SAMSTAG 11. NOV 2017

Podium
10 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

DAS WEIMARER DREIECK: VERSÖHNUNG ALS AUFGABE
ODER DAS ENDE DES VERSÖHNUNGSZEITALTERS?

Dr. Kazimierz Wóycicki (Warschau), Prof. Dr. Corine Defrance (Paris),
Dr. Gunter Hofmann (Berlin)
Moderation: Dr. Katarzyna Woniak (Berlin)

Konflikte und Kriege haben immer ihre Nachgeschichte, die entweder neue Kriege bringt oder in einer Versöhnung mündet. Je schmerzhafter die Vergangenheit, desto langwieriger der Weg zur Versöhnung. Und desto intensiver die Arbeit auf gesellschaftlicher und politischer Ebene, um die langen Schatten der Vergangenheit verschwinden zu lassen. Die Nachkriegsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen sowie Deutschland und Frankreich lassen sich deshalb auch als eine Versöhnungsgeschichte auffassen. Doch zeigen die beiden eingeschlagenen Wege deutliche Unterschiede. Das Podium will einerseits die Formen der Versöhnungsbemühungen in den drei Ländern nachzeichnen und sich auf der andere Seite kritisch mit einzelnen politischen Aktivitäten auf diesem Feld auseinandersetzen. Schließlich gilt es ganz aktuell nach der Nachhaltigkeit zu fragen: Versöhnung als Daueraufgabe oder das Ende des Versöhnungszeitalters?

Podium
11 Uhr | Stadtmuseum Weimar
carte blanche Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
in Kooperation mit
dem Weimarer Repubik e.V.

„BUBIKOPF UND KURZE RÖCKE“
FRAUENRECHTE VON DER WEIMARER VERFASSUNG BIS HEUTE

Dr. Jürgen Frölich (Gummersbach), Dr. Kerstin Wolff (Kassel), Jan Fleischhauer (München), Katrin Christ-Eisenwinder (Erfurt)
Moderation: Hartmut Kaczmarek (Weimar)

Die Weimarer Republik brachte zwar das lang ersehnte Frauenwahlrecht, aber trotz dieses Erfolges folgten keine rosigen Zeiten für die Frauenbewegung. Der Nachwuchs blieb aus und die Gesellschaft driftete immer stärker in Richtung Diktatur. Tatsächlich nahmen im Januar 1919 fast 90 Prozent der Wählerinnen an den Wahlen teil, weitaus mehr als bei entsprechenden Wahlen im internationalen Vergleich. Als am 6. Februar 1919 die verfassungsgebende Versammlung in Weimar eröffnet wurde, waren daher beinahe 10 Prozent der Abgeordneten Frauen. Es war eine parlamentarische Erfolgsgeschichte und doch fällt die Bilanz der politischen Frauenarbeit in der Weimarer Republik eher unbefriedigend aus. Die Konzentration der Parlamentarierinnen auf Frauenthemen führte dazu, dass die Debatten abfällig als "Weiberkram" bezeichnet wurden. Zudem war es für Frauen insbesondere in den bürgerlichen Parteien schwierig, bei Reichstags-, Landtags- und Gemeindewahlen einen sicheren Listenplatz zu ergattern.
In der anschließenden Diskussion wird die Frage erörtert, wie Gleichstellung im 21. Jahrhundert auszusehen hat. Bisher galt die Formel "Feminismus versus Gleichberechtigung" oder stellen wir in Zukunft das Konzept der Zweigeschlechtlichkeit fundamental in Frage?

Podium
12 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

AFRIKA UND EUROPA
BEGEGNUNGEN AUF AUGENHÖHE?

Prof. Dr. Winfried Speitkamp (Weimar), Prof. Dr. Elisio Macamo (Basel), Dr. Ari Awagana (Leipzig)
Moderation: Prof. Dr. Dirk van Laak (Leipzig)

Kaum eine Weltregion ist in den letzten 150 Jahren von Europäern derart stark beeinflusst worden wie der südlich gelegene Kontinent. Wenn von den fatalen Folgen des Kolonialismus die Rede ist, liegen Beispiele aus Afrika nahe. Selbst wenn vom "subsaharischen Afrika“ gesprochen wird, zeugt dies von einer geringen Bereitschaft zur Differenzierung. Denn Afrika ist mindestens so vielgestaltig wie Europa, und man könnte längst auf anderen Ebenen miteinander reden als auf der von Klischees. Aber ist es umgekehrt anders? Ist nicht auch Europa für viele Afrikaner zu einer undifferenzierten Projektionsfläche für unterschiedliche Hoffnungen geworden? Geschichte und Gegenwart des „eurafrikanischen“ Verhältnisses sollen in dem Panel, natürlich auf Augenhöhe, problematisiert und diskutiert werden.

