SONNTAG 12. NOV 2017

Podium
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar
in Kooperation mit dem Weimarer Repubik e.V.

DEMOKRATIE 20.17
SELBSTREINIGUNG ODER SELBSTZERSTÖRUNG?

Dr. Radosław Marek Buraczyński (Dresden), Prof. Dr. Catherine Colliot-Thélène (Rennes), Prof. Dr. Jörg Nagler (Jena)
Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)

Man hört es von den Dächern pfeifen: Die westliche Demokratie ist in der Krise. Doch fällt die Diagnose schwer. Kranken wir an der allgemeinen Undurchschaubarkeit der Verhältnisse, der Globalisierung oder einer umfassenden Eliten- und Staatsverdrossenheit? Hat „das Volk“ „die Politik“ aus den Augen verloren oder diese ihr Gegenüber, die Gesellschaft? Erleben wir gerade Verhältnisse, wie jene am Ende der Weimarer Republik, als die Demokratie stückweise aufgegeben wurde? Wie aber erreichen wir eine neue Augenhöhe zwischen allen politisch Verantwortlichen, mündigen Bürgern und den in der Tat hoch problematischen Verhältnissen unserer Zeit? Sind Trump, Macron, Orban und Merkel „alternativlos“? Oder „schaffen wir das?“

Podium
12 Uhr | Stadtmuseum Weimar
in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

WEIMAR – THÜRINGEN – RUSSLAND
HISTORISCHE VERANTWORTUNG UND WIRTSCHAFTLICHE BEZIEHUNGEN

Thomas L. Kemmerich (Erfurt), Prof. Dr. Ekaterina Dmitriewa (Freiburg/Moskau), Dr. Falk Bomsdorf (München)
Moderation: Dietmar Grosser (Erfurt)

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich vielschichtige Verbindungen der Kulturstadt Weimar zu Russland. Entscheidend dabei war die Heirat der Großfürstin von Russland, Maria Pawlowna, mit Erbprinz Carl Friedrich von Sachsen-Weimar, womit sich das kleine, relativ unbedeutende und dazu noch verarmte Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach mit Russland und seiner Zarendynastie verbündete. Nach der Reichsgründung 1871 zentralisierte sich die politische Landschaft unter Führung Preußens. Über beide Weltkriege hinweg war das Schicksal beider Nationen nun auf tragische Weise eng miteinander verbunden. Nach der Zerschlagung des Nationalsozialismus wurde Weimar ein großer Standort sowjetischer Streitkräfte. Mit dem Fall des "Eisernen Vorhangs" mussten das nun wiedervereinte Deutschland und die damalige Sowjetunion ihren Platz in einer sich neu ordnenden Welt finden. Neben den historischen Schnittmengen, untersuchen wir auch die wirtschaftlichen Konsequenzen des Embargos der EU für Thüringen und Russland und wollen das Für und Wider dieser Sanktionen abwägen.

 

Podium
13 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

ÄRGER MIT DEM NACHBARN

Prof. Dr. Dirk van Laak (Leipzig), Dr. Emmanuel Droit (Straßburg)
Moderation: Prof. Dr. Matthias Middell (Leipzig)

Die Metapher des Nachbarn lädt zum Nachdenken über Nähe und Distanz ein. Was tun, wenn neue Nachbarn einziehen und die Hausordnung mitbestimmen wollen? Was tun, wenn bisher eigentlich ganz nette Nachbarn den Neueingezogenen auf eine Weise begegnen, die einem mindestens peinlich ist? Soll man sich dann beschweren oder um des lieben Hausfriedens willen schweigen? Soll man für sich selbst einen Grad an Ärger definieren, den man noch tolerieren will oder muss man gleich am Anfang 'durchgreifen'?
Deutschland hat 2015 eine solche Situation erlebt, neue Bewohner sind zugezogen, andere behaupten den bevorstehenden Untergang der Hausgemeinschaft. Wie soll man diesem Ärger mit den Nachbarn begegnen? Ein Blick zurück in die Geschichte des Hauses kann helfen, weil es ja manchmal schon beruhigt zu wissen, dass dies gar nicht die erste Krise ihrer Art ist und wir bereits Erfahrungen haben, auf die wir eventuell zurückgreifen können. Daneben wollen wir uns die neue Hausgemeinschaft genauer anschauen, um herauszubekommen, warum gerade jetzt der Ärger mit den Nachbarn überhand zu nehmen scheint.

 

Film
13 Uhr | Kino mon ami

DIE GROßE ILLUSION

F 1937, 120 min, OmdU
Regie: Jean Renoir
mit einer Einführung von Jean-Marie Génard (Blois)

Zwei französische Soldaten geraten im Ersten Weltkrieg in einer Festung in Kriegsgefangenschaft, die von dem aristokratischen Major von Rauffenstein kommandiert wird. Obwohl die Gefangenen hier sehr gut behandelt werden, schmieden sie Fluchtpläne. Zwischen dem einen - adligen - französischen Soldaten und dem deutschen Kommandanten entwickelt sich eine Freundschaft, weil sie trotz der Feindschaft ihrer Länder ein ähnliches Schicksal teilen. Schon bald sind militärische Pflicht und universelle Menschlichkeit nicht mehr vereinbar
Renoirs Film gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte. Er wurde 1937 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet und 1939 für einen Oscar in der Kategorie "Bester Film" nominiert.

