugleich werden religiöse Aussagen, Morallehren und Zugehörigkeiten vielerorts zu politischen Ideologien und Trägern staatlicher Totalisierung, dienen als Basis für die Bildung von Gruppen. Was ist daran neu, was Wieder-Geburt?

 

Podium
17 Uhr | Stadtmuseum Weimar

GAB ES IN CHINA EINE RENAISSANCE?
EIN STREITGESPRÄCH

Prof. Dr. Thomas Maissen (Paris), Prof. Dr. Barbara Mittler (Heidelberg)
Moderation: Prof. Dr. Susanne Rau (Erfurt)

Das Streitgespräch zwischen einer Sinologin und einem Historiker dreht sich am Beispiel der „Renaissance“ um die Frage, ob Epochenbegriffe in einem Kulturkreis auf einen anderen übertragen werden können. Was unterscheidet die italienische und abendländische Renaissance von "Wiederentdeckungen der Vergangenheit" in anderen Teilen der Welt? Wie sollen wir damit umgehen, dass Chinesen ihren politischen und kulturellen Aufbruch zu Beginn des 20. Jahrhunderts („4. Mai-Bewegung“) ebenfalls als „Renaissance“ bezeichnen? Unsere unterschiedlichen Antworten sind wichtig für die Überlegungen, wie man heutzutage Globalgeschichte schreiben kann, ohne dass sie in einer westlichen Sichtweise gefangen bleibt.

 

Gespräch
carte blanche TLZ

18 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

SCHÄTZE, DIE ZU HEBEN SIND - KIRCHE IN DER DDR

Ilse Junkermann (Leipzig) im Gespräch mit Gerlinde Sommer (Weimar)

Neuansätze kirchlicher Arbeit in der DDR als einer Kirche in der Minderheit sind mit der politischen Wende in den Hintergrund gerückt bzw. fast ganz aus dem Bewusstsein geschwunden. Insbesondere fehlen sie in der heutigen Praktischen Theologie. Wie können sie für Kirche in der Minderheit heute entdeckt und neu ins Gespräch gebracht werden?

 

Film und Gespräch
19 Uhr | Lichthaus Kino Weimar

RENAISSANCEN – REVIVALS – REPRISEN.
VON DER WIEDERKEHR DER DDR-MUSIK UND DER LANGSPIELPLATTE

Jörg Stempel (Berlin) im Gespräch mit Dr. Jens Riederer (Weimar)

Unter den sechs Plattenlabels der DDR war die 1947 gegründete AMIGA (span. Freundin) für die "Tanz- und Unterhaltungsmusik" zuständig. Bei dem für die "leichte Muse" verantwortlichen Label einen Plattenvertrag zu bekommen, konnte ganz schön schwer sein. Doch wie ging das damals überhaupt? Wie konnte man in der DDR eine Single oder LP veröffentlichen? Wer durfte und wer nicht? Und warum hört man hierzulande heute wieder den DDR-Rock von damals, der heute "Ostrock" heißt? Und wieso das Ganze auch noch auf Langspielplatte? Über diese und andere nicht nur musikalischen Fragen gibt der letzte Chef der AMIGA Jörg Stempel freimütig Auskunft.
Vor dem Gespräch wird um 17 Uhr der Film „Solo Sunny“ (DEFA 1980, 102 min) von Konrad Wolf gezeigt.

A B S C H L U S S A B E N D
20 Uhr | Notenbank Weimar
ein Abend im Zeichen der Renaissance mit Diskussion, Musik und Buffet

DIE ZEIT DER RENAISSANCE IN EUROPA

Prof. Dr. Tomasz Torbus (Gdańsk), Prof. Dr. Sabine Frommel (Paris), PD Dr. Arne Karsten (Wuppertal)
Moderation: Fritz von Klinggräff (Genf/Weimar)
Blockflötenconsort des Instituts für Alte Musik der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar

Renaissancen? Renaissance. Zum Abschluss des Festivals schauen wir zurück auf den Anfang. Am Ursprung aller Aufbruchsbewegungen in der Moderne stand die Renaissance, das Credo einer kulturellen und philosophischen Wiedergeburt im Geist der Antike. Sie bedeutet sowohl die Geburt Europas als eines offenen, vielgestaltigen Neuen als auch das Morgenrot des Antropozän, des grenzenlosen Vertrauens des Menschen in sich selbst. Dieser Geisteshaltung beim Übergang des 15. ins 16. Jahrhundert in Italien, Frankreich oder Polen wollen wir in vielerlei ästhetischen Formen nachsinnen.

 

 

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