SAMSTAG 02. NOV 2019

DER EINTRITT IN DIE VERANSTALTUNGEN IST FREI.
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Podium
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

FERNES MITTELALTER ODER EIN SPIEGEL DER GEGENWART?

Dr. Simona Slanicka (Bern), Dr. Nina Gallion (Kiel),
Dr. Julia Seeberger (Erfurt)
Moderation: Prof. Dr. Sabine Schmolinsky (Erfurt)

1978 veröffentlichte die amerikanische Autorin Barbara Tuchman (1912–1989) ihr Buch A Distant Mirror. The Calamitous 14th Century, das zu einem Bestseller wurde. In Deutschland erschien es seit den 1980er Jahren unter dem Titel Der ferne Spiegel. Das dramatische 14. Jahrhundert in mehreren, teils leicht gekürzten Ausgaben und zahlreichen Auflagen. Es soll ein Anlass sein, darüber zu diskutieren, inwieweit frühere, hier mittelalterliche Zeiten ein Spiegel eigener, gegenwärtiger Zeiten und ihrer politischen, sozialen und kulturellen Befindlichkeiten sein können.

 

Vortrag
12 Uhr | Stadtmuseum Weimar

RENAISSANCEN, REVOLUTIONEN UND DER
"NEUE BAU DER ZUKUNFT". 
EIN RÜCKBLICK AUF DIE AVANTGARDE

Prof. Dr. Gerhard Schweppenhäuser (Würzburg)

Für Nietzsche war »Fortschritt […] eine moderne Idee, das heißt eine falsche«. Die künstlerische Moderne berief sich vielfach auf Nietzsche, aber sie »attackierte die Flucht vor den Folgen der gesellschaftlichen Modernisierung in den Traditionalismus« (Detlev Claussen). Heute ist die Moderne alt geworden, und wir wissen: Fortschritt ist kein falsches Konzept, aber ein ambivalentes. Es kann den »rasenden Stillstand« (Paul Virilio) rechtfertigen, aber es kann auch zur solidarischen Arbeit für ein besseres Leben motivieren. Im Vortrag wird es um die Dialektik des ästhetischen Modernismus gehen – um seine Beziehung(en) zur Fortschrittsideologie des 19. und 20. Jahrhunderts und seine Nachwirkungen im 21. Jahrhundert. Stationen der Betrachtung sind u.a: der Futurismus, die Designkonzeption des Bauhauses und neue Lebens- und Kommunikationsformen im digitalisierten Plattformkapitalismus.

 

Podium
13 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

SEHNSUCHT NACH DEM "KOMMUNISMUS"?

Dr. Thomas Ahbe (Leipzig), Dr. Anke Giesen (Berlin), Dr. Nicolas Moll (Sarajevo)
Moderation: Prof. Dr. Rainer Gries (Weimar/Wien)

„ER ist wieder da“ titelte die linke deutsche Wochenzeitung „der Freitag“ unlängst: Karl Marx, sein „Kapital“ und das kommunistische Manifest sind in den vergangenen Jahren bei uns zu Bestsellern avanciert. In den Gesellschaften des westlichen Balkan grassiert seit Jahren eine regelrechte Tito- und Jugo-Nostalgie: die Renaissance von Dingen und Losungen der jugoslawischen Version des Staatssozialismus. Und in Russland feiern nicht nur Lenin und Stalin fröhliche Urständ: die Sowjet-Sehnsucht zeigt sich in vielen Facetten. Und offenbar sind es Menschen aller Generationen, die die großen Führer des Sozialismus und Kommunismus zu ihren Helden machen.
Marx und Lenin, Tito und Stalin: Wir sehen sie als Wiedergänger auf europäischen, insbesondere auf ost- und südosteuropäischen Bühnen agieren. Doch was bedeutet ihr Revival? Welche Bedürfnisse von heute verbergen sich hinter den Fassaden von gestern?