 

Vortrag
14 Uhr | Stadtmuseum Weimar

WIE EUROPA SICH DIE MUSLIMISCHE WELT ENTFREMDETE

Prof. Dr. Birgit Schäbler (Beirut)
die anschließende Diskussion moderiert Prof. Dr. Susanne Rau (Erfurt)

Europa und die muslimische Welt verbindet eine lange, wechselvolle Beziehung. Johann Wolfgang von Goethe sprach 1819 im West-östlichen Diwan davon, dass Orient und Okzident "nicht mehr zu trennen" seien. Er war fasziniert vom Orient. Die Gelehrten und neuen Intellektuellen des Orients zog es hingegen vor allem nach Paris, in die Stadt des Lichts, die im ausgehenden 19. Jahrhundert eine besondere Rolle in der gemeinsamen Geschichte von Orient und Okzident spielte. Hier nahm in den 1880er Jahren eine denkwürdige Debatte über den Islam ihren Ausgang, deren langen Schatten wir noch heute spüren. Ernest Renan, der als einer der größten Gelehrten seiner Zeit galt, hielt an der Sorbonne einen Vortrag, in dem er dem Islam und den Muslimen absprach, wissenschafts-, und damit zukunftsfähig zu sein. Empört griffen muslimische Intellektuelle und Gelehrte von Istanbul bis Indien zur Feder, um seine Thesen zurück zu weisen. Ihre Antworten zeigen, wie der moderne Islam entstand – in einer Auseinandersetzung mit Europa.

Podium
15 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

WIE HAST DU’S MIT DER RELIGION?
DIE GESCHICHTE INTERRELIGIÖSER BEZIEHUNGEN

Prof. Dr. Hartmut Zinser (Berlin), Prof. Dr. Jörg Rüpke (Erfurt),
Lutz Kleveman (Budapest)
Moderation: Dr. Ulrike Ludwig (Erlangen-Nürnberg)

Welche Religionen zu Deutschland gehören, wurde in den vergangenen Jahren in den Medien, an den Stamm- und Küchentischen ausgiebig diskutiert; ironischerweise auch von Atheisten. Doch wurde dabei eigentlich gefragt, in welcher Beziehung Christentum, Judentum und Islam spirituell und kulturell zueinander stehen und standen? Wann waren die Beziehungen der Religionen untereinander konfliktreich, wann friedlich oder ein reger Austausch miteinander? Aus welchen historischen Erfahrungen können wir produktive Schlüsse für unsere Gegenwart ziehen? Wir wollen der Frage nachgehen, wie sich die Weltreligionen von der Antike bis zur Gegenwart zueinander verhalten haben und in welches Beziehungsgeflecht sie einzuordnen sind. Dabei weiten wir den Blick nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich und schauen nach West- und Osteuropa gleichermaßen.

Film
15h30 Uhr | Kino mon ami
in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin/Filiale Leipzig

HISZPANKA / SPANISCHE GRIPPE

Geschichtsphantasie, Pl 2015, 121 min, OmdU
Regie: Łukasz Barczyk

mit einer Einführung von Bernd Karwen (Leipzig)

Barczyks Geschichtsphantasie erzählt über eine Episode kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, den sogenannten Posener Aufstand 1919, in der eine Gruppe spirituell hochbegabter Verschwörer versucht, mit metaphysischen Hilfsmitteln den Meisterpianisten und künftigen polnischen Ministerpräsidenten Ignacy Jan Paderewski aus dem Ausland zurück zu lotsen. Dummerweise steht ihnen auf der deutschen Gegenseite in Gestalt des zwielichtigen Mediums Doktor M. Abuse ein nicht minder begabter Schurke gegenüber. Mit diversen Tricks versuchen beide Seiten, einander auszuhebeln und damit dem Lauf der Geschichte in ihrem Interesse auf die Sprünge zu helfen. Auf der Leinwand entspinnt sich eine außergewöhnlich opulente Steam-Punk-Version der Geschichte, die mit verwegenen Kamerafahrten, aufwändigen Tricks und liebevollen Details in Ausstattung, Kostümen und Architektur dem Geist einer Epoche Leben einhaucht. Auch dem Film der Zwischenkriegszeit wird hemmungslos gehuldigt, allen voran dem deutsch-amerikanischen Meister der Leinwandverschwörung Fritz Lang.