Film
13 Uhr | Kino mon ami
in Kooperation mit dem Weimarer Republik e.V.

MÄDCHEN IN UNIFORM

D 1931, 98 min
Regie: Leontine Sagan, Carl Froelich. Mit: Dorothea Wieck, Hertha Thiele, Emilia Unda, Hedwig Schlichter u.a.

mit einer Einführung von Dr. Jens Riederer (Weimar)

Die 14-jährige Manuela von Meinhardis kommt nach dem Tod ihrer Mutter in ein Internat für adlige Töchter und wird dort mit strengem preußischen Drill konfrontiert. Manuela fällt es schwer, sich in dieser Welt ohne Wärme und Liebe unterzuordnen. Ihr einziger Lichtblick ist ihre verständnisvolle und bei allen Mädchen beliebte Lehrerin Fräulein von Bernburg. Als Manuela sich in die junge Frau verliebt und ihre schwärmerische Zuneigung nach einer Schultheateraufführung ausspricht, kommt es zu einem Skandal. Die entsetzte Oberin wendet sich mit militärischer Härte gegen Manuela, die schließlich als einzigen Ausweg den Selbstmord sieht. Der weltweit erste reine Frauenfilm wurde wegen seiner deutlichen Kritik an deutscher "Zucht und Ordnung" von den Nationalsozialisten verboten.

 

Podium
14 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar

FREUNDSCHAFT 2.0?
UNSERE BEZIEHUNGEN AUF DEM DIGITALEN PRÜFSTAND

Peter Stawowy (Dresden), Dr. Björn Vedder (München)
Moderation: Dr. Nora Hilgert (Frankfurt/Main)

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“sang Heinz Rühmann 1930 von der Leinwand herunter. Doch was heißt Freundschaft eigentlich? Freundschaft ist u.a. ein individueller Beziehungsstatus zwischen zwei oder mehr Menschen, der sich auch auf soziale Gruppen, ja sogar Länder beziehen lässt. Der Status ist dabei veränderlich und nicht selten von außen beeinflussbar. Ein Einflussfaktor, so könnte vermutet werden, sind heutzutage die raumgreifenden sozialen Netzwerke im Internet mit ihren mannigfaltigen Freundschaftsbekundungen. Aber verändern sie unsere Freundschaften und den Wert, den wir ihnen im Einzelnen beimessen? Werden wir im Umgang miteinander oberflächlicher oder eröffnet uns die hochgradig vernetzte Welt die Chance, mehr denn je über unseren Tellerrand hinauszublicken?

Film und Podium
15:30 Uhr | Kino mon ami Weimar

MÄNNER UNTER SICH. BEZIEHUNGEN GANZ BESONDERER ART?
MÄNNERBÜNDE IN GESCHICHTE UND GEGENWART

The Riot Club
GB 2014, 107 min., R: Lone Scherfig, D: Laura Wade

Krawall ist das namensgebende Programm des exklusiven Riot Clubs, der Graf Riot huldigt, einem Wüstling vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die 10 Sprösslinge der englischen Oberschicht halten sich für die Elite der Elite, selbst unter den Studenten in Oxford. Als verschworener Männerbund huldigen sie eigenen Normen, die der verachteten Umgebung lassen sie außer Acht, nicht zufällig vor allem zu Lasten von Frauen. Doch dann gerät eines ihrer ausschweifenden Dinner außer Kontrolle.

im Anschluß an den Film findet eine Diskussion statt:
Dr. Markus Meumann (Erfurt), Dr. Felix Krämer (Erfurt), Prof. Dr. Barbara Krug-Richter (Saarbrücken)
Moderation: Dr. Jens Riederer (Weimar)

Der Männerbund als historisches Phänomen wurde von der Wissenschaft erst nach 1900 entdeckt, war aber dafür sogleich in aller Munde. Im Jahr 1902 versuchte der Völkerkundler Heinrich Schurtz auf der Grundlage breiten ethnologischen Materials zu beweisen, dass allein Männerbünde die Kultur der Völker in Bewegung gesetzt und ihre Entwicklungsrichtung bestimmt hätten. Während das Weib in der Familie herrsche, führe ein „natürlicher Gesellungstrieb“ die Männer zusammen, um über die Gesellschaft zu herrschen. In seinem Buch „Der deutsche Wandervogel als erotisches Problem“ (1912) behauptete Hans Blüher, der männliche Gesellungstrieb bilde den „Untergrund der Staatsbildung“ und sei im Kern homoerotisch. Den Verdacht einer zumindest latenten Homosexualität werden Männerbünde seitdem nicht mehr los. Ebenso hartnäckig hält sich die Behauptung, dass männerbündische Prinzipien bis heute in Staat und die Politik dominieren.

