FREITAG 01. NOV 2019

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E R Ö F F N U N G S V E R A N S T A L T U N G
Lesung + Podiumsdiskussion
18 Uhr | Notenbank Weimar

GESCHICHTE ALS AVANTGARDE

Diskussion u.a. mit Prof. Dr. Martin Sabrow (Potsdam)
Moderation: Fritz von Klinggräff (Genf/Weimar)

Wir müssen wieder Geschichte als Weltgeschichte verstehen. So viel Anti-Populismus muss sein : als intellektuelles Gegengift gegen die Allmacht der verkürzten politischen Rede und den vorschnellen Umschlag von Komplexität in Bilder. „Die Schranken sind durchbrochen, welche Staaten und Nationen in feindseligem Egoismus absonderten. Alle denkenden Köpfe verknüpft jetzt ein weltbürgerliches Band“, jubelt Friedrich Schiller im Revolutionsjahr 1789 anlässlich seiner Jenaer Antrittsvorlesung. Und heute, 230 Jahre später? Alles vorbei? Nein, wir fangen gerade erst an.
Das diesjährige Festival eröffnet mit einer international besetzten Podiumsdiskussion, die sich vor dem Hintergrund der Antrittsrede, die Friedrich Schiller 1789 an der Universitât Jena gehalten hat, mit dem Erstarken von antidemokratischen und populistischen Äußerungen in Europa beschäftigt und dabei die Rolle untersucht, die neue Formen der Kommunikation in diesem Zusammenhang spielen.

Musikalischer Abend
carte blanche Chansonfestival Brassens in Basdorf
20 Uhr | Notenbank Weimar

"TAGE VOLLER HOFFNUNG"

mit Walid Habash (Aleppo/Afrin/Berlin), Ittai Rosenbaum (Jerusalem/Berlin), Isabel Neuenfeldt (Berlin), Corinne Douarre (Paris/Berlin)

Georges Brassens musste von 1943 bis 1944 in Basdorf bei Berlin Zwangsarbeit leisten. Seit 2004 gibt es dort ein Festival, auf dem Künstler aus vielen verschiedenen Ländern aufeinandertreffen und unterschiedliche Sprachen und Kulturen durch die Musik miteinander verbinden, ganz im Sinne der Persönlichkeit, der Philosophie und Weltanschauung seines Namensgebers. Sie erarbeiten das Repertoire von Georges Brassens immer wieder neu und stellen dazu eigene Titel vor.
An diesem Abend singen vier KünstlerInnen des Festivals solo, im Duett oder gemeinsam Lieder des Chansonniers, der sie verbindet. Wie klingt Brassens, wenn Walid Habash zur Melodie von « Saturne » ein arabisches Liebeslied singt? Wie klingen Lieder, die Brassens mit Gitarre und Kontrabass sang, zum freien Akkordeon von Isabel Neuenfeldt, zur geheimnisvollen Autoharp von Corinne Douarre oder zum feinsinnigen Flügel von Ittai Rosenbaum?
Die KünstlerInnen werden aber auch Lieder von Brassens vorstellen, die er mit 22 Jahren im Zwangsarbeiterlager schrieb. Sie wären in Vergessenheit geraten, hätte René Iskin, sein Zimmergenosse und Freund, sie nicht gelernt und nachgesungen. Seit 2018 erklingen diese Lieder während des Festivals auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in Basdorf, nun sind sie auch in Weimar zu hören. Oft sind sie erstaunlich fröhlich und so geht der Titel des Abends auch auf einen Refrain zurück, in dem es heißt: "Die Zeit vergeht und mit ihr gehen die dunklen und traurigen Tage. Dann kommen die Tage voller Hoffnung, sie kommen oft und zahlreich."

Und alle vier KünstlerInnen besingen auch ihre eigene Geschichte und ihre eigenen "Renaissancen":
Die Chansonpoetin Corinne Douarre ist die Tochter eines französischen Zwangsarbeiters, die seit vielen Jahren die Geschichte ihres Vaters musikalisch aufarbeitet. Beim Brassens-Festival engagiert sie sich nicht nur in der Organisation, sondern bringt auf der Suche nach neuen Formen der Erinnerungsarbeit auch neue künstlerische Ideen ein. An diesem Abend stellt sie zudem Lieder vor, die nach einer längeren Abstinenz von der Bühne und einer inspirierenden Reise nach Brasilien entstanden sind.
Altes neu zu erfinden, gehört für Isabel Neuenfeldt beim Singen dazu. Schwellen, Brücken und Wendepunkte sind ihr Element. Auf der Bühne sowieso. Vielleicht aber noch mehr in sehr privatem Rahmen, wie auf Trauerfeiern, wo sie dem Lied, das die Menschen sich von ihr gewünscht haben, eine neue Form gibt und auf diese Weise vorsichtig eine Brücke schlägt zu einer neuen Art der Beziehung zu dem verstorbenen Menschen.
Walid Habash, kurdischer Songwriter, ist 2015 aus Afrin geflohen. Für ihn ist der Blick in die Vergangenheit seiner Musik fast eine Überlebensnotwendigkeit. Wie für Millionen von heutigen Migranten ist seine Musiktradition für ihn ein Anker zur Identität. Jedoch ist es für ihn interessanter, Traditionen immer wieder zu verändern und sie nicht nur zu bewahren. Walid Habash bedient sich der Traditionen seiner Heimat, um sich in der neuen Heimat zu integrieren: mit seinem eigenen kulturellen Gepäck betritt er die Bühne, um das neue Leben zu feiern.
Ganz anders ist die Haltung zur Tradition bei Ittai Rosenbaum. Er ist Pianist und stammt aus Israel Seit 2017 begleitet er Walid Habash, aber seit 1996 produziert er kurdische Musik und orientiert sich nicht an seinen eigenen kulturellen Wurzeln (seine Großeltern immigrierten in den 30er Jahren aus Ost-Preußen und Polen nach Palästina). Lieber bringt er eigene innovative Elemente in die Zusammenarbeit ein und in der Verbindung entsteht etwas Neues, das bisweilen surreale Züge tragen kann.
Wenn Ittai und Walid zusammen auftreten, mischen sich verschiedene Traditionen in Arrangements, die eine bunte Collage bilden und somit ihr neues Leben in Berlin widerspiegeln.

brassens-in-basdorf.info


Corinne Douarre, Foto: pidji-photography

Isabel Neuenfeldt, Foto: K.Bröltz


Walid Habash, Ittai Rosenbaum, Foto: M. Schuster

 

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