FILMPROGRAMM 2017

Film und Buffet
9. NOV |19 Uhr | Mehrgenerationenhaus Weimar-West

MONSIEUR CLAUDE UND SEINE TÖCHTER

F 2014, 97 min
Regie: Philippe de Chauveron. Mit: Christian Clavier, Chantal Lauby, Ary Abittan u.a.

Claude und Marie Verneuil, ein Ehepaar aus der katholischen Mittelklasse, sind ziemlich konservative Eltern, obwohl sie sich stets selbst dazu angehalten haben, weltoffen zu sein. Doch ihre Toleranz wird auf eine harte Probe gestellt, als ihre drei Töchter heiraten wollen: Die Zweitjüngste hat sich einen Muslimen als Ehemann auserwählt, eine andere Tochter will einen Juden ehelichen, und die Älteste hat sich in einen Chinesen verliebt. Nun ruhen all ihre Hoffnungen für eine kirchliche Hochzeit auf der jüngsten Tochter, die gerade - Hallelujah! - einen Katholiken kennengelernt hat.
Begleitend zum Film kann man sich an einem von Petra Hermann zubereiteten Buffet bedienen und Speisen aus den Herkunftsländern der Schwiegersöhne entdecken.

 

10. NOV |14 Uhr | Kino mon ami
in Kooperation mit dem Weimarer Republik e.V.

WEGE ZU KRAFT UND SCHÖNHEIT

D 1925, 104 min
Regie: Wilhelm Prager. Mit: Leni Riefenstahl, La Jana, Johnny Weissmuller, Kitty Cauer, Jack Dempsey, Jenny Hasselqvist u.a.

mit einer Einführung von Dr. Jens Riederer (Weimar)

Basierend auf der Massensport- und Körperkultur-Bewegung der 1920er Jahre propagiert der Film die körperliche Ertüchtigung und zeigt in stilisierten Stummfilmszenen Körperpflege, Gymnastik, Sport und Tanz sowie nackt posierende Sportler vor antiker Kulisse. Der vollkommene Körper wird zum Gegenstand kultischer Verehrung, Körperertüchtigung zum Mittel gesundheitlicher Vorsorge und nationalen Strebens. „Wege zu Kraft und Schönheit“ ist eine der ersten abendfüllenden Produktionen der UFA-Kulturfilmabteilung, die zur Erziehung der Bevölkerung ab 1918 kulturelle und gesellschaftsrelevant eingestufte Themen mit dem zwischen Dokumentar- und Spielfilm pendelnden Genre des Kulturfilms thematisierte.

 

11. NOV |13 Uhr | Kino mon ami
in Kooperation mit dem Weimarer Republik e.V.

MÄDCHEN IN UNIFORM

D 1931, 98 min
Regie: Leontine Sagan, Carl Froelich. Mit: Dorothea Wieck, Hertha Thiele, Emilia Unda, Hedwig Schlichter u.a.

mit einer Einführung von Dr. Jens Riederer (Weimar)

Die 14-jährige Manuela von Meinhardis kommt nach dem Tod ihrer Mutter in ein Internat für adlige Töchter und wird dort mit strengem preußischen Drill konfrontiert. Manuela fällt es schwer, sich in dieser Welt ohne Wärme und Liebe unterzuordnen. Ihr einziger Lichtblick ist ihre verständnisvolle und bei allen Mädchen beliebte Lehrerin Fräulein von Bernburg. Als Manuela sich in die junge Frau verliebt und ihre schwärmerische Zuneigung nach einer Schultheateraufführung ausspricht, kommt es zu einem Skandal. Die entsetzte Oberin wendet sich mit militärischer Härte gegen Manuela, die schließlich als einzigen Ausweg den Selbstmord sieht. Der weltweit erste reine Frauenfilm wurde wegen seiner deutlichen Kritik an deutscher "Zucht und Ordnung" von den Nationalsozialisten verboten.

 

Film und Podium
11. NOV |15:30 Uhr | Kino mon ami

THE RIOT CLUB

GB 2014, 107 min
R: Lone Scherfig, D: Laura Wade, Sam Claflin, Max Irons

MÄNNER UNTER SICH. BEZIEHUNGEN GANZ BESONDERER ART?
MÄNNERBÜNDE IN GESCHICHTE UND GEGENWART

im Anschluß an den Film findet eine Diskussion statt:
Dr. Markus Meumann (Erfurt), Dr. Felix Krämer (Erfurt), Prof. Dr. Barbara Krug-Richter (Saarbrücken)
Moderation: Dr. Jens Riederer (Weimar)

Krawall ist das namensgebende Programm des exklusiven Riot Clubs, der Graf Riot huldigt, einem Wüstling vom Ende des 18. Jahrhunderts. Die 10 Sprösslinge der englischen Oberschicht halten sich für die Elite der Elite, selbst unter den Studenten in Oxford. Als verschworener Männerbund huldigen sie eigenen Normen, die der verachteten Umgebung lassen sie außer Acht, nicht zufällig vor allem zu Lasten von Frauen. Doch dann gerät eines ihrer ausschweifenden Dinner außer Kontrolle.

