SAMSTAG 27. OKT 2018

DURCH EINEN KLICK AUF DIE VERANSTALTUNG ERFAHREN SIE MEHR.

Podium
carte blanche Weimarer Republik e.V.
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

WIEVIEL POPULISMUS BRAUCHT DIE DEMOKRATIE?

Prof. Dr. Karin Priester (Münster), Dr. Istvan Hiller (Budapest)
Moderation: Dr. Andreas Braune (Jena)

In den jüngeren Diskussionen um populistische Bewegungen von links und rechts und angesichts seiner Wahlerfolge in Europa und den USA wird der Populismus oft als Gefahr für die Demokratie dargestellt. Umgekehrt lässt sich aber auch fragen, ob der Populismus nicht die Antwort auf eine Art der Politik ist, die als zu rational, zu bürokratisch und zu 'verkrustet' und 'abgehoben' wahrgenommen wird. Sollte demokratische Politik nicht immer auch ein stückweit populistisch sein, also die Stimmungen und Ansichten in der Bevölkerung ansprechen und widerspiegeln? Umgekehrt gilt aber sicherlich auch: Ein Zuviel an Populismus kann der repräsentativen Demokratie gefährlich werden und die Kompromisssuche erschweren. Braucht eine lebendige Demokratie also eine gewisse Dosis Populismus? Und wenn ja, wo beginnt die Überdosis?

 

Podium
13 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

FASZINATION UND GEWALT
NS-DEUTSCHLAND UND VICHY-FRANKREICH IM VERGLEICH

Prof. Dr. jur. Aurore Gaillet (Toulouse), Prof. Dr. Johann Chapoutot (Paris), Florian Dierl (Nürnberg)
Moderation: Dr. Philipp Neumann-Thein (Weimar)

„Wieder ist es erstaunlich, wie wehrlos alles zusammenbricht“, notierte der Romanist und Politiker Victor Klemperer Anfang 1933 in seinem Tagebuch. Er gehörte zu einer Minderheit in Deutschland, die die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten kritisch wahrnahm. Die neuen Machthaber zerstörten innerhalb kurzer Zeit die Grundlagen der Weimarer Republik – demokratische Gewaltenteilung, Gleichheit vor dem Gesetz, Meinungsfreiheit und alle anderen Bürgerrechte – und propagierten stattdessen die Errichtung einer rassistisch definierten „Volksgemeinschaft“. Bereits nach wenigen Jahren funktionierten Medien, Justiz und staatliche Verwaltungen nur noch in diesem Sinne.
Seit Ende der 1930er Jahre dehnte das nationalsozialistische Deutschland seine Einflusssphäre gewaltsam immer weiter aus. Nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 proklamierte die neue, nunmehr in Vichy ansässige französische Regierung eine „Révolution nationale“ und wendete sich von den Prinzipien der Französischen Revolution und der aus ihr gewachsenen republikanischen Tradition ab. Ihre konservativ-autoritäre Politik drückte sich unter anderem in scharfer Pressezensur, Unterdrückung der Opposition und rassistischen Gesetzen und Maßnahmen aus, bis hin zu Deportationen von Juden in die deutschen Vernichtungslager.
Das Podium fragt nach Hintergründen und Mechanismen für die damalige Verführung der Massen, deren spätere Mobilisierung und ihren Widerstand gegen diese Entwicklung in Deutschland und Frankreich.

