PRESSE
10 OKT 2018


Lassen Sie sich locken von unserem diesjährigen Thema und gehen Sie in den drei Festivaltagen mit uns auf die Suche nach der "Verführung"  - einem Phänomen, das weit mehr bedeutet als Lust und Genuss. Wir Menschen streben historisch wie individuell nach etwas Höherem, wollen weiter und geben uns selten mit dem Ist-Zustand zufrieden. In dem Maße, in welchem aber unsere Bedürfnisse unbefriedigt bleiben, wächst unsere Verführbarkeit. Die historischen und politischen Dimensionen dieses sinnlichen Begriffs sind vielfältig und lohnen den Blick auf das intensive Spannungsfeld von verführerischen Ideologien und der Stärke des Widerstehens, von Werbung und Punk, von Gewalt und Gehorsam. Um unsere heutige Zeit mit ihren mannigfaltigen Versuchungen und der allzu großen Notwendigkeit des Widerstehens begreifen zu können, sollten wir unsere Geschichte kennen.
59 Referenten –  25 Veranstaltungen – 4 Orte


1. Ein Einblick in die 10-jährige Geschichte des Festivals


Ein Auszug des Interviews mit der Geschäftsführerin Franka Günther

10 Jahre Rendez-vous in Weimar. Können Sie sich noch erinnern, wie alles anfing?
Ja, sehr genau! Der damalige Vertreter Frankreichs in Thüringen stammte aus Blois, wo ja das Rendez-vous mit der Geschichte erfunden wurde. Er fragte mich, „Was hältst du davon, das auch in Weimar zu machen?“ Ich war sofort von der Idee überzeugt, denn ich kannte das Geschichtsfestival in Blois und wusste, dass dort ungefähr 500 Historiker über 20000 Besucher jährlich anlocken, um miteinander zu diskutieren. Also, ich kannte das und fand es dermaßen überzeugend, dass ich fast neidisch war, die Idee nicht selbst gehabt zu haben.

Warum haben Sie das Festival nach Weimar geholt?
Nun ja, nicht ich habe das Festival nach Weimar geholt, sondern deutsche und französische Entscheidungsträger aus der Politik haben den Weg geebnet und ich war froh, dieses Festival mitgestalten zu können. Und Weimar bot sich aufgrund seiner vielschichtigen Vergangenheit geradezu als ein Ort in Deutschland an, an dem wir uns mit unserer Geschichte beschäftigen. Es drängt sich auf, die Komplexität der deutschen Geschichte in Weimar zu thematisieren, um bestenfalls ein Nachdenken anzustoßen.

Was waren die größten Hilfen und Stolpersteine?
Tja, die Stolpersteine. Ich glaube, mir war nicht bewusst, dass Historiker in Frankreich eine ganz andere Popularität besitzen als in Deutschland. Dort erklären Historiker schon seit vielen Jahren in den Nachrichtensendungen zur besten Sendezeit das aktuelle Geschehen und werden sozusagen zu Stars, die dann wiederum ein treues und zahlreiches Publikum haben, wenn sie in einer kleinen Stadt wie Blois einen Vortrag halten. In Deutschland hat sich diese Öffentlichkeitswirksamkeit von Wissenschaftlern erst in der jüngeren Vergangenheit entwickelt.
Eine weitere Schwierigkeit bestand zu Beginn darin, dem Publikum zu vermitteln, dass auf unseren Veranstaltungen Experten aus verschiedenen Ländern ihr Wissen mit den anwesenden Besuchern teilen, dass also das Gespräch mit den Referenten absolut gewollt ist. Inzwischen nehmen die Besucher unserer Veranstaltungen dieses Angebot aber sehr gern an.
Unsere größten Unterstützer kommen aus Frankreich, von einigen Thüringer Ministerien und von Beginn an aus Weimar. Ohne die Begleitung des Festivals durch die Stadtspitze, die Kulturdirektion und Weimarer Unternehmen würden wir kein Zehnjähriges feiern können.
Und natürlich gäbe es das Festival nicht ohne den international besetzten wissenschaftlichen Beirat, der ausnahmslos ehrenamtlich tätig ist und das kleine, engagierte Team, das mit der konkreten Durchführung beschäftigt ist. Dieses Festival besteht nur, weil es Menschen gibt, die diese Idee mit mir und der Stadt zusammen tragen.

