SONNTAG 12. NOV 2017

Podium
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

DEMOKRATIE 20.17
SELBSTREINIGUNG ODER SELBSTZERSTÖRUNG?

Dr. Radosław Marek Buraczyński (Dresden), NN, Dr. Jörn Retterath (München angefragt), Prof. Dr. Michael Dreyer (Jena)
Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)

Man hört es von den Dächern pfeifen: Die westliche Demokratie ist in der Krise. Doch fällt die Diagnose schwer. Kranken wir an der allgemeinen Undurchschaubarkeit der Verhältnisse, der Globalisierung oder einer umfassenden Eliten- und Staatsverdrossenheit? Hat „das Volk“ „die Politik“ aus den Augen verloren oder diese ihr Gegenüber, die Gesellschaft? Wie aber erreichen wir eine neue Augenhöhe zwischen allen politisch Verantwortlichen, mündigen Bürgern und den in der Tat hoch problematischen Verhältnissen unserer Zeit? Sind Trump, Macron, Orban und Merkel „alternativlos“? Oder „schaffen wir das?“

Podium
12 Uhr | Stadtmuseum Weimar
in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

AUF AUGENHÖHE MIT RUSSLAND? VON HISTORISCHER VERANTWORTUNG UND WIRTSCHAFTLICHEN BEZIEHUNGEN

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich vielschichtige Verbindungen der Kulturstadt Weimar zu Russland. Entscheidend dabei war die Heirat der Großfürstin von Russland Maria Pawlowna mit Erbprinzen Carl Friedrich von Sachsen-Weimar, womit sich das kleine, relativ unbedeutende und dazu noch verarmte Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach mit Russland und seiner Zarendynastie verbündete. Nach der Reichsgründung 1871 zentralisierte sich die politische Landschaft unter Führung Preußens. Über beide Weltkriege hinweg war das Schicksal beider Nationen nun auf tragische Weise miteinander eng verbunden. Nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus folgte die Teilung Deutschlands und Weimar wurde ein großer Standort sowjetischer Streitkräfte. Mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" mussten das nun wiedervereinte Deutschland und die damalige Sowjetunion ihren Platz in einer sich neu ordnenden Welt finden. Neben den oben genannten historischen Schnittmengen, untersuchen wir auch die wirtschaftlichen Konsequenzen des Embargos der EU für Thüringen und Russland.

 

Podium
13 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

ÄRGER MIT DEM NACHBARN

Prof. Dr. Dirk van Laak (Leipzig), Dr. Emmanuel Droit (Saarbrücken)
Moderation: Prof. Dr. Matthias Middell (Leipzig)

Die Metapher des Nachbarn lädt zum Nachdenken über Nähe und Distanz ein. Was tun, wenn neue Nachbarn einziehen und die Hausordnung mitbestimmen wollen und was tun, wenn bisher eigentlich ganz nette Nachbarn den Neueingezogenen auf eine Weise begegnen, die einem mindestens peinlich ist? Soll man sich dann beschweren oder um des lieben Hausfriedens willen schweigen? Soll man für sich selbst einen Grad an Ärger definieren, den man noch tolerieren will oder muss man gleich am Anfang 'durchgreifen'?
Deutschland hat 2015 wieder einmal eine solche Situation erlebt, neue Bewohner sind zugezogen, andere behaupten den bevorstehenden Untergang der Hausgemeinschaft. Wie soll man diesem Ärger mit den Nachbarn begegnen? Ein Blick zurück in die Geschichte des Hauses kann helfen, weil es ja  manchmal schon beruhigt zu wissen, dass dies gar nicht die erste Krise ihrer Art ist und wir bereits Erfahrungen haben, auf die wir eventuell zurückgreifen können. Daneben wollen wir uns die neue Hausgemeinschaft genauer anschauen, um herauszubekommen, warum gerade jetzt der Ärger mit den Nachbarn überhand zu nehmen scheint.

 

Vortrag
14 Uhr | Stadtmuseum Weimar

NICHT AUF AUGENHÖHE: WIE EUROPA SICH DIE MUSLIMISCHE WELT ENTFREMDETE

Prof. Dr. Birgit Schäbler (Erfurt)

Europa und die muslimische Welt verbindet eine lange, wechselvolle Beziehung. Johann Wolfgang von Goethe sprach 1819 im West-östlichen Diwan davon, dass Orient und Okzident "nicht mehr zu trennen" seien. Er war fasziniert vom Orient. Die Gelehrten und neuen Intellektuellen des Orients zog es hingegen vor allem nach Paris, die Stadt des Lichts, die im ausgehenden 19. Jahrhundert eine besondere Rolle in der gemeinsamen Geschichte von Orient und Okzident spielt. Hier nahm in den 1880er Jahren  eine denkwürdige Debatte über den Islam ihren Ausgang, deren langen Schatten wir noch heute spüren. Ernest  Renan, der als einer der größten Gelehrten seiner Zeit galt, hielt an der Sorbonne einen Vortrag, in dem er dem Islam und den Muslimen absprach, wissenschafts-, und damit zukunftsfähig zu sein. Empört griffen muslimische Intellektuelle und Gelehrte von Istanbul bis Indien zur Feder, um seine Thesen zurück zu weisen. Ihre Antworten zeigen, wie der moderne Islam entstand – in einer Auseinandersetzung mit Europa.