 

Film und Gespräch
14 Uhr | Notenbank Weimar

ALLES FÜR MEINEN VATER

Film von Dror Zahavi, D/ISR 2008, 100 Min.
Petra Sawadogo (Erfurt) im Gespräch mit Dror Zahavi

Um die Ehre seines Vaters zu retten, wird der Palästinenser Tarek zum Selbstmordattentäter und mit einer Sprengstoffweste und einer Splitterbombe ausgerüstet. Die Weste kann er nicht mehr ablegen, ohne sie zur Explosion zu bringen. Als Tarek auf dem Marktplatz in Tel Aviv die Bombe zünden will, ist jedoch der Schalter des Zündmechanismus defekt. Er bestellt im Elektroladen des Juden Katz einen neuen Schalter, auf den er aber 36 Stunden warten muss. Tarek lernt in dieser Zeit die hübsche Kioskbesitzerin Keren kennen, eine rebellische Jüdin. Tarek und Keren verlieben sich ineinander und verbringen eine romantische Nacht am Strand. Dann macht sich Tarek (nun mit dem reparierten Zündmechanismus) auf den Weg zum Marktplatz. Dort wird er von Sicherheitskräften erschossen, die Weste wird von einer Kugel getroffen und explodiert. Menschen werden jedoch nicht getötet, da Tarek am Strand die Nägel aus der Bombe entfernt hatte. Als Keren am Strand aufwacht, entdeckt sie die Nägel im Sand, einen zum Ring gebogenen Nagel an ihrem Finger und hört die Schüsse.

 

moderiertes Gespräch
carte blanche tlz
15 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

BRAUCHT DIE DEMOKRATIE EIN NEUES GRUNDGESETZ?
EIN GESPRÄCH ÜBER DIE ZUKUNFT UNSERER DEMOKRATISCHEN VERFASSTHEIT

Dr. Holger Poppenhäger (Erfurt), Prof. Dr. Olivier Jouanjan (Paris) im Gespräch mit Gerlinde Sommer (Weimar)

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ (Art. 1, GG). Lange Zeit schien es Grundkonsens zu sein, dass Demokratie und Grundrechte Hand in Hand gehen und ein zu bewahrendes, hohes Gut sind. In den vergangenen Jahren sind in Deutschland wie in Frankreich politische Kräfte erstarkt, die zuweilen eine Änderung der Verfassung bzw. des deutschen Grundgesetzes fordern. Ihr Argument ist dabei stets die Erhaltung der Demokratie. Aber ist dem wirklich so? Braucht unser Grundgesetz oder die französische Verfassung einen Schutz vor dem Erstarken politischer Kräfte, die eine andere Grundauffassung haben als die bisher gelebte freiheitlich-demokratische? Wie muss ein Grundgesetz, eine Verfassung gebaut sein, damit sie den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen unserer Demokratie standhält? Carlo Schmitt setzte 1948 ein Zeichen, als er sagte: „Man muss auch den Mut zur Intoleranz denen gegenüber aufbringen, die die Demokratie gebrauchen wollen, um sie umzubringen.“ Aber wie viel Toleranz ist gesund? Wie viel Intoleranz lässt das Grundgesetz zu, wenn es um die Rettung der Demokratie geht? Ein Gespräch mit deutschen und französischen Juristen über die Zukunft unserer demokratischen Verfasstheit.

 

Gespräch
16 Uhr | Stadtmuseum Weimar

PROPAGANDA IM DREISSIGJÄHRIGEN KRIEG

Prof. Dr. Georg Schmidt (Jena), Dr. Christian Pantle (Augsburg)

Der Prager Fenstersturz, die deutsche Freiheit, das Massaker von Magdeburg, der Schwedeneinfall, die Ermordung Wallensteins, der Westfälische Friede: Das sind nur einige der berühmten Schlagwörter, die bis in die jüngste Zeit ganz unterschiedliche Bewertungen erfahren haben. Der Kampf um die Deutungshoheit begann schon früh und begleitete die Kriegsereignisse von 1618 bis 1648: Zeitungen und Flugblätter in bis dahin ungekannter Zahl legten den Zeitgenossen die protestantische oder katholische Sicht nahe. Manche Forscher sprechen heute sogar von einem Propagandakrieg.
Trifft das wirklich zu? Was bezweckten die Karikaturen, Schmähschriften und Unterstellungen an die Gegenseite? Und wie beeinflussen sie immer noch unser Bild der damaligen Geschehnisse? Die Antworten darauf sind auch Annäherungen an die umfassende Frage, wie der Dreißigjährige Krieg zur Urkatastrophe, zum Trauma und schließlich zum Mythos wurde.