Welche Rückmeldung bekommen Sie von den Festivalbesuchern?
Wir haben mehrmals Besucherbefragungen durchgeführt. Interessant ist, dass die Besucher mehr und mehr von außerhalb kommen, das Gros aber natürlich aus Weimar und den umliegenden Orten. Wir haben inzwischen treue Besucher aus Braunschweig, Köln oder Aachen, die sich per Newsletter informieren. Aber auch Touristen kommen gerne in unsere Veranstaltungen. Zu unserem Publikum gehören ebenso viele Studenten aus Jena und Erfurt, die das Rendez-vous mit der Geschichte als Teil ihres Studiums betrachten.

Das Interview führte Annette Börger
 
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Interview mit Dr. Andreas Braune 
Dr. Andreas Braune ist stellvertretender Leiter der Forschungsstelle Weimarer Republik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Als wissenschaftlicher Koordinator verantwortete er von 2012 bis 2016 teils ehrenamtlich die Programmkoordination und -gestaltung des Weimarer Rendez-vous.

Veranstaltungshinweis:
Podium
carte blanche Weimarer Republik e.V.
11 Uhr | Eckermann Buchhandlung Weimar
WIEVIEL POPULISMUS BRAUCHT DIE DEMOKRATIE?
Dr. Zoé Kergomard (Paris), Prof. Dr. Karin Priester (Münster), Dr. Istvan Hiller (Budapest) Moderation: Dr. Andreas Braune (Jena)

Braucht die Demokratie nicht gerade "positive Populisten", die das demokratische System emotional verteidigen?
Eigentlich sollte Demokratie auch ohne Emotionen funktionieren – positive wie negative. Politik ist gemeinschaftliches Problemlösen, und da ziehe ich sachliche Lösungen und vernünftige Kompromisse vor. Wer sich dem verschließt und Politik mit negativen Gefühlen wie Angst und Wut bewusst emotionalisiert, um für die eigene Agenda ‚Stimmung‘ zu machen, ist an dieser Art einer erwachsenen Demokratie nicht interessiert. Ob die Demokraten gut beraten sind, sich auf dieses Spiel einzulassen, weiß ich nicht. Aber es spricht natürlich nichts dagegen, die Bedeutung demokratischer Errungenschaften und Rechte mit Emphase zu betonen.

Ist "Populismus" ein Kampfbegriff?
Vor einigen Jahren war er das noch und diente oft dazu, Lösungsvorschläge aus der Opposition als ‚bloßen Populismus‘ abzutun – was sie ja manchmal durchaus waren und sind. Heute steht er aber mittlerweile für einen ganzen Politikstil, der das Funktionieren unserer Demokratie gefährden würde, wenn er sich systematisch durchsetzt. Und für diesen Politikstil ist der Begriff durchaus ein analytischer Begriff. Denn das wiederkehrende Muster des Populismus – des linken wie des rechten – sind Vereinfachung und Emotionalisierung, das Konstruieren von Feindbildern und eine durch die eigene Weltsicht verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit.

Was macht Populismus aus - wo hören klare, verständliche Botschaften (die alle fordern) auf und wo fängt Populismus an?
Wo wider besseren Wissens simple Lösungen für komplexe Probleme oder ernsthafte politische Herausforderungen angeboten werden. Fördern Digitalisierung und soziale Medien Populismus? Ja, definitiv, und zwar auf viele verschiedene Weisen. Schon allein die Möglichkeit populistischer Politiker, mit ihren eigenen Anhängern völlig unabhängig vom System der Fernseh- und Printmedien zu kommunizieren, macht ihr Geschäft viel einfacher. Berlusconi brauchte in Italien noch ein eigenes Medienimperium, Trump reichen sein Handy und Twitter. Die sozialen Medien erleichtern mit ihren Formaten zudem jene Vereinfachung und Emotionalisierung, die den Kern des Populismus ausmachen.