Podium
15 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

WIE HAST DU’S MIT DER RELIGION?
DIE GESCHICHTE INTERRELIGIÖSER BEZIEHUNGEN

Prof. Dr. Hartmut Zinser (Berlin), Prof. Dr. Jörg Rüpke (Erfurt), Lutz Klevemann (NN)
Moderation: Dr. Ulrike Ludwig (Erlangen-Nürnberg)

Welche Religionen zu Deutschland gehören, wurde in den vergangenen Jahren in den Medien, an den Stamm- und Küchentischen ausgiebig diskutiert; ironischerweise auch von Atheisten. Doch wurde dabei eigentlich gefragt, in welcher Beziehung Christentum, Judentum und Islam spirituell und kulturell zueinander stehen und standen? Wann haben die Religionen konfliktreich zueinander gestanden, wann in friedlicher Koexistenz nebeneinander oder in regem Austausch miteinander? Aus welchen historischen Erfahrungen können wir produktive Schlüsse für unsere Gegenwart ziehen? Wir bringen Religions- und KulturwissenschaftlerInnen an einen Tisch und wollen der Frage nachgehen, wie sich die Weltreligionen von der Antike bis zur Gegenwart zueinander verhalten haben und in welches Beziehungsgeflecht sie einzuordnen sind. Dabei weiten wir den Blick nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich und schauen nach West- und Osteuropa gleichermaßen.

Podium
16 Uhr | Stadtmuseum Weimar

FREMDE ODER FREUNDE?
DIE DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN BEZIEHUNGEN IM 19. UND 20. JAHRHUNDERT

Prof. Dr. Jörg Requate (Kassel), Prof. Dr. Nicole Colin (Aix-Marseille)
Moderation: Prof. Dr. Armin Owzar (Paris)

Es hat sich diesseits wie jenseits des Rheins eingebürgert, die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen als lineare Erfolgsgeschichte zu erzählen: als ein Verhältnis, das bis 1945 durch eine sog. Erbfeindschaft geprägt war und erst lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges, nach einem Jahrzehnte in Anspruch nehmenden Prozess der Verständigung, Annäherung und Aussöhnung, in eine gleichberechtigte Partnerschaft mündete. Tatsächlich war das deutsch-französische Verhältnis seit der Revolutionszeit von zahlreichen militärischen Konflikten überschattet: von den bis 1815 andauernden napoleonischen Kriegen, dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71, dem Ersten und dann dem Zweiten Weltkrieg. Nichtsdestoweniger gab es immer auch friedliche Phasen, Zeiten des gegenseitigen Austausches, der Verflechtung und der Kooperation – so wie auch nach 1949 die Beziehungen zwischen Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland (bzw. der DDR) keineswegs immer frei von Spannungen und Entfremdungen waren. Dieses komplexe und höchst abwechslungsreiche Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen soll von den Referenten, zwei ausgewiesenen Experten der deutschen und französischen Geschichte und Kultur, auf anschauliche Weise analysiert und diskutiert werden.

Podium
17 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

REVOLUTION – TRAUM, TERROR UND ERNÜCHTERUNG
BLICKE AUF 1789, 1917, 1989 – UND NACH VORN

Prof. Dr. Jörg Barberowski (Berlin), Dr. Bérénice Zunino (Besançon), Frank Richter (Dresden angefragt)
Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)

Die sprichwörtliche „Flamme der Revolution“ kann ein Zeitalter erhellen, die Massen befeuern – und manchmal diejenigen verbrennen, die sie angezündet haben. Wir schauen – nach der iranischen, orangenen und arabischen Revolution – wiederum ernüchtert auf die Weltrevolutionen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, träumen jedoch weiter davon, dass man (schlechte) Verhältnisse zum Tanzen bringen kann. Sind wir auf Augenhöhe mit den Revolutionären von gestern oder schauen wir auf sie herab, vielleicht gar zu ihnen auf?

 

Gespräch
19 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

GRENZENLOS - ZU KURZ GEDACHT?
DEUTSCH-ISRAELISCHE BEZIEHUNGEN IM KONTEXT VON EUROPA UND NAHOST

Daniel Gaede (Weimar) im Gespräch mit Prof. Dr. Moshe Zimmermann (Jerusalem)

Grenzen trennen, können aber auch Eigenes schützen, ohne andere zu gefährden: Das gilt im Privaten wie in Gesellschaften und Staaten. Doch wer zog in Europa und dem Nahen Osten die Grenzlinien über die Landkarten - und warum? Wer definiert die Kategorien, die Menschen auch gegen ihren Willen trennen? "Deutsche", "Juden", "Israelis", "Syrer", "Palästinenser", "Christen", "Muslime" in "Europa" und dem "Nahen Osten": Erst historischer Tiefgang und politische Weitsicht ermöglichen die Überwindung von Kategorien, die Konflikte und Kriege weiter fördern, anstatt sie zu beenden. Für diesen erweiterten Horizont ist es notwendig, zeitlich zumindest die letzten 100 Jahre in den Blick zu nehmen und geografisch neben Europa das alte osmanische Reich und Nordafrika einzubeziehen. Ist das zu weit ausgeholt? Wohl kaum: "Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen", schrieb Goethe vor bald 200 Jahren 1819 im "west-östlichen Divan".

 

FREITAG 10.11. NOV
SAMSTAG 11.11. NOV
SONNTAG 12.11. NOV