Der Männerbund als historisches Phänomen wurde von der Wissenschaft erst nach 1900 entdeckt, war aber dafür sogleich in aller Munde. Im Jahr 1902 versuchte der Völkerkundler Heinrich Schurtz auf der Grundlage breiten ethnologischen Materials zu beweisen, dass allein Männerbünde die Kultur der Völker in Bewegung gesetzt und ihre Entwicklungsrichtung bestimmt hätten. Während das Weib in der Familie herrsche, führe ein „natürlicher Gesellungstrieb“ die Männer zusammen, um über die Gesellschaft zu herrschen. In seinem Buch „Der deutsche Wandervogel als erotisches Problem“ (1912) behauptete Hans Blüher, der männliche Gesellungstrieb bilde den „Untergrund der Staatsbildung“ und sei im Kern homoerotisch. Den Verdacht einer zumindest latenten Homosexualität werden Männerbünde seitdem nicht mehr los. Ebenso hartnäckig hält sich die Behauptung, dass männerbündische Prinzipien bis heute in Staat und die Politik dominieren.
Anhand historischer Beispiele wie Studentenverbindungen, der Freimaurerei als geschlossener Gesellschaft und dem Geheimbund der Illuminaten im 18. Jahrhundert bis hin zum amerikanischen Klu Klux Klan, diskutiert die Runde die Präsenz von Männerbünden und die Dominanz von Männlichkeit in Geschichte und Gegenwart.

 

Film und Gespräch
11. NOV |19 Uhr | Notenbank

EIN DEUTSCHES LEBEN

A 2016, 113Min, FSK 12
Regie: Christian Krönes, Florian Weigensamer, Roland Schrotthofer, Olaf S. Müller
Daniel Gaede (Weimar) im Gespräch mit Olaf S. Müller (Berlin)

Brunhilde Pomsel (1911-2017) arbeitete zunächst bei einem jüdischen Rechtsanwalt, später beim Berliner Rundfunk und von 1942 bis Mai 1945 als Stenotypistin und Sekretärin Joseph Goebbels, die ihm bis in den Führerbunker folgte. Nach fünf Jahren in Haft, darunter im Sowjetischen Speziallager Nr. 2, setzte sie ihre Karriere bei der ARD fort. Der Dokumentarfilm „Ein deutsches Leben“ lässt sie als 103 jährige, hellwache Dame auf ihre Vergangenheit zurückblicken. Ohne Off-Stimmen erzählt sie aus ihrem langen, so außergewöhnlichen wie durchschnittlichen deutschen Leben.
Im anschließenden Gespräch soll es um Schuld, Moral und Verantwortung gehen. Um Opportunismus und um die Rolle des Einzelnen in der Geschichte, damals wie heute.

 

12. NOV |13 Uhr | Kino mon ami

DIE GROßE ILLUSION

F 1937, 120 min, OmdU
Regie: Jean Renoir
mit einer Einführung von Jean-Marie Génard (Blois)

Zwei französische Soldaten geraten im Ersten Weltkrieg in einer Festung in Kriegsgefangenschaft, die von dem aristokratischen Major von Rauffenstein kommandiert wird. Obwohl die Gefangenen hier sehr gut behandelt werden, schmieden sie Fluchtpläne. Zwischen dem einen - adligen - französischen Soldaten und dem deutschen Kommandanten entwickelt sich eine Freundschaft, weil sie trotz der Feindschaft ihrer Länder ein ähnliches Schicksal teilen. Schon bald sind militärische Pflicht und universelle Menschlichkeit nicht mehr vereinbar
Renoirs Film gilt als Meisterwerk der Filmgeschichte. Er wurde 1937 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig ausgezeichnet und 1939 für einen Oscar in der Kategorie "Bester Film" nominiert.

 

12. NOV | 15h30 Uhr | Kino mon ami
in Kooperation mit dem Polnischen Institut Berlin/Filiale Leipzig

HISZPANKA / SPANISCHE GRIPPE

Geschichtsphantasie, Pl 2015, 121 min, OmdU
Regie: Łukasz Barczyk

mit einer Einführung von Bernd Karwen (Leipzig)

Barczyks Geschichtsphantasie erzählt über eine Episode kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, den sogenannten Posener Aufstand 1919, in der eine Gruppe spirituell hochbegabter Verschwörer versucht, mit metaphysischen Hilfsmitteln den Meisterpianisten und künftigen polnischen Ministerpräsidenten Ignacy Jan Paderewski aus dem Ausland zurück zu lotsen. Dummerweise steht ihnen auf der deutschen Gegenseite in Gestalt des zwielichtigen Mediums Doktor M. Abuse ein nicht minder begabter Schurke gegenüber. Mit diversen Tricks versuchen beide Seiten, einander auszuhebeln und damit dem Lauf der Geschichte in ihrem Interesse auf die Sprünge zu helfen. Auf der Leinwand entspinnt sich eine außergewöhnlich opulente Steam-Punk-Version der Geschichte, die mit verwegenen Kamerafahrten, aufwändigen Tricks und liebevollen Details in Ausstattung, Kostümen und Architektur dem Geist einer Epoche Leben einhaucht. Auch dem Film der Zwischenkriegszeit wird hemmungslos gehuldigt, allen voran dem deutsch-amerikanischen Meister der Leinwandverschwörung Fritz Lang.