Das Interview führte Annette Börger

>>> Zum kompletten Interview
 
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Interview mit Klaus Ehrlich
Der studierte Werbefachmann Klaus Ehrlich arbeitete beim DDR-Werbefernsehen, bevor er Mitte der 1970er Jahre mit der Sendung „Mode mal Ehrlich“ bekannt wurde.

Veranstaltungshinweis:
28. Oktober, 13 Uhr | Eckermann-Buchhandlung Weimar
"EHRLICH, SO WILLST DU RUMLAUFEN?"
Mode und Mangel in der späten DDR und der VR Polen

Dr. Anna Pelka (Regensburg), Klaus Ehrlich (Sylt)
Moderation: Dr. Jens Riederer (Weimar)

Kennen Sie Weimar?
Ich kenne Weimar, allerdings stammen meine Kenntnisse aus dem Weimarer Tatort (lacht) und ansonsten überwiegend noch aus DDR Zeiten. Ende der 80er Jahre habe ich in Weimar Mode gedreht mit meiner Modetruppe. Damals habe ich dort sehr schöne Ecken gefunden, wo wir drehen konnten. Kurz nach dem Dreh war ich direkt noch einmal privat dort und habe im Haus der Frau von Stein übernachtet, danach aber nicht mehr. Ich bin sehr gespannt, wie es dort jetzt aussieht.

Sie haben 1966 bis 1975 beim DDR-Werbefernsehen gearbeitet, wechselten dann zur Mode – wie kam das?
Mein Chef sagte damals zu mir, „Mensch, Sie sehen immer so modisch aus – machen sie doch mal was über Mode!“. Ich habe also eine Truppe zusammengestellt, mit dem Modeinstitut zusammengearbeitet und 1974 den ersten Modefilm gemacht. Der war so erfolgreich, dass ich einmal jährlich zu Weihnachten einen neuen Film gemacht habe. Man wartete immer schon auf meine Sendung, mein fester Sendeplatz war neben „Zwischen Frühstück und Gänsebraten.“ Wir haben eine sehr gute Mode geboten, die Vorzeigekollektion mit edlen Stoffen und in den Modesendungen auch Schnittmuster gezeigt, damit die DDR-Frauen das nachschneidern konnten. So trieb ich wohl Hunderte von Frauen an die Nähmaschine (lacht).

In der DDR war Ihre Mode-Sendung sehr beliebt, wie ging es für Sie weiter?
Nach der Wende hatte ich Glück. Während viele Kollegen zum Privatfernsehen wechselten, nahm mich mein Chef mit zum MDR. 1991/92 machten wir dort den ersten Modefilm, eine Produktion unter Palmen in Tunesien. Die Quote dieser Produktion war so gut, dass ich vier Sendungen im Jahr bekam, „Mode mal Ehrlich.“ Wir hatten wunderbare zuschauerfreundliche Sendezeiten und Zuschauerquoten. Die Frühjahr-/Sommermode 2013 war mein letzter Film, der in Ägypten gedreht wurde. Noch heute sprechen mich Leute auf der Straße an: „Warum gibt es Ihre Sendung nicht mehr?“

Was war Ihrer Meinung nach das am besten angezogene Jahrzehnt Deutschlands?
Die 70er und vor allem die 80er Jahre! Ich habe die 80er geliebt, sehr geliebt und ich bin nicht traurig, dass sie jetzt wieder kommen. Es war eine Mode zum Wohlfühlen, im Zwiebellook. Man hat gewagt, einen Hut zu nehmen als Dame, was vorher überhaupt nicht möglich war – die Dame war wieder klassisch angezogen. Das finde ich schön.

Das Interview führte Annette Börger

>>> Zum kompletten Interview

SAVE THE DATE:
26 - 28 OKT 2018 –
Die "Verführung" ruft!