 

Podium
14 Uhr | Stadtmuseum Weimar

DER WIEDERAUFBAU DEUTSCHER STÄDTE NACH 1945

Dr. Rüdiger Schmidt (Münster), Prof. Dr. Gerd Zimmermann (Weimar)
Moderation: Prof. Dr. Armin Owzar (Paris)

Millionen Menschen in Trümmerlandschaften: vertrieben oder auf der Flucht, obdachlos oder in Notunterkünften, traumatisiert und unterernährt. So sehr sich die verwüsteten mitteleuropäischen Städte nach Kriegsende und die damit verbundenen strukturellen Probleme auch ähnelten – die von Architekten, Stadtplanern und Politikern entwickelten Lösungsvorschlage waren mitunter höchst unterschiedlich. Manche wollten die historischen Siedlungsstrukturen so gut es ging bewahren; andere planten eine großzügige Neugestaltung; einige wollten die zerstörte Stadt aufgeben und eine neue Stadt errichten. Von Anfang an spielte bei all diesen Projekten auch die sich anbahnende Systemkonkurrenz zwischen Ost und West eine Rolle. Das ist insofern nachvollziehbar, als Stadtbilder immer auch eine politische Bedeutung haben und jene Vorstellungen zum Ausdruck bringen, die sich eine städtische Gesellschaft von ihrer Geschichte, ihrer Gegenwart und ihrer Zukunft macht. Die Referenten, ausgewiesene Kenner der modernen Stadt, geben einen Überblick über die unterschiedlichen, nach 1945 in Ost- und Westdeutschland diskutierten bzw. realisierten Projekte und thematisieren jene daraus resultierenden Probleme, die bis heute unser alltägliches Leben bestimmen.

Podium
15 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

BRAUCHT DIE PARLAMENTARISCHE DEMOKRATIE EINE ERNEUERUNG?

Prof. Dr. Michael Dreyer (Jena), Dr. Ossip Fürnberg (Jena), Dr. Tim Niendorf (Jena)
Moderation: Dr. Andreas Braune (Jena)

Parlamente sind in repräsentativen Demokratien die wichtigsten Orte der demokratischen Willensbildung und Entscheidungsfindung. Sie bilden den Wählerwillen ab und bringen Regierungen als Kompromiss der Parteien hervor, die die unterschiedlichen Interessen der Wähler artikulieren. Die Mehrheit regiert, aber die Minderheit verfügt über Kontrollmöglichkeiten, die sie der Regierungspolitik entgegenstellen. Trotzdem leiden die Parlamente westlicher Demokratien seit Jahren an einem Ansehensverlust. Populisten inszenieren sich als "wahre" Vertreter des Volkswillens; Polarisierung und unübersichtliche Mehrheiten machen das parlamentarische Regieren zunehmend schwieriger. Dabei ist demokratisches Regieren aber auf gut funktionierende Parlamente angewiesen. Wie könnte eine Revitalisierungskur für die parlamentarische Demokratie aussehen?
Wenige Tage nach dem (geplanten) Brexit und der Thüringer Landtagswahl weiten wir den Blick und diskutieren mit Experten zu den USA, Großbritannien und Deutschland über die Zukunft des Parlamentarismus in Zeiten seiner Anfechtung.

 

Podium
in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora
16 Uhr | Stadtmuseum Weimar

WEITERLEBEN NACH DEM HOLOCAUST?

Dr. Stephan Stach (Warschau), Alexander Walther (Jena), Dr. Aurelia Kalisky (Berlin)
Moderation: Dr. Zofia Wóycicka (Warschau)

Die Diskussion möchte die Bedingungen und die Akteure der frühen Forschung zur Shoah in Frankreich, Polen und Deutschland zum Thema machen. Von besonderem Interesse dabei sind Vergleiche und Transfers zwischen den drei Ländern: Welche Motive trieben diese ForscherInnen an, die überwiegend selbst Überlebende waren? Standen sie in Kontakt und nutzten die Erfahrungen der ForscherInnen in den anderen Staaten? Vor dem Hintergrund des Rahmenthemas Renaissancen ist außerdem zu fragen, welche Langzeitwirkungen die frühen Forschungen für die jeweiligen Länder und möglicherweise auch für die transnationale Forschung zur Shoah haben.

