INTERVIEW
„KOMMEN RÜHRGERÄTE IN DEN HIMMEL?“ REGISSEUR
REINHARD GÜNZLER

Kommenden Sonntag werden Sie während der Aufführung Ihres Filmes „Kommen Rührgeräte in den Himmel?“ in Weimar zu Gast sein. Was erwarten Sie vom Weimarer Publikum?

Ich freue mich auf dieses Publikum besonders. Da der Film ja während des Geschichtsfestivals gezeigt wird und sogar im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung steht, muss das Publikum historisch interessiert sein. Mein Film enthält ja zwei Aspekte: Zum einen geht es um Nachhaltigkeit und zum anderen um die historische Dimension.

Wo sehen Sie die historischen Bezüge?

Es geht  - selbst bei einem Rührgerät – um DDR-Geschichte. Vielleicht ist der Film eine kleine Chance, den Menschen etwas von ihrem Selbstwert zurück zu geben. Der RG 28 ist eine von manchen Erfindungen, die Menschen in dieser DDR produziert und die heute noch Bestand haben.

Haben Sie auch einen solchen Mixer?

Natürlich habe ich den RG 28. Allerdings erst, seit ich an dem Film gearbeitet habe. Vorher hatte ich einen, der nur zwei Jahre überstanden hat. So ist der Film ja auch entstanden – ich bin von unserer Lebenswirklichkeit ausgegangen, in der alle paar Jahre die Elektrogeräte kaputt zu gehen scheinen und auch wirklich kaputt gehen. Das muss nicht sein. Der RG 28 ist in meinen Augen ein Symbol der Nachhaltigkeit.

Wie lange haben Sie für Ihren Film gearbeitet?

Alles in allem war das knapp ein Jahr. Ich habe einen Thüringer Produzenten in Suhl gefunden, der das Risiko dieses Films eingegangen ist. Ich denke, das Risiko hat sich gelohnt.

Das meinen Sie eher inhaltlich denn finanziell.

Auf jeden Fall. Der Film war eine Herzensangelegenheit von mir und ist nicht des Geldes wegen entstanden. Wenn man in Deutschland mit Filmemachen reich werden will, muss man Serien wie „Hinter Gittern“ drehen.

Sie haben das tatsächlich getan und einige Folgen der Serie „Hinter Gittern – der Frauenknast“ erarbeitet. Wie kommt man von einer solchen Serie zum Dokumentarfilm?

Ich arbeite ja bereits seit 1986 in der Filmbranche. Seither stehen in meinem Kalender immer auch Dokumentarfilme. Doch mit Dokumentationen verdient man – im Gegensatz zu Serien – nicht wirklich Geld. Mit der Serie habe ich mir ein wenig die Rente gesichert.

Sind Sie im Vorfeld auch mit Herstellern solcher Geräte ins Gespräch gekommen?

Ich habe versucht, Firmen zu finden, die Elektrogeräte herstellen. Zwar gab es zunächst ein allgemeines Interesse, dann aber erhielt ich nur Absagen.

Gibt es Debatten um diesen Film?

Ja, einige. Seit September, als der Film heraus kam, bin ich jede Woche unterwegs, auch in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Berlin oder auch in Westdeutschland.

Bemerken Sie Unterschiede in den Diskussionen?

Durchaus. Im Osten haben viele noch diesen RG 28 zu Hause oder aber kennen ihn von Verwandten. Die Westdeutschen staunen darüber. Und die Ostdeutschen haben oft das Gefühl, dass in den vergangenen Jahren ihre Biografie entwertet wurde. Der Film, so sagen sie, gibt ihnen ein klein wenig von ihrer Biografie zurück.

 

„Kommen Rührgeräte in den Himmel?“ wird am kommenden Sonntag um 19 Uhr in der Eckermann Buchhandlung gezeigt. Gäste, die ihren RG 28 mitbringen, erwartet eine Überraschung. Regisseur Reinhard Günzler ist anwesend und steht sowohl der Historikerin und Filmexpertin Dr. Nora Hilgert als auch dem Publikum Rede und Antwort.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Das Interview führte Esther Goldberg.