 

Podium
17 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

„UNS LANGT’S JETZT HIER.“
TOTALVERWEIGERUNG IN ITALIEN, WEST- UND OST-DEUTSCHLAND IN DEN 1960ER UND 1970ER JAHREN

PD Dr. Dr. Massimiliano Livi (Trier), Dr. Paul Kaiser (Dresden)
Moderation: Prof. Dr. Armin Owzar (Paris)

Hippies, Freaks und Stadtindianer, Bohémiens, Autonome und Punks – zu wohl kaum einer Zeit suchten vor allem junge Menschen den Ausstieg aus der Gesellschaft wie in den späten 1960er und 1970er Jahren. Nicht immer verfolgten die in alternativen Milieus organisierten Aussteiger konkrete politische oder gesamtgesellschaftliche Ziele – und nicht alle der von ihnen propagierten politischen Konzepte ließen sich im linken Spektrum verorten. Grundsätzlich aber beanspruchten sie für sich das Recht, ein alternatives Leben jenseits der bestehenden Strukturen führen zu können. Die Podiumsdiskussion wird das breite Spektrum an europäischen Alternativkulturen in den 1960er und 1970er Jahren am Beispiel Italiens, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR darstellen und danach fragen, ob es gelang, das Phänomen Totalverweigerung in die bestehenden Strukturen zu reintegrieren und welche Anpassungsprozesse damit auf beiden Seiten verbunden waren.

 

Podium
carte blanche Weimarer Republik e.V.
18 Uhr | Stadtmuseum Weimar

VERFÜHREN ODER ÜBERZEUGEN?
WAHLKÄMPFE UND WAHLWERBUNG

Wahlkämpfe verkörpern den politischen Diskurs in demokratischen Gesellschaften und garantieren zugleich den friedlich geführten Kampf um politische Macht und Einfluss. Sie bilden ab, welche Fragen die Menschen bewegen und wie sich die verschiedenen Lager zu den drängenden Themen positionieren. So zeugen Wahlplakate, Programme und Reden der 1920er und 1930er Jahre, in der politisch so umkämpften und polarisierten Zwischenkriegszeit in Europa, von dem zugespitzten Wettbewerb um die Gunst der Wähler. Wenn sich die Methoden auch unterschieden, so versuchten Radikale des rechten und des linken Spektrums doch, die Wählerschaft ebenso eindringlich von ihren Positionen zu überzeugen, wie die Parteien der Mitte.

 

Vortrag und moderiertes Gespräch
in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin Filiale Leipzig
19 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

WARSCHAUER PUNK PAKT
PUNK IM OSTBLOCK 1977-1989

Alexander Pehlemann (Leipzig)

"Punk ist für mich nicht nur Punkrock. Punk ist für mich eine Haltung und die kann sich ästhetisch auch auf ganz verschiedene Weisen ausdrücken." (Pehlemann)
"I wanna go over the Berlin Wall", sang Johnny Rotten im Sex-Pistols-Hit "Holidays in the Sun". Als der Song erschien, war Punk längst durch den Eisernen Vorhang gesickert, fast zeitgleich markierte die slowenische Band Pankrti mit ihrer ersten Show den Durchbruch von Punk in der sozialistischen Öffentlichkeit. Im gleichen Jahr gründeten sich in Ungarn die Konzept-Kunst-Band Spions sowie in Polen die Walek Dzedzej Pank Bend und KSU.
Wir begeben uns auf eine Entdeckungsreise in diese zumeist relativ unbekannte Subkultur und fragen nach dem darin liegenden Potential an widerständischer Haltung.

 

 

FREITAG 26. OKT
SAMSTAG 27. OKT

SONNTAG 28. OKT

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