Anhand historischer Beispiele wie Studentenverbindungen, der Freimaurerei als geschlossener Gesellschaft und dem Geheimbund der Illuminaten im 18. Jahrhundert bis hin zum amerikanischen Klu Klux Klan, diskutiert die Runde die Präsenz von Männerbünden und die Dominanz von Männlichkeit in Geschichte und Gegenwart.

Podium
16 Uhr | Eckermann-Buchhandlung Weimar
in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und dem Verein Weimarer Republik e.V.

(UN)RECHT UND VERANTWORTUNG – JURISTEN IM NATIONALSOZIALISMUS

Prof. Dr. Johann Chapoutot (Paris), Prof. Dr. Olivier Jouanjan (Paris), Dr. Michael Löffelsender (Weimar)

Bereits am Ende der Weimarer Republik waren zahlreiche Juristen an der Vorbereitung des Staatsumbaus während der Präsidialkabinette beteiligt, die in der Machtübernahme der Nationalsozialisten mündete. Im Nationalsozialismus dehnten sie die Rechtsauslegung und Strafpraxis gemäß ihrer weltanschaulichen Orientierung aus und nahmen unmittelbar Einfluss auf die rassistische Ausgestaltung der deutschen Gesellschaft. „Furchtbare Juristen“ fanden sich in den Jahren der NS-Diktatur überall: Als Strafrichter und Staatsanwälte zeichneten sie verantwortlich für drakonische Urteilssprüche und Tausende Todesurteile. An den „Erbgesundheitsgerichten“ entschieden sie über die Zwangssterilisation von Männern, Frauen und Kindern. Auch an zentralen Stellen des NS-Regimes waren Juristen ebenso unentbehrlich wie in Ministerien, Verwaltungen, Ämtern oder Besatzungsbehörden.
Die Podiumsdiskussion mit einschlägigen Experten aus Frankreich und Deutschland widmet sich der Rolle des Rechts und der Juristen in der Spätphase der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus und fragt danach, welche Umstände zur beschriebenen Situation geführt haben. Am Ende wird der Blick auch in die Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik bei der Bewältigung dieses "Erbes" gerichtet.

Podium
17 Uhr | Stadtmuseum Weimar
in Kooperation mit Weimarer Republik e.V. und der
Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V.

EHE FÜR ALLE? - NICHT ZU ALLEN ZEITEN!

Dr. Daniel Albrecht (Erfurt), Prof. Dr. Martin Lücke (Berlin), Dr. Simona Slanicka (Bern)
Moderation: Prof. Dr. Sabine Schmolinsky (Erfurt)

Im Juni 2017 verabschiedete der Deutsche Bundestag fast geräuschlos, ohne große Debatte und begleitende mediale wie gesellschaftliche Diskussion ein historisches Gesetz: die „Ehe für alle“. Historisch, da Homosexualität noch bis in die 1960er und 70er Jahre hinein strafrechtlich geahndet wurde, obwohl es schon in der Weimarer Republik aussichtsreiche Bemühungen gab, die Homosexualität zu legalisieren. Erst seit Ende der 1990er werden gleichgeschlechtliche Paare staatlich überhaupt anerkannt. Geht man bis in die Antike zurück, findet sich eine äußerst wechselvolle Geschichte des gesellschaftlichen Umgangs mit der Homosexualität.

 

Film und Gespräch
19 Uhr | Notenbank Weimar
in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

EIN DEUTSCHES LEBEN

A 2016, 113 min, FSK 12
Regie: Christian Krönes, Florian Weigensamer, Roland Schrotthofer, Olaf S. Müller
Daniel Gaede (Weimar) im Gespräch mit Olaf S. Müller (Berlin)

Brunhilde Pomsel (1911-2017) arbeitete zunächst bei einem jüdischen Rechtsanwalt, später beim Berliner Rundfunk und von 1942 bis Mai 1945 als Stenotypistin und Sekretärin Joseph Goebbels, die ihm bis in den Führerbunker folgte. Nach fünf Jahren in Haft, darunter im Sowjetischen Speziallager Nr. 2, setzte sie ihre Karriere bei der ARD fort. Der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ lässt sie als 103 jährige, hellwache Dame auf ihre Vergangenheit zurückblicken. Ohne Off-Stimmen erzählt sie aus ihrem langen, so außergewöhnlichen wie durchschnittlichen deutschen Leben.
Im anschließenden Gespräch soll es um Schuld, Moral und Verantwortung gehen. Um Opportunismus und um die Rolle des Einzelnen in der Geschichte, damals wie heute.

 

MITTWOCH 8. NOV
DONNERSTAG 9. NOV
FREITAG 10. NOV
SAMSTAG 11. NOV
SONNTAG 12. NOV

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