Gespräch
17 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

VON DER (EWIGEN) WIEDERKEHR DER GEWALT

Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma (Hamburg) im Gespräch mit Fritz von Klinggräff (Genf/Weimar)

Gewalt war mal ? Diese Friedenserfahrung der meisten Europäer ab Mitte des 20. Jahrhunderts scheint seit 1989 brüchig zu werden. Von den Balkankriegen in den 1990er Jahren bis zur erneuten Aufrüstunsspirale dieser Tage spricht so manches von einer Rückkehr der Gewalt in unsere Welt. Aber war sie wirklich je aus ihr verschwunden ? Oder wurde sie nur anders legitimiert? Und: In welchen neuen Formen kehrt sie zu uns zurück?

 

Podium
carte blanche G/GESCHICHTE Magazin
19 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

GESCHICHTE MACHT QUOTE:
WARUM DAS PUBLIKUM HISTORISCHE (FILM-)STOFFE SO LIEBT

Prof. Dr. Chris Wahl (Potsdam), Dr. Ilka Brombach (Potsdam)
Moderation: Dr. Christian Pantle (Augsburg)

Zahlreiche Filme, Fernsehserien und Bücher, die in der Vergangenheit spielen, erfreuen sich großer Beliebtheit beim Publikum und bei den Kritikern. Die Spanne reicht von zeithistorischen Stoffen wie dem Ende der DDR in „Good Bye, Lenin!“ bis zu fiktiven mittelalterlichen Welten in „Game of Thrones“. Warum werfen wir so gerne einen Blick zurück? Ist das Weltflucht? Spiegeln wir uns in der Vergangenheit? Kann man diese überhaupt korrekt darstellen? Darüber wird nicht nur diskutiert, es werden auch ausgewählte Szenen aus dem diesjährigen Siegerfilm von „moving history" gezeigt, dem Festival des historischen Films Potsdam.

+ + + INTERVIEW mit Frau Dr. Ilka Brombach, Filmhistorikerin, Festivalleiterin, Geschäftsführerin und Gründungsmitglied des Vereins moving history – Festival des historischen Films Potsdam e.V. + + +

Podium
in Kooperation mit der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft
20 Uhr | Notenbank Weimar

RENAISSANCE EUROPA
(WAS) HÄLT EUROPA NOCH ZUSAMMEN?

Prof. Dr. Etienne François (Berlin), Prof. Dr. Marek Cichocki (Warschau),
Prof. Dr. Teresa Pinheiro (Chemnitz)
Moderation: Prof. Dr. Thomas Serrier (Lille)

 

Europa ist seit Jahrhunderten ein unglaublich reicher Kulturraum, der in der Welt vielfach bewundert wird, selbst fühlt es sich jedoch in einer Krise. Obwohl West-, Mittel-, Ost-, Nord- und Südeuropa heute zunehmend als ein gemeinsamer Raum erlebt werden, scheint Europa von einer Rückkehr der Partikularismen und alter Grenzen bedroht zu sein. Dies hat viel mit dem starken Einfluss der Erinnerungen zu tun: Die verschiedenen sprachlichen und auf einer gemeinsamen Erinnerung und Kultur basierenden Gemeinschaften werden heute eher als trennend denn als verbindend wahrgenommen. Wird Europa zerbröckeln, bevor es überhaupt „richtig“ entstanden ist? Lässt sich seine Geschichte vor dem Hintergrund dieser Unterschiede jemals in eine gemeinsame Erzählung fassen? In Weimar wird das Monumentalwerk "Europa. Die Gegenwart unserer Geschichte" erstmals in deutscher Sprache präsentiert. Mehr als 100 Intellektuelle aus Frankreich, Deutschland, Italien, England, aber auch aus den USA, Indien oder Japan schreiben eine unvergleichliche Geschichte Europas. Der Leser wird mitgenommen auf eine Reise durch Völkerkunde und Archäologie, durch Religion und Politik, durch Kunst und Kochkunst. Noch nie wurde Europa einer solch umfassenden Befragung unterzogen wie in diesem Großwerk.

+ + + INTERVIEW mit Prof. Dr. Serrier + + +

 

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