 

Podium
16 Uhr | Stadtmuseum Weimar

FREMDE ODER FREUNDE?
DIE DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN BEZIEHUNGEN IM
19. UND 20. JAHRHUNDERT

Prof. Dr. Jörg Requate (Kassel), Prof. Dr. Nicole Colin (Aix-Marseille)
Moderation: Prof. Dr. Armin Owzar (Paris)

Es hat sich diesseits wie jenseits des Rheins eingebürgert, die Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen als lineare Erfolgsgeschichte zu erzählen: als ein Verhältnis, das bis 1945 durch eine sog. Erbfeindschaft geprägt war und erst lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges, nach Jahrzehnten der Verständigung, Annäherung und Aussöhnung, in eine gleichberechtigte Partnerschaft mündete. Tatsächlich war das deutsch-französische Verhältnis seit der Revolutionszeit von zahlreichen militärischen Konflikten überschattet. Nichtsdestoweniger gab es immer auch friedliche Phasen, Zeiten des gegenseitigen Austausches, der Verflechtung und der Kooperation Dieses komplexe und höchst abwechslungsreiche Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen soll auf anschauliche Weise analysiert und diskutiert werden.

Podium
17 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

REVOLUTIONEN UND GESELLSCHAFTLICHE UMWÄLZUNGEN –
TRAUM, TERROR UND ERNÜCHTERUNG

Prof. Dr. Jörg Barberowski (Berlin), Dr. Bérénice Zunino (Besançon), Frank Richter (Dresden)
Moderation: Dr. Justus H. Ulbricht (Dresden)

Die sprichwörtliche „Flamme der Revolution“ kann ein Zeitalter erhellen, die Massen befeuern – und manchmal diejenigen verbrennen, die sie angezündet haben. Wir schauen – nach der iranischen, orangenen und arabischen Revolution – wiederum ernüchtert auf die Weltrevolutionen des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, träumen jedoch weiter davon, dass man (schlechte) Verhältnisse zum Tanzen bringen kann. Sind wir auf Augenhöhe mit den Revolutionären von gestern oder schauen wir auf sie herab, vielleicht gar zu ihnen auf?

 

Gespräch
19 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

GRENZENLOS - ZU KURZ GEDACHT?
DEUTSCH-ISRAELISCHE BEZIEHUNGEN IM KONTEXT VON EUROPA UND NAHOST

Daniel Gaede (Weimar) im Gespräch mit Prof. Dr. Moshe Zimmermann (Jerusalem)

Grenzen trennen, können aber auch Eigenes schützen, ohne andere zu gefährden: Das gilt im Privaten wie in Gesellschaften und Staaten. Doch wer zog in Europa und dem Nahen Osten die Grenzlinien über die Landkarten - und warum? Wer definiert die Kategorien, die Menschen auch gegen ihren Willen trennen? "Deutsche", "Juden", "Israelis", "Syrer", "Palästinenser", "Christen", "Muslime" in "Europa" und dem "Nahen Osten": Erst historischer Tiefgang und politische Weitsicht ermöglichen die Überwindung von Kategorien, die Konflikte und Kriege weiter fördern, anstatt sie zu beenden. Für diesen erweiterten Horizont ist es notwendig, zeitlich zumindest die letzten 100 Jahre in den Blick zu nehmen und geografisch neben Europa das alte osmanische Reich und Nordafrika einzubeziehen.

Stéphane Hessel zum 100. Geburtstag
20 Uhr | Notenbank Weimar
in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

WIEVIEL SCHEITERN VERTRÄGT DIE HOFFNUNG?
"Ô MA MÉMOIRE. GEDICHTE, DIE MIR UNENTBEHRLICH SIND"

Dr. Michael Kogon (Füllinsdorf, Schweiz), NN
Moderation: Fritz von Klinggräff (Genf)
Mitwirkende: Regine und Detlef Heintze lesen die von Dr. Michael Kogon ausgewählten Gedichte von Stéphane Hessel, Silke Gonska (Gesang) & Frieder W. Bergner (Tuba, Posaune), Jugendchor der schola cantorum weimar (Leitung: Cordula Fischer)

Gedichte haben Stéphane Hessel geholfen zu leben, zu überleben, zutiefst menschlich zu sein und damit auch dem Mitmenschen Hoffnung zu geben. Die unzähligen Gedichte, die er auswendig kannte und die einen festen Platz in seinem Gedächtnis hatten, gewähren uns Einblick nicht nur in Hessels Leben, sondern auch in seine Persönlichkeit. Kämpfer, Diplomat, Optimist, Liebhaber der Poesie, Philosoph, Philanthrop – das scheinen sehr verschiedene Persönlichkeitsbilder zu sein. Stéphane Hessel liebte die Freiheit und die Gerechtigkeit, die Vermittlung und den Frieden, die Poesie, die Weisheit, den Menschen, die Schöpfung. Sie alle sind Nuancen einer einzigen Wirklichkeit: der Liebe zum Leben. Und die Liebe zu allen Facetten des Lebens hat Stéphane Hessel so wirkungsmächtig gemacht. Er bleibt uns als Vorbild in Erinnerung, als großer Mahner und als der „Mann des Lächelns“, der seinem Nächsten Zuwendung, Interesse und Respekt signalisiert.

 

 

MITTWOCH 8. NOV
DONNERSTAG 9. NOV
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