JUN 2019


Anita Lasker-Wallfisch, die Cellistin des Mädchenorchesters von Auschwitz-Birkenau, geht im Gespräch mit Volker Ahmels (Rostock) auf ihre Erlebnisse im Konzentrationslager ein. Besonderes Augenmerk der Diskussion liegt dabei auf der Musik und ihre Funktion im KZ Auschwitz-Birkenau. Was für eine Rolle spielte die Musik im Lageralltag? Welche Bedeutung hatte sie für die Häftlinge, welche für die SS-Aufseher? Welche Musik wurde vorwiegend gespielt? Lasker-Wallfisch geht an diesem Abend insbesondere auf die Bedeutung der Musik als Überlebenshilfe ein, denn für viele Häftlinge galt sie als Hoffnungsträger und Rettungsanker im unmenschlichen Lageralltag: „Wir spielten Märsche am Lagertor für die Gefangenen, die in den umliegenden Fabriken arbeiteten - IG Farben, Buna, Krupp usw. -, und Konzerte am Sonntag irgendwo auf dem Lagergebiet für das Personal oder wer immer auch zuhören wollte. […] für manche vielleicht eine Möglichkeit, sich für Momente in eine andere Welt zu träumen.“ Doch gleichzeitig, so Lasker-Wallfisch, stellte die Musik für viele „in dieser Hölle eine absolute Beleidigung“ dar, denn sie war auch ein bewusst eingesetztes Instrument der für das Leid Verantwortlichen. Gerade diese ambivalente Rolle der Musik werden Lasker Wallfisch und Ahmels unter Einbeziehung des Publikums an diesem Abend betrachten.

Das Gespräch wird musikalisch gerahmt durch Raphael Wallfisch, dem Sohn von Anita Lasker-Wallfisch am Violoncello, gemeinsam mit Christian Wilm Müller am Klavier und Studierenden der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Ernst Bloch, Max Bruch und Hans Gal. Den musikalischen Höhepunkt des Abends bildet vielleicht die Wiederaufführung einer Bearbeitung von Frédéric Chopins Etüde op.10 Nr. 3 für Orchester und Gesangsstimme von Alma Rosé. Die musikalische Leiterin des Mädchenorchesters verfasste auch den Text „In mir klingt ein Lied“. Sie brachte das Stück in Birkenau in wechselnden Besetzungen zur Aufführung - je nach der Verfügbarkeit von Instrumenten und Musikerinnen aus diversen Transporten.

Dies ist eine Veranstaltung des Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte im Rahmen des Weimarer Sommers in Kooperation mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, dem Erinnerungsort Topf & Söhne Erfurt, der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, dem Zentrum für verfemte Musik und der Hochschule für Musik und Theater Rostock, mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Mittelthüringen, der Weimarer Wohnstätte, dem Freistaat Thüringen, dem Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, Denk bunt und der Heyge- Stiftung.

Weitere Informationen unter: www.weimarer-rendezvous.de
Kontakt:
Dr. Franziska Müller
presse@weimarer-rendezvous.de

IHR SOLLT DIE WAHRHEIT ERBEN - Lesung und Musik mit Anita Lasker-Wallfisch
29. JUNI | 18 UHR | NOTENBANK WEIMAR
Diese Veranstaltung steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Bodo Ramelow