PRESSE
30. SEP 2015

Seit 2009 findet stets an einem Wochenende im November das internationale Geschichtsfestival „Weimarer Rendez-vous mit der Geschichte“ statt. Auch in diesem Jahr werden erneut Historiker und Kulturwissenschaftler aus dem In- und Ausland in die Kulturstadt Weimar reisen, um über zentrale Fragen der Geschichte zu diskutieren. Es ist ein europäisches Festival, mit speziellem Fokus auf die Länder des Weimarer Dreiecks: Frankreich, Polen und Deutschland. Aus Historikern und Spezialisten anderer Disziplinen dieser Länder setzt sich auch das Gremium zusammen, das jährlich die Themen für das Festival auswählt. Es richtet sich an ein geschichtsinteressiertes Publikum und bietet die Möglichkeit, untereinander, aber auch mit Wissenschaftlern und Zeitzeugen über Geschichte ins Gespräch zu kommen. Dazu möchten wir alle Leser von G/Geschichte herzlich eingeladen.

In der nunmehr schon siebenten Ausgabe beleuchten unter dem Titel „WOHIN? Zukunftsvisionen gestern und heute“ vom 13. – 15.11.2015 rund 20 Veranstaltungen wichtige historische und zeitgeschichtlich aktuelle Aspekte rund um das Thema „Zukunft“ in Vergangenheit und Gegenwart. Das facettenreiche Programm beinhaltet auch in diesem Jahr zahlreiche Podiumsgespräche, Vorträge, Filmabende, Musik, Workshops sowie Studenten- und Schülerprojekte.

Bereits die Eröffnungsveranstaltung des Weimarer Geschichtsfestivals am Freitag verspricht, hochspannend zu werden. Der Botschafter des Fürstentums Liechtenstein in Berlin, S. D. Prinz Stefan von Liechtenstein und der thüringische Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, werden über ein Thema debattieren, das unsere Gesellschaft in hohem Maße beeinflusst: der Stellenwert des Geldes. Die Diskussion gründet sich auf die Frage, welchen symbolischen Gehalt eine Gesellschaft dem Geld beimisst. Dessen ganz ursprünglicher Sinn, nämlich der eines Tauschwertes, ist lange vergessen. Stattdessen wird Geld gleichgestellt mit Macht und gesellschaftlichem Ansehen. Der kommunistische Gedanke, der ganz ohne Geld auskommen wollte, erscheint als Utopie, die der Sozialismus nicht umzusetzen vermochte. Heute spielt das Geld eine größere Rolle denn je und ist aus unserer Zeit nicht wegzudenken. Und so bleibt die Frage zu erörtern, welchen Wert wir dem Geld in Zukunft zuschreiben wollen und können.
Am Samstag beschäftigen sich zwei Podien mit Gesellschaftsutopien in Theorie und Praxis. Das Podium „Der zerstörte Traum? Geschichte, Gegenwart und Zukunft von Utopien“ thematisiert ideelle Wunschvorstellungen in verschiedenen Epochen der Geschichte und deren Wandel im Laufe der Zeit. Versuche, Utopien des Zusammenlebens umzusetzen, werden an speziellen Beispielen aufgezeigt. Die Referenten widmen sich den israelischen Kibbuzim als Idee einer anderen Lebensform und im größeren Maßstab der einflussreichsten Utopie des vergangenen Jahrhunderts, die letztendlich gescheitert ist – dem Kommunismus. Ausgehend davon, soll auch nach den Utopien des 21. Jahrhunderts gefragt werden.

Doch was wurde aus den Utopien der Menschen aus noch gar nicht so lang vergangenen Zeiten? Dieser Problematik gehen die Referenten einer anderen Veranstaltung kritisch nach. Experten aus Deutschland, Polen und Russland sprechen über Ihre Erinnerungen an die Hoffnungen der Menschen in den 1980er Jahren und der „Wendezeit“ 1989 und ziehen ihr ganz persönliches Resümee im Hinblick auf Visionen von Bürgerrechtlern, mutigen Bürgern und engagierten Politikern in ihren jeweiligen Ländern.

Vielschichtig ist auch das weitere Programm gestaltet. Beispielsweise wird es um Hoffnungen und Wünsche der Menschen in Zeiten des historischen Wandels gehen, um die Zeit der Neuordnung Europas nach Napoleons Ende oder um die Politik und Zielsetzungen der Weimarer Republik und deren Aktualität, übertragen auf die heutige Zeit. Dieses Thema konnte Dank der Zusammenarbeit mit dem Verein der Weimarer Republik e.V. umgesetzt werden.

Ein trilateraler Studierenden-Workshop in der Konstellation des Weimarer Dreiecks mit Studierenden aus Deutschland, Polen und Frankreich wird sich mit der Frage nach der Verwirklichung des Friedens in Europa beschäftigen. Anhand von Plänen für den „ewigen Frieden“ von Immanuel Kant, Abbé Saint Pierre und Wojciech Jastrzgbowskis wird in Kooperation mit dem Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena diskutiert, ob und inwiefern die Europäische Union in Anbetracht der aktuellen Krisen diesen Entwürfen gerecht zu werden vermag.

Darüber hinaus werden ökologische und soziologische Themen eine Rolle spielen: Am Sonntag gehen die Referenten eines Podiums der Frage nach der Zukunft des Klimas nach. Klimawandel, ein Wort, das immer wieder in aller Munde ist. Die Sommer extrem heiß, die Winter immer milder. Und wie wir alle wissen, hat der Mensch nicht unwesentlich dazu beigetragen. Die Zukunft des Klimas liegt demnach auch in der politischen und technologischen Handlungsfähigkeit des Menschen. Die Referenten diskutieren technologische Zukunftsentwürfe und politische Projekte zur Rettung des Klimas und deren Sinnhaftigkeit.

Weitere Podien zeigen Zukunftsvorstellungen von religiösen Gruppen aus allen geschichtlichen Epochen oder beschäftigen sich mit der Überwachung des Menschen durch Strukturen, die uns zu „Gläsernen Menschen“ werden lassen. Es wird aber auch nach Möglichkeiten gefragt, wie wir dieser Überwachung in Zukunft begegnen können.

Erfahren Sie mehr über das Programm unter www.weimarer-rendezvous.de
Der Eintritt in alle Veranstaltungen ist frei (Ausnahme begleitendes Filmprogramm).
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

WEIMARER RENDEZ-VOUS
MIT DER GESCHICHTE
13.-15.11.2015
„WOHIN? ZUKUNFTSVISIONEN GESTERN UND HEUTE“

Pressekontakt: Jana Brückner
presse@weimarer-